Tierischer Co-Pädagoge schläft auf Kommando

Charly macht bereitwillig „Platz“ – und legt sich danach auch zum Schlafen hin. Frauchen Jenny Isken erklärt und hilft bei den Kommandos.
Charly macht bereitwillig „Platz“ – und legt sich danach auch zum Schlafen hin. Frauchen Jenny Isken erklärt und hilft bei den Kommandos.
Foto: WP

Holzen..  Die klugen Augen sind hellwach – beobachten aufmerksam jeden der kleinen Zweibeiner im Raum. Trotzdem muss „Charly“ ­immer wieder „schlafen gehen“ – und rollt gehorsam auf die Seite...

„Sitz, Platz – und Schlafen“: Der clevere Hütehund gehorcht den Kindern der Kita Bieberburg aufs Wort. Und weil es das ein oder andere Leckerli gibt, sitzt – oder liegt – Charly manchmal sogar schon, bevor ihn seine Schützlinge dazu auffordern...

Dann greift Jenny ­Isken ein, Charlys Frauchen – und außerdem Erzieherin im städtischen Kindergarten in Holzen.

Sie hatte im November 2014 die Idee, ihren Vierbeiner regelmäßig mit zur Arbeit zu bringen, um die Jungen und Mädchen im Umgang mit Hunden zu trainieren und, falls vorhanden, Angst abzubauen.

„Charly“ ist dafür genau der Richtige, schließlich wird er von seiner Besitzerin und einer Arnsberger Hundetherapeutin zum „Co-Pädagogen“ ausgebildet. Außerdem ist der Border-Collie/Australian-Shep­herd-Mix von Hause aus ein idealer Partner für junge Menschen.

Regelmäßiger Kontakt

„Er liebt es, mit Kindern zusammen zu sein“, freut sich Jenny Isken. Und die Kinder lieben ihn – an diesem Montag die ganz jungen: Sechs „Rangen“ im Alter von drei und vier Jahren testen ihre Umgangsformen in Sachen Hund, geben Kommandos, streicheln, verteilen Belohnungen. Auch die kleine Sophie, die Anfangs großen ­Bammel vor jeder ­Fellnase hatte... Regelmäßig und nach Alters­gruppen aufgeteilt, lernen alle Bieberburg-Kinder noch bis zu den Sommerferien jede Menge über Hunde. Neben der Praxis mit Charly gehört auch Theorie dazu. „Zum Abschluss bekommt jeder Teilnehmer noch eine Charly­Mappe“, erklärt Jenny Isken. Ob und wo sie nach den Ferien weiter macht, ist derzeit noch offen. „Es kann sein, dass ich dann in einer anderen ­städtischen Kita arbeite“, so die 27-Jährige. Und über ein weiteres „Charly-Projekt“ entscheiden dann Leiterin und Eltern vor Ort.

Ihre jetzige Chefin haben der knapp drei Jahre alte Charly und sein Frauchen jedenfalls völlig überzeugt: „Die Kinder werden zu mehr Rücksichtnahme und zur Akzeptanz der Verschiedenheit von Mensch und Tier angeleitet“, sagt Ulrike Bange, „und lernen auf diese Weise auch, dass bestimmte Regeln eingehalten werden müssen.“

Apropos Regeln: „Er hört heute nicht so gut“, hat die vierjährige ­Lina mit Blick auf Charly festgestellt. „So wie ihr“, gibt Erzieherin Jenny prompt zurück... Das liegt bestimmt an dem Besucher mit der Kamera, der im Raum ist; beobachtet von sechs Paar Kinder- und einem Paar Hundeaugen, allesamt hellwach. Als Entschädigung bekommt der Co-Pädagoge zum Abschied noch ein Leckerli – und muss dafür nicht einmal „schlafen gehen“...