Städte fordern Erlaubnis zum Abschuss von Sikawild

Im Sauerland gibt es Streit um den Bestand des Sikawilds.
Im Sauerland gibt es Streit um den Bestand des Sikawilds.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Warstein, Brilon, Meschede und Rüthen schreiben an Minister Remmel und fordern ein Ja zum Abschuss des Sikawilds auf Biotop-Größe. 

Arnsberg.. Zart zergeht es auf der Zunge. Wer gerne Wild isst, weiß, Rücken vom Sikahirsch auf Kartoffel-Steinpilzgratin im Rosmarinsaft ist ein Gedicht. Nur ein Beispiel. Das bestreitet niemand. Auf dem Teller gibt es kaum feineres Fleisch. Wenn es aber um den Bestand der Tiere im Arnsberger Wald geht, werden öffentliche seit Monaten die Messer gewetzt.

„Wir wollen den Bestand nicht ausrotten, sondern ihn auf eine angemessene Biotop-Zahl zurückführen“, sagt Gerrit Bub, Leiter des Forstbetriebes der Stadt Brilon. „Das stößt natürlich bei denjenigen auf heftige Kritik, die der konservativen Sichtweise der Trophäenjagd nachhängen. Es kann nicht sein, dass einseitig jagdliche Interessen den Vorrang haben.“

Steppe mit Bonsai-Bäumchen

Schließlich sei die Bewirtschaftung des Waldes auf Jahre ausgerichtet. Die wachsenden Schälschäden an den Bäumen durch Rot- und Sikawild seien enorm: „Das ist ein K.o.-Kriterium für den Wald.“ Ähnlich formuliert es Manfred Gödde, Bürgermeister der Stadt Warstein: „Der Wald ist unser Erbe, das wir schützen müssen.“

Zum Teil sei es erschreckend, welche Schäden die aus Asien stammende Hirschart anrichten würde, die im 19 Jahrhundert als Parkwild in Deutschland eingeführt wurde und sich seither ausbreitet. „Anpflanzungen nach Kyrill, die nicht eingegattert waren, haben sich in eine Steppe mit Bonsai-Bäumchen verwandelt. Das können wir nicht hinnehmen.“

Gödde spricht von Schäden, „die in die Millionen gehen“ Angesichts dieses offenbar ungeheuren Ausmaßes überrascht es nicht, dass er sich mit den Bürgermeistern von Rüthen, Meschede und Brilon Ende Januar in einem Schreiben an Umweltminister Johannes Remmel gewandt hat.

In dem Brief, der der Redaktion vorliegt, heißt es: „Es ist uns wichtig, Sie bei der Novelle des Landesjagdgesetzes zu unterstützen. Dies gilt besonders bezüglich der Neuregelung im Zusammenhang mit den überhöhten Sikawildbeständen.“ Die in der Vergangenheit betriebene „Über-Hege“ der Hegegemeinschaft Arnsberger Wald und der beteiligten Unteren Jagdbehörde mit ihren Jagdbeiräten, deren Zustimmung zu den Abschussplänen erforderlich gewesen sei, „hat in unseren Wäldern zu massiven, von Sikawild verursachten, Verbiss- und Schälschäden sowie starker Entmischung und Artenverarmung geführt“.

Totalabschuss der Tiere befürchtet

Eindringlich bitten die Bürgermeister den Minister „unter keinen Umständen im Gesetzgebungsverfahren eine Modifizierung, Aufweichung oder gar Streichung dieser Neuregelung vorzunehmen“.

Eine Neuregelung, die die Hegegemeinschaft Arnsberger Wald heftig bekämpft. Sie fürchtet den Totalabschuss der Tiere. Und der zweite Vorsitzende, Thomas Reiche, spricht von einer „bewussten Irreführung der Öffentlichkeit“.

Keine Rede von „Über-Hege“

So würden die Waldflächen der Städte Brilon, Rüthen und Meschede „komplett außerhalb des Sikawild-Bewirtschaftungsbezirkes“ liegen. Gleiches gelte für den Großteil der Waldfläche der Stadt Warstein. „Lediglich ein kleiner Teil von etwa 1000 Hektar des Gesamtwaldes von etwa 5000 Hektar liegt innerhalb.“ Auch entbehre es jeglicher Grundlage von einer „Über-Hege“ zu sprechen.

Der Sikawildabschuss im Arnsberger Wald sei in den vergangenen vier Jahren um dreißig Prozent angehoben worden. Reiche: „Wir haben den Bestand auf 1500 Tiere reduziert.“ Auch unter forstlichen Gesichtspunkten sei ein Niveau erreicht worden, das als insgesamt tragbar bezeichnet werden könne: „Den Gegensatz Jäger und Förster gibt es nicht.“ Die Hegegemeinschaft werde ein pauschales und undifferenziertes Zusammenschießen von Rot- und Sikawild im Arnsberger Wald nicht mittragen. Das Schlusswort gehört dem Rüthener Bürgermeister Peter Weiken: „Ich bin Jäger und sehe die Medaille von beiden Seiten. Die Schäden haben Überhand genommen. Es muss etwas passieren.“ Böse Zungen würden jetzt sagen: Guten Appetit.