Speisesalz plötzlich ein Verkaufsschlager
08.01.2010 | 08:00 Uhr 2010-01-08T08:00:00+0100Arnsberg. Seitdem das Streusalz im Ruhrtal knapp wird, greifen Verbraucher nach Alternativen. Zurzeit erfreut sich das Speisesalz derart hoher Beliebtheit, dass in den Supermarktregalen große Löcher klaffen.
Schmecken Pommes Frites demnächst gänzlich fade, oder fehlt einfach das Salz in der Suppe? Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Denn nachdem Streusalz zur Mangelware geworden ist, greifen Arnsbergs Verbraucher zum Speisesalz, um Bürgersteige und Wege vom Schnee zu befreien. Die Folge ist ein Ausverkauf des Lebensmittels.
Regale komplett leer geräumt
„Wir versuchen verzweifelt, Speisesalz zu bekommen”, sagt Wolfgang Lübke vom Fruchtmarkt an der Von-Lilien-Straße in Hüsten. Bis Donnerstag verfügte der Einzelhändler noch über Streusalzvorräte. Doch seit Donnerstagnachmittag ist in dem Geschäft kein Anti-Schnee-Mittel mehr erhältlich. „Dabei hatten wir seit Herbst etwa zehn bis zwölf Tonnen auf Lager”, so der Fruchtmarkt-Inhaber. Kaum war dieser Vorrat aufgebraucht, stieg Speisesalz zum meist gefragten Artikel auf. Innerhalb kurzer Zeit war es jedoch ausverkauft. „Zwei, vielleicht drei Kunden haben das Regal komplett leer geräumt”, schildert der Geschäftsmann den plötzlichen Ansturm.
Ähnliches berichtet Silke Biggermann, Inhaberin eines Edeka-Marktes in Arnsberg. Dort ließ das Tafelsalz in den vergangenen Tagen die Kassen klingeln. Mehr als 150 Pakete gingen binnen kurzer Zeit über den Ladentisch. „Kein Krümel ist übrig geblieben”, sagt die Arnsbergerin. Dabei sei die Nachfrage nach wie vor enorm. „Die Kunden sagen, es gebe nirgendwo Streusalz zu kaufen und irgendetwas müsse man schließlich nehmen”, erklärt die Lebensmittelhändlerin.
Mit dem Lebensmittel versuchen offenbar viele Menschen, zumindest die wichtigsten Stellen vom Schnee zu befreien. Die 39-jährige Ladenbesitzerin ist froh, selbst noch über einen Streusalzvorrat für den supermarkteigenen Parkplatz zu verfügen. Aber selbst dabei erlebt Silke Biggermann Kurioses. Der von ihr engagierte Streudienst fragte bei ihr nach Salz. Für das Wochenende kam gerade noch rechtzeitig eine Lieferung an. „Eigentlich kriegen wir das regelmäßig wieder rein”, macht Biggermann Hoffnung.
Kritik an Salzhersteller
Wolfgang Lübke rechnet zunächst nicht mit großen Mengen neuer Salzpakete für den Hausgebrauch. „Ich denke, dass das abgebaute Salz für die Streusubstanzen aufgespart wird”, meint der Einzelhändler. Speisesalz wie auch Streusalz basieren nämlich auf dem gleichen Rohstoff. Der aktuelle Engpass ärgert Lübke. „Die Salzhersteller hätten sich besser vorbereiten müssen”, meint der Kaufmann. Außerdem appelliert er an die Verbraucher, künftig besser längerfristig die Wintermonate zu planen. „Seit Herbst hatten wird das Streusalz im Eingangsbereich liegen”, so Lübke. Die Leute hätten jedoch erst beim Wintereinbruch zugegriffen.
Dass Salz ein derart gefragter Artikel werden würde, damit hatten die Lebensmittelhändler nicht gerechnet. Doch auch andere Waren stehen im Ruhrtal wetterbedingt hoch im Kurs. So reißen die Kunden den Händlern vor allen Dingen Frostschutzmittel aus den Händen. Doch die Menschen handeln auch uneigennützig. „Die Arnsberger haben ein Herz für Tiere”, sagt Silke Biggermann und verweist auf einen weiteren Top-Artikel”: Ihre Kunden greifen vermehrt zum Winterfutter für einheimische Singvögel.

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