Stadtgeschichte in Stein gemeißelt

Der Arnsberger Eichholzfriedhof - ein Ort der Besinnung und der Stadtgeschichte.
Der Arnsberger Eichholzfriedhof - ein Ort der Besinnung und der Stadtgeschichte.
Foto: Jochem Ottersbach

Arnsberg..  Engagierte Bürger – die Projektgruppe „Erhaltet den Eichholzfriedhof“ – wollen die historische Begräbnisstätte vor endgültigem Vergessen und Verfall bewahren und damit als wichtigen Zeugen Arnsberger Geschichte erhalten. In ehrenamtlichem Einsatz.

Der Eichholzfriedhof ist 1808 außerhalb der damaligen Stadt eröffnet worden. Ursprünglich eine Fläche von etwa 2400 Quadratmetern einnehmend, musste er vier Mal erweitert werden. Seit Mitte der 1950er Jahre wurden allerdings keine neuen Gräber auf dem Eichholzfriedhof mehr vergeben.

In den Zeiten seines Bestehens ist der Friedhof zu einem einmaligen Zeugnis der Bestattungskulturen des 19. und 20. Jahrhunderts geworden. Einen Spaziergang zwischen den Gräbern erlebt man als aufgeschlagenes Geschichtsbuch der Stadt über die letzten zwei Jahrhunderte. Ausdrucksstarke Grabmale im klassizistischen Stil beeindrucken ebenso wie solche der Neugotik, des Jugendstils bis hin zu solchen mit modernen Einflüssen.

Besonders beispielhaft sind die Kolumbarien der Gebrüder Arndts, die monumentale Kreuzigungsgruppe des Grabes von Friedrich von Schenck, das kunstvolle keltische Grabkreuz des Landgerichtspräsidenten Oswald, die trauernde Frau und die schmiedeeiserne Einfassung am Grab Appelkamp.

Neben den Skulpturen, Kreuzen aus Stein und Metall, Reliefs, wunderschön beschrifteten Grabplatten und –steinen bewundert man die Ornamente etlicher schmiedeeiserner Grabeinfassungen, etwa mit Blättern, Trauben und Ranken. Beim Lesen der Namen stößt man immer wieder auf solche von Personen und Familien, die von Straßennamen her bekannt sind - wie Henze, Löcke, Feaux de Lacroix, Bömer oder Seibertz.

Auch ein Ort der Besinnung

Ein solcher Rundgang lässt nicht nur den Hauch der Historie spüren, man bewegt sich gleichzeitig in einem kleinen Park mit altem Baumbestand, abwechslungsreichem Bewuchs und fast verwunschen anmutenden Rasenlichtungen abseits der Geschäftigkeit der Stadt, an einem Ort der Stille, der Besinnung und des Gedenkens, aber auch der Erholung.

Der Spaziergang zeigt aber auch, wie sehr die Zeit an den Zeugnissen der Vergangenheit genagt hat. Viele Grabmäler beginnen zu zerfallen oder sind es schon. Einige liegen in ihren Einzelteilen auf oder neben den Gräbern, meist von Efeu und anderem Gestrüpp überwuchert.

Eine Liste nennt immerhin 84 erhaltenswerte Grabstätten, von denen einige bereits verschwunden sind. Auch dem letzten Krieg sind etliche zum Opfer gefallen.

2012 hat sich eine Projektgruppe mit der Zielsetzung gegründet, dieses erhaltenswerte Kleinod zu restaurieren, kultivieren oder wenigstens den Verfall zu stoppen, zumal der Stadt die Mittel dazu fehlen.

Initiiert von Seniortrainer Norbert Baumeister arbeiten etwa 15 Bürger – meist im Rentenalter – mit Unterstützung der Engagementförderung der Stadt und Spendengeldern mit Herzblut an der Erhaltung des Friedhofs und dessen Parklandschaft.

Tonnenschwere Grabsteine

Auch mit Beginn des Frühjahrs wuchten sie wieder umgefallene oder in Schräglage geratene, teils tonnenschwere Grabsteine in ihre ursprüngliche Position, bessern Ornamente, Platten, Kreuze und Grabeinfassungen aus, machen Inschriften wieder lesbar, bepflanzen neu und entfernen Gestrüpp, wobei manch steinernes Zeugnis zu Tage kommt.

Führungen möglich

Neben diesem beachtenswerten körperlichen Einsatz wird zugleich auch in akribischer Archivarbeit die Geschichte wichtiger Persönlichkeiten und Familien erforscht. Zwecks späterer Dokumentation.

Mitglieder der Projektgruppe „Erhaltet den Eichholzfriedhof“ bieten inzwischen für Einzelpersonen und Gruppen Führungen an, bei denen man sich mit Erstaunen überzeugen kann, wie viel bereits zum Erhalt des Friedhofs und dessen Natur geleistet wurde. Aber auch darüber, dass noch sehr viel Arbeit zu tun ist.

Info

Die Projektgruppe um Seniortrainer Norbert Baumeister arbeitet seit 2012 intensiv an der Restaurierung der Gräber und der Pflege des Friedhofs.

Am 18. Februar 2015 wurde schließlich der gemeinnützige Verein „Erhaltet den Eichholzfriedhof“ gegründet. Vorsitzender: Norbert Baumeister.

Führungen über den Friedhof finden regelmäßig statt.

Die genauen Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben.

Neue Helfer - auch für die Archivarbeit - sind willkommen.


Kontakt: Norbert Baumeister, 02931-3597.