Suche nach Brandursache in Arnsberger Seniorenheim dauert an

Bei einem Brand in einem Senioren-Wohnpark in Arnsberg kam am Freitag eine Frau ums Leben.
Bei einem Brand in einem Senioren-Wohnpark in Arnsberg kam am Freitag eine Frau ums Leben.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Nach dem Brand im Arnsberger Senioren-Wohnpark am Klosterberg dauern die kriminalpolizeilichen Ermittlungen an. Am Freitag kam eine Bewohnerin bei einem Feuer ums Leben. 13 weitere Menschen wurden verletzt. Darunter auch ein Feuerwehrmann. Die Betreiber des Seniorenheims sind erschüttert.

Arnsberg.. Tragisches Unglück: Ein Brand im Arnsberger Senioren-Wohnpark am Klosterberg hat in der Nacht zu Samstag ein Menschenleben gekostet, 13 Personen wurden verletzt. Darunter auch ein Feuerwehrmann. Neben mehreren Löschzügen waren Rettungsdienste, Malteser und Technisches Hilfswerk bei diesem Großeinsatz mit 254 Helfern vor Ort. Die kriminalpolizeilichen Ermittlungen im Wohnpark laufen.

Ausgelöst hatte den Alarm kurz vor 23 Uhr am Freitag die Brandmeldeanlage des Seniorenheims, Minuten später gellen die Sirenen durch die Nacht, die ersten Fahrzeuge der Feuerwehr preschen zum Einsatzort. Um vor Ort festzustellen, dass im Bereich der Station 4 im 2. Obergeschoss der Wohnanlage ein Brand ausgebrochen ist, durch den die Flucht- und Rettungswege zunächst völlig unpassierbar sind. „Der Brandherd lag in einem Flur“, berichtet später Stadtbrandinspektor Peter Krämer, der mit zu den ersten Trupps gehört, die das Gebäude betreten.

Akute Lebensgefahr für Bewohner

Für die Bewohner dieser und der umliegenden Stationen besteht damit akute Lebensgefahr. Daher alarmiert der Einsatzleiter umgehend massive Kräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst, Hilfsorganisationen und Technischem Hilfswerk nach, da zum Schutz der betagten und zum Teil auch pflegebedürftigen Bewohnerinnen und Bewohner eine gezielte Evakuierung eingeleitet werden muss.

Durch den Einsatz mehrerer Trupps unter schwerem Atemschutz wird zunächst der Brand selbst schnell unter Kontrolle gebracht. Aber um vor Ort langfristig über ausreichend Löschwasser zu verfügen, um bei einer Verschärfung der Situation umgehend reagieren zu können, verlegt die Wehr Wasserversorgungsleitung über mehrere hundert Meter zur Ruhr. Dabei werden die Wehrleute auch von mehreren Passanten unterstützt, darunter auch der Autor.

Gerettete Senioren in Kloster untergebracht

Unmittelbar nach Bekämpfung des Feuers gehen zahlreiche weitere Trupps unter schwerem Atemschutz in das bereits gelüftete Gebäude vor und beginnen mit der Evakuierung. Da die Einsatzleitung zu diesem Zeitpunkt nicht ausschließen kann, dass möglicherweise das gesamte Gebäude geräumt werden muss, wird neben den zahlreichen kreisübergreifend alarmierten und bereits eingetroffenen Rettungseinheiten ein sogenannter Patiententransportzug des Kreises Soest mit vier Krankentransport- und vier Rettungswagen alarmiert und in Marschbereitschaft versetzt. Dieser wird dann aber zum Glück nicht mehr benötigt.

Die aus dem Gebäude geretteten Senioren werden sofort in die eigens in den Räumen der benachbarten alten Klosteranlage Wedinghausen eingerichteten Patientensammelstelle gebracht und dort von sieben Notärzten und Mannschaften der Schnellen Einsatzgruppen (SEG) des Malteser Hilfsdienstes und des Deutschen Roten Kreuzes medizinisch versorgt. Insgesamt 13 Menschen, darunter eine schwerverletzte Person. Tragisch: Eine 66-jährige Frau ist zum Zeitpunkt ihrer Evakuierung bereits bewusstlos. Umgehend eingeleitete Wiederbelebungsversuche bleiben erfolglos, die Bewohnerin stirbt noch vor Ort. Die 13 Verletzten werden in den umliegenden Krankenhäusern untergebracht.

