Tierische Eigenschaften übertragen

Heimatkreis lüftet Geheimnis um die „Hüstener Kälber“. Seit einigen Jahren werden die Besucher von Voßwinkel von den „schlauen Füchsen“ begrüßt. Vor einigen Monaten wuchs bei uns in Müschede die Idee, die Besucher an den Ortseingängen durch die „Müscheder Eulen“ zu begrüßen. In Bruchhausen ist vor dem Eingang der Schützenhalle eine große Ente zu sehen. Neuerdings legen auch die Hüstener Wert auf die Präsentation der Kälber als örtliches Symbol.


Seit Jahrhunderten werden unsere Stadtteile mit den verschiedenen Tieren in Verbindung gebracht. Diese Namen beruhen entweder auf den Tieren selbst, die für diese Orte charakteristisch sind, oder sie schreiben den Menschen sogar gewisse Eigenschaften zu. Vielfach werden Menschen im Sprachgebrauch als „schlauer Fuchs“, „wilde Krähe“, „kluge und weise Eule“ und sogar als „blöde Eule“ bezeichnet.


Der Möppel ist vielfach als Bezeichnung für einen kleinen Hund zu sehen. Solche Deutungen sind auf die Menschen zu übertragen. Die „Wennigloher Hähne“ kennzeichnen wohl aus dem Grund den Ort, da er der höchstgelegenste Arnsberger Stadtteil ist. Es ist ja eine besondere Eigenschaft der Hähne, dass sie im Stall stets die höchste Sprosse ansteuern. Doch genaue Deutungen lassen sich nicht präzise feststellen, so erfuhr ich kürzlich vom Namenskundler, Dr. Michael Flöer, der Akademie für Wissenschaften in Göttingen.


Zu den Hüstener Kälbern führt Alfred Vorderwülbecke in „Von den Attendorner Kattenfillers zu den Züschener Hölteböcken“ aus, dass die Hüstener seit Jahrhunderten in Verbindung mit der Hüstener Kirmes einen Viehmarkt starten und anschließend zu einem Bier- und Schnapsgelage übergehen. Und in diesem Zusammenhang ist dann vielfach die Redewendung zu hören. „Sie soffen wie die Kälber“. Ein „echter Hüstener“ sei wohl damals in der alten Kornbrennerei Köster am Hüstener Markt in sogenannten „Fuhrmännern“, in echten Kutscher- und Bauern-Schnapsgläsern, serviert worden.
So wurden im Laufe der Geschichte in Bruchhausen der Kindergarten Entenhausen, in Müschede der Eulen-Kindergarten und weitere örtliche Einrichtungen genannt. Ferner sind diese Tiere auch in den Wappen anzutreffen. Von Hachen kommend werden die Müscheder Eulen am Eulenbrunnen für eine kurze Erfrischung eingeladen.


Die Hüstener HÜKAGE begrüßt ihre Gäste in der Karnevalszeit stets mit dem Ruf „Kälber helau“ und die Neheimer entschieden sich für den Ruf „Möppel wau, wau“. Bleibt zu hoffen, dass die „schlauen Füchse“, die „wilden Krähen“ und die „turtelnden Enten“ sowie alle weiteren Ortschaften auch in der Zukunft gut miteinander harmonieren werden.


Vorderwübecke berichtet in seinem Buch quer Beet durch den HSK auch über die „Arnsberger Prünkers“, die „Sunderner Siupstengel“, die Olper Pannenklöppers“ und die Bräilsken (Briloner) Isels“. Ich finde es schon aus vielerlei Gründen – nicht nur aus touristischen Gründen - sehr gut, sich zu den zugeordneten Tiernamen nicht nur zu bekennen, sondern diese auch offen zu äußern, selbst dann, wenn es sich lediglich um Necknamen handelt.


Albert H. Hoffmann,
Müschede