Totengedenken und Erinnerung

Das wieder aufgebaute Haus Kaiser mit der alten Ziegelei Niedereimer, die im März 1945 Ziel des Bombenangriffs war, in den 1950er Jahren
Das wieder aufgebaute Haus Kaiser mit der alten Ziegelei Niedereimer, die im März 1945 Ziel des Bombenangriffs war, in den 1950er Jahren
Foto: Privat

Niedereimer..  2015 jährt sich zum 70. Mal das Ende des Zweiten Weltkrieges. Aber auch das Datum eines verheerenden Luftangriffs auf das damals noch kleine und für die Kriegsführung völlig unbedeutende Niedereimer. Dabei verloren am 9. März 1945 21 Menschen ihr Leben. Der „Arbeitskreis Dorfgeschichte“ erinnert mit einem Totengedenken an die Opfer des Angriffs, aber zugleich auch an alle Kriegstoten und Vermissten des Dorfs. Vom 8. bis 17. Mai greift zudem eine Ausstellung das Kriegsende auf: „Erinnerungen an schwere Zeiten in Niedereimer“.

Die Recherchen für die Ausstellung, erklärt Arbeitskreisvorsitzender und Ortsheimatpfleger Detlev Becker, laufen bereits seit etwa vier Jahren. Doch seit etwa einen Vierteljahr hat sich die Arbeit sehr intensiviert. „Derzeit investieren wir täglich zwei bis drei Stunden in die Vorbereitungen.“ Wir, das sind Detlef Becker und Ehefrau Simone Toch, die das Projekt als Zweier-Team vorantreiben.

Zwar habe es bereits zur 50. und 60. Wiederkehr des Kriegsendes vom Arbeitskreis Dorfgeschichte organisierte Ausstellungen gegeben, „doch wir wollen den Besuchern natürlich jetzt neue Recherche-Ergebnisse präsentieren“. Und dieses Neue ist nun sehr arbeitsaufwendig - es werden Zeitzeugenberichte von Dorfbewohnern gesammelt und in einer Dokumentation im „Niniviten“ zusammengefasst.

Aufwendige Recherchen

Und zwar unter verschiedenen thematischen Schwerpunkten: nämlich Nationalsozialismus vor Ort, Einmarsch der Amerikaner, Möhnekatastrophe und der Absturz zweier B 17-Bomber im Niedereimerforst am 22. April 1944. „Hinzu kommt noch der Punkt ,Erinnerungen’,“ erläutert Becker, „unter den alle anderen örtlichen Begebenheiten aus dieser Zeit fallen.“

So wurden 100 Personen ab Jahrgang 1916 angeschrieben mit der Bitte, ihre Erinnerungen preiszugeben. „Über 60 haben geantwortet,“ freut sich Becker über die große Resonanz. Natürlich hätten einige angesichts der langen Zeitspanne Sorge gehabt, vielleicht Details falsch wiederzugeben. „Aber wir haben ihnen geraten, ohne Scheu an die Sache heranzugehen. Schließlich kommt es dabei nicht nur auf Kleinigkeiten an, sondern in erster Linie auf das persönliche Erleben und Empfinden.“

Für ihre Recherchen haben Detlev Becker und Simone Toch US-Army- und Wehrmachtarchive ausgewertet. Darunter die sogenannten „After Action Reports“ der 1. US-Armee, deren Einheiten Niedereimer aus Richtung Breitenbruch kommend einnahmen. Zudem wurden viele interessante Exponate zusammengetragen - vom Mutterkreuz bis zum Volksempfänger. „Und alles, was an Bildern zu bekommen war“.

Zeitzeugen befragt

Am 9. März wird im großen Rahmen der Opfer eines amerikanischen Luftangriffs gedacht. An jenem Tag vor 70 Jahren fliegen gegen 17 Uhr amerikanische Bomber die ehemalige Ziegelei an der heutigen Dieselstraße an. Dort befindet sich seit Produktionsende 1942 ein sogenannter Heereskraftfahrpark der Wehrmacht zum schnellen Transport von Truppen.

Etwa 80 Sprengbomben gehen auf das Gelände nieder. Dabei erhält das nahe Haus Kaiser an der Niedereimerstraße zwei Volltreffer - hier sterben 18 Ortsansässige. Zwei Soldaten kommen auf dem Fuhrparkgelände um, ein weiterer Zivilist im Haus Bienstein, das allein durch die Wucht der Explosionen einstürzt. Viele der Opfer sind Kinder und Jugendliche.

Unter den Toten befindet sich auch der französische Kriegsgefangene Maurice Delorme. Er wird gemeinsam mit den anderen Opfern - unterbrochen durch Fliegeralarm - auf dem Friedhof in Niedereimer bestattet, aber schon kurz nach Kriegsende exhumiert, um in seiner Heimatstadt begraben zu werden.

Doch dort kommt sein Leichnam nie an.

Info

Das Totengedenken an die Bombenopfer ist am Montag, 9. März.

Beginn ist um 18 Uhr mit einer Kranzniederlegung, es folgen um 18 Uhr eine Ansprache in der Stephanuskirche und ein Gedenkgottesdienst.

Die Ausstellung „Erinnerungen an schwere Zeiten“ läuft vom 8. Mai, dem Datum des Kriegsendes, bis 17. Mai in der Halle „Friedrichshöhe“.

Die Ausstellung ist täglich geöffnet, es sind zudem Sonderführungen möglich.

Zur Eröffnung werden Schüler Texte lesen.