Bewohner und Angehörige psychologisch betreut

Zwischenzeitlich am Brandort eingetroffene Angehörige der BewohnerInnen, Pflege-Personal und auch einige Einsatzkräfte werden vom Team der Psychosozialen Unterstützung (PSU) des Hochsauerlandkreises betreut, das allein mit zehn Mitarbeitern an der Unglücksstelle ist.

Weil die Brandmeldeanlage durch den Brand beschädigt und kurzfristig nicht wieder einsatzbereit gemacht werden kann, werden einige der auf den nicht vom Feuer betroffenen Stationen verbliebenen Personen bis zur Reparatur der Anlage in Absprache mit der Leitung in andere Bereiche umquartiert, einige in das Arnsberger Marienhospital gebracht. Zudem wird für diesen Zeitraum die Zahl der Pflegekräfte erhöht, um den Ausfall der Brandmeldeanlage zu kompensieren.

Größter Einsatz für die Arnsberger Feuerwehr seit langer Zeit

Die Einsatzleitung der Feuerwehr – die Leitung hat der stellv. Kreisbrandmeister des HSK, Werner Franke - unterteilt den das Seniorenheim im Laufe der Rettungsarbeiten in die drei Einsatzabschnitte: Brandbekämpfung und Menschenrettung, Wasserversorgung sowie Rettungsdienst mit Patienten-Sammelstelle und Patiententransport. In diesen drei Abschnitten sind in der intensivsten Einsatz-Phase insgesamt 254 Rettungskräfte mit 54 Fahrzeugen eingesetzt. Der Leiter des Fachbereichs „Allgemeine und soziale Bürgerdienste“ der Stadt Arnsberg, Helmut Melchert, koordiniert die Unterbringung der Betroffenen und ihrer Angehörigen vor Ort. Zudem macht sich Arnsbergs Bürgermeister Hans-Josef Vogel persönlich ein Bild von den Rettungsarbeiten.

Erst um 1.50 Uhr werden die Feuerwehr-Einheiten bis auf den Löschzug Arnsberg aus dem Einsatz herausgelöst. Die letzten betroffenen Senioren sind gegen 3.15 Uhr abtransportiert, so dass auch die übrigen Kräfte abrücken können, zuletzt die Brandwache des Löschzugs Arnsberg um 4 Uhr am Samstagmorgen. Für die Arnsberger Wehr ist dies, so deren Sprecher Hauptbrandmeister Peter Krämer, der größte Einsatz seit langer Zeit.

Betreiber des Pflegeheims erschüttert

Noch unmittelbar in der Nacht nimmt die Kriminalpolizei die Ermittlungen zur Brandursache auf. Auch über Tage wurden diese Arbeiten von den Brandexperten der Kripo fortgesetzt. Das Ergebnis steht noch aus.

Dieter Wopen, Vorstand der Marseille-Kliniken, zu denen das Arnsberger Pflegeheim gehört, äußerte sich am Nachmittag zu dem tragischen Brand: „Wir sind zutiefst erschüttert über diese Ereignisse in unserem Senioren-Wohnpark in Arnsberg. Wir bedauern den Tod unserer Bewohnerin und sprechen den Angehörigen unser herzlichstes Beileid aus. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen.“

Brandursache noch ungeklärt

Wopen lobt weiter die Arnsberger Feuerwehr und Rettungskräfte sowie die Mitarbeiter der Einrichtung: „Sie haben rasch und überaus professionell reagiert. Die Evakuierung der Bewohner mit Hilfe unserer Pflegekräfte erfolgte umgehend.“ Dank der Marseille-Kliniken gehen an die Einsatzleitung, die Feuerwehrleute und die Rettungskräften, die durch ihren professionellen Einsatz Schlimmeres verhütet hätten. Besonders dankte Wopen aber dem Team der psychosozialen Unterstützung (PSU) des HSK für die Betreuung der Bewohner und deren Angehörigen.

Die Brandursache ist noch nicht geklärt: „Wir werden die zuständigen Behörden und Fachleuten bei der Aufklärung der Brandursache volle Unterstützung liefern“, so Marseille-Vorstand Dieter Wopen, der sich von Hamburg umgehend auf den Weg nach Arnsberg gemacht hat, um sich vor Ort ein Bild von dem Unglück zu machen.