Sternstunde der Kammermusik

Dem „Trio Bamberg“ eilt der Ruf voraus, für „Sternstunden in der Kammermusik“ zu sorgen – zu Recht.
Dem „Trio Bamberg“ eilt der Ruf voraus, für „Sternstunden in der Kammermusik“ zu sorgen – zu Recht.
Foto: WP

Melschede..  Der große Salon im verschneiten Schloss Melschede war am vergangenen Sonntag trotz des winterlichen Wetters bis auf den letzten Platz gefüllt.

Ein erwartungsfrohes Publikum freute sich auf das „Trio Bamberg“, dem der Ruf vorauseilt, für „Sternstunden in der Kammermusik“ zu sorgen. In der Tat, in der Pause hörte man: „Toll, die spielen ja ganz phantastisch“, „ein Genuss“.

In dem so gelobten, in Bamberg gegründeten Ensemble spielen der russische Violinist Jewgeni Schuk (Konzertmeister am Stuttgarter Opernhaus) sowie die Professoren Alexander Hülshoff für Violon­cello (Folkwang Universität Essen) und Robert Benz für Klavier (Musikhochschule Mannheim).

Energiegeladenes Spiel

Für den dominierenden Eindruck, den das Konzert hinterließ, sorgte vor allem das energiegeladene Spiel der drei Vollblutmusiker – dieses war unwiderstehlich und sog das Publikum geradezu in den Musikkosmos von Schubert, Beethoven und Brahms hinein. Bei ­allem musikalischem Schwelgen, wozu die Programmauswahl geradezu einlud, hörte man, dass dabei die Herausarbeitung von strukturellen und formbildenden Kräften der Musik nicht zu kurz kam.

Eigentlich untypisch für einen Konzertanfang stand zu Beginn ein ruhiger Satz, das „Notturno Es-Dur“, eine der letzten Kompositionen von Franz Schubert. Das Adagio war herrliche, zu Herzen gehende Musik von einer Schubertschen „himmlischen Länge“: Ein wiegendes, sehnsuchtsvolles Thema, bei dem sich Geige und Cello eng umschlungen in Terzen-Seligkeit bewegen und von glitzernden Arpeggien auf dem Klavier begleitetet wurden, zwischendurch ein Stimmungsumschwung durch scharf punktierte Rhythmen.

Auch die beiden Hauptwerke des Abends mit geradezu sinfonischen Ausmaßen waren eher von liedhaftem, melodischem Gestus als von dramatischem Geschehen bestimmt – das „Erzherzogtrio op. 97“ von Ludwig v. Beethoven und das „Klaviertrio op. 8“ von Jo­hannes Brahms.

Beethoven-Trio

Im Beethoven-Trio singen Streicher und Klavier das Thema des Hauptsatzes so unbekümmert, als stamme es von Schubert. Statt thematisch-motivischer Verwicklungen gibt es auch im weiteren Verlauf viel Liedhaftes. Das konnte den Interpreten willkommen sein: So hatte Alexander Hülshoff Gelegenheit, auf seinem Cello mit runder, warmer Tongebung zu glänzen, Jewgeni Schuk konnte mit Schmelz auf der Violine betören, und Robert Benz spielte gitarrenähnliche Klavierklänge punktgenau zu den langen Pizzicato-Abschnitten der Streicher. Dazu lieferte er mit virtuos gespielten Klavierpassagen eine sinfonische Grundierung.

Im beschwingten „Scherzo“ ­bitten gleichsam zwei Wiener Straßenmusikanten zum Walzer, was sich das Klavier nicht zweimal sagen lässt. Am „Andante cantabile“, einem der schönsten Variationssätze Beethovens, konnte man sich einfach nicht satt hören. Die Rondo-Form des Schlusssatzes, der wie aus heiterem Himmel nach einem plötzlichen Forte Akkord einsetzt, nutzt Beethoven zu teils humorvollen, teils widerborstigen Episoden.

Nicht genug des Schönen

Nicht genug des Schönen: Nach der Pause brillierten die exzellenten Musiker mit einer wahren Kostbarkeit der Kammermusik, dem „Klaviertrio H-Dur op. 8“ von Johannes Brahms (Infobox links).

Natürlich gab es, wie vor der ­Pause, wiederum begeisterten ­Applaus, wofür sich die Musiker mit einem effektvollen Stück des armenischen Komponisten Arno Babadschanjan bedankten.