Südwestfalen sehnt sich nach dem Frühling

Wolfgang Keseberg ist Chef der „weißen Flotte" auf dem Biggesee.
Wolfgang Keseberg ist Chef der „weißen Flotte" auf dem Biggesee.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
  • Schifffahrts-Saison auf Bigge und Möhne gestartet
  • Gastronomen zuversichtlich
  • Gartencenter erwarten Ansturm

Südwestfalen.. Wann wird es endlich Frühling? Der Stoßseufzer ist in diesen Tagen öfter zu hören. Seit Wochen ist die Verfolgung des Wetterberichts gerade für Sonnenhungrige depressionsfördernd, zieht ein Atlantik-Tief das nächste hinter sich her. Die Kälte will nicht weichen, Warmluft aus Südwesten ist nicht in Sicht. Das soll sich auch über ­Ostern nicht grundlegend ändern.

Doch die Menschen wollen vor die Tür und andere leben davon, dass sie das tun: Biergärten, Restaurants, Hotels, Gartencenter, Eisdielen, die Schifffahrt auf den südwestfälischen Seen. Ist die Nässe und Kälte ein Schönheitsfleck in der Jahresbilanz? Oder schlicht nicht so wichtig, weil die Betreiber gut geplant haben? Wir haben in der Region nachgefragt:

Gastronomie

Für Karl-Anton Schütte, Inhaber des Landgasthofs Schütte in Oberkirchen, gehört es zur jährlichen Ostervorbereitung, Angebote für schlechtes Wetter zu machen: Jazzkonzerte, Osterfeuer, Eiersuchen mit Kindern. Wenn die angenommen werden, sind Kälte und ab und zu ein Regenschauer nicht mehr so dramatisch. „Wir sind über das Fest ausgebucht“, sagt er. Und damit meint er sowohl das Hotel als auch die Tische im Restaurant. Penibel zeichnet er das Wetter auf. „2011 war schon am 3. März erster Terrassentag“, sagt er. „Das passiert nicht in jedem Jahr so früh.“

Jahreszeiten „Wir sind gebucht wie in den Vorjahren“, ergänzt Meinolf Griese vom Haus Griese in Körbecke am Möhnesee, einem der beliebtesten Ausflugsgebiete in Südwestfalen. Das Restaurant sei über die Ostertage sehr gut ausgelastet, im Hotel sei noch Luft nach oben. Gerade werde die Terrasse hergerichtet - mit dem Wetter wisse man ja nie.

Verbände

Auch der Verband sieht die Lage alles andere als dramatisch. „Das läuft alles ganz normal, weil Ostern so früh liegt“, bestätigt Wolfgang Henke, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes für den Regierungsbezirk Arnsberg. Im März habe man in den vergangenen Jahren selten draußen sitzen können, zudem sei die Außengastronomie meist nicht so umsatzstark. „Die Gastronomen werden mit dem Innenbereich zufrieden sein, nicht aber mit dem Außenbereich. Die Tische in guten Betrieben werden gut frequentiert sein, am meisten am Ostersamstag und Ostersonntag“, sagt Henke.

Eisdielen

Andere dagegen setzen auf steigende Temperaturen. „Etwas Wärme wäre schön“, sagt Janin Koch von der Eisfachschule und Eisdiele Koch in Werl. „Aber es geht auch ohne Sonne, wir haben ja auch genügend Innenplätze.“ Nach Janin Kochs Erinnerung war das Wetter im März 2015 schöner, „aber die Umsatzeinbuße holen wir in einem schönen Sommer schnell wieder heraus.“

Schifffahrt

Von Umsatzausfällen geht die Schifffahrt auf den südwestfälischen Seen erst gar nicht aus. „Über Ostern fahren wir mit halbem Niveau“, sagt Ulrich Grüterich, Betreiber der Möhnesee-Schifffahrt, die bereits am 20. März ihren Betrieb aufgenommen hat. So kann er auch nicht überrascht werden. „Ostern fällt früh, das Wetter ist ganz normal für die Jahreszeit“, so Grüterich, der mit einer ähnlichen Zahl von Gästen rechnet wie im vergangenen Jahr.

Auf der Bigge hat die Saison am Karfreitag begonnen, und Gisela Keseberg, Gesellschafterin der Lux Werft- und Schifffahrt GmbH, die als Familienbetrieb die Personenschifffahrt auch auf der Möhne, Sorpe und Henne betreibt, berichtet von einer guten Auslastung über die Osterfeiertage - auch dank geplanter Events wie eines Osterbrunches, einer Geburtstagsfeier und einer Osterhasen-Aktion. „1200 Eier habe ich bestellt“, sagt Gisela Keseberg. „Das Wetter macht uns nichts aus.“ Bis Samstag fährt die Gesellschaft ihren Angaben zufolge nur mit ihrem Flaggschiff „Westfalen“ laut Fahrplan, ab Ostersonntag werde die „Bigge“ zusätzlich eingesetzt. Bei Sonne seien noch Kurzentschlossene zu erwarten, bei Regen könne man die Innendecks heizen.

Gartencenter

„Unser Geschäft ist nur dann wetterabhängig, wenn der Boden noch gefroren ist“, betont eine Mitarbeiterin des Gartencenters Risse, das neben der Filiale in Schwerte-Westhofen Vertretungen unter anderem in Hagen, Iserlohn, Hemer, Ennepetal, Soest, Lüdenscheid, Meschede und Kreuztal unterhält. Wenn es frostfrei sei wie jetzt, wollten die Leute nach draußen: den Rasen aufbereiten, von Unkraut befreien, belüften, düngen. Auch Balkonpflanzen seien jetzt ein Thema, ebenso wie das Pflanzen von Büschen. Das Pflanzwetter könnte etwas wärmer sein, aber Frost sei nicht mehr zu erwarten. Den Stellenwert des Ostergeschäfts bezeichnete die Mitarbeiterin als nicht so bedeutend wie das Weihnachtsgeschäft im Einzelhandel.