„Schule hat große integrative Kraft“

Abschied von Klaus Ullrich.
Abschied von Klaus Ullrich.
Foto: Ted Jones/WP
Was wir bereits wissen
Klaus Ullrich hat das Gymnasium Laurentianum in Arnsberg über Jahre maßgeblich mit geprägt. Der Schulleiter ist nun in den Ruhestand gewechselt. Mit unserer Zeitung spricht er über sein Berufsleben und seine Pläne.

Arnsberg..  Der letzte Schulgong ist ertönt, die letzten Zeugnisse unterschrieben. Für Klaus Ullrich endete seine berufliche Laufbahn mit einem emotionalen Abschied als Schulleiter des Arnsberger Gymnasiums Laurentianum. Mit dem Pädagogen in Ruhestand sprach unsere Zeitung über Entwicklungen der Schullandschaft, prägende Momente und Zukunftspläne.

Frage: Was nehmen Sie mit aus Ihrem Berufsleben?

Klaus Ullrich: Viele gute Erfahrungen, wenige Enttäuschungen, vor allem aber die Gewissheit, dass es gut war, mit ungezählten und sehr unterschiedlichen Menschen zusammenzukommen. Es hat sich gelohnt, bis zuletzt konsequent die Interessen der Schule zu verfolgen. Die Schule, das sind Schüler, Lehrer, Mitarbeiter, Eltern. In meiner Position kam es besonders darauf an, die andere Seite zu hören, ausgleichend zu wirken, vorschnelle Entschlüsse zu vermeiden. Und immer wieder: Chancen gewähren, ermuntern, Mut machen. Das gilt übrigens auch für alle Seiten!

Die Entwicklung des Laurentianum ist an Ihren Namen gekoppelt. Wie hat das Laurentianum den Menschen Klaus Ullrich geprägt?

Mehr als ich mir das anfangs vorstellen konnte. Jedes Kollegium hat seine Eigenarten, Erfahrungen und seine Erwartungen an die Schulleitung. Das Kollegium ist in den dreizehn Jahren so viel jünger geworden und sehr viel weiblicher. Mit jungen Menschen zu arbeiten, hält einen jung. Es war wirklich etwas Besonderes, an diesem geschichtsträchtigen Ort zu sein. Ich habe versucht, mit unseren Historikern jungen Menschen auch ein historisches Bewusstsein zu vermitteln.

Wie würden Sie die Schule charakterisieren, die Sie nun Ihrem Nachfolger/-in übergeben werden?

Sie ist jung, trotz ihres Alters, verfügt über ein Kollegium, das hervorragend zusammenarbeitet, sie bietet zahlreiche, individuell wählbare Profile, sowohl im fremdsprachlichen als auch im naturwissenschaftlich-technischen Bereich. Dank des nicht nachlassenden Engagements des Schulträgers ist die technische Ausstattung, auch und gerade im IT-Bereich, hervorragend. Sie hat ein klares musisches Profil und wird ihr fremdsprachliches Profil bald weiter ausschärfen. Diese Schule hat eine große integrative Kraft.

Welcher Wandel in der Schulentwicklung hat Sie am meisten beeindruckt?

Zweifellos die neue Form der Schulleitung mit sehr viel Teamgeist, der einhergeht mit der Einbindung aller Lehrkräfte in die Schul- und Unterrichtsentwicklung. Lehrkräfte machen sich heute sehr viel mehr Mühe, Schülern weiterzuhelfen. Damit will ich die Leistung der früheren Lehrergeneration keineswegs schmälern. Daneben aber auch die Idee des Gemeinsamen Lernens, an der ich noch eine Zeitlang mitwirken konnte. Und ich weiß sehr wohl, dass diese Idee noch weiter optimiert werden muss. Inklusion braucht vor allem Menschen mit humaner Orientierung und einer gründlichen Ausbildung für bestimmte Förderbereiche.

Welche Entwicklung würden Sie gerne rückgängig machen?

Ich halte sehr viel von den pädagogischen Fähigkeiten unserer Kollegen an den Grundschulen, deren Urteilen und Gutachten man sehr wohl vertrauen kann. Diese aber sind in stetem Wechsel entweder auf- oder abgewertet worden und haben bindende Wirkung verloren.

Was sind die größten Herausforderungen, die nun auf das Gymnasium Laurentianum zukommen?

Ich habe schon die Inklusion genannt, das ist eine. Die andere ist die demografische Entwicklung, von der wir gar nicht wissen, wie sie das Gymnasium trifft. Unser Gymnasium wird in absehbarer Zukunft ein Ort des gemeinsamen Lernens mit jungen, wissbegierigen Menschen aus anderen Ländern sein. Der Anfang ist gemacht. Aber so wie unsere Schüler schon vor dreizehn Jahren mit sehbehinderten, hörgeschädigten, blinden Kindern zusammen gelernt haben und sich rührend um sie gekümmert haben, so werden sie sich auch jungen Menschen aus Syrien und anderen Ländern öffnen.

Welches Zeugnis würden Sie sich zum Ende Ihres Berufslebens ausstellen?

Das sollte man tunlichst anderen überlassen. Vielleicht aber dies: Er hat sich bemüht, die in ihn gesetzten Erwartungen zu erfüllen, aber Sie wissen ja, dass das ein Code für ziemlich miserable Leistungen ist!

Was macht Klaus Ullrich ohne Schule?

Ich bleibe sehr an ihr interessiert und zähle nicht zu denen, die, wenn sie einmal losgelassen haben, über Unzulänglichkeiten und schwere Bedingungen lästern. Ich werde Gespräche, Auseinandersetzungen, fröhliche Begegnungen mit sehr unterschiedlichen Menschen sehr vermissen. In der vergangenen Woche habe ich es als sehr wohltuend empfunden, von meiner Familie getragen zu werden. Ihr werde ich mich natürlich widmen. Und mich Menschen zuwenden, für die ich nützlich sein kann, außerdem in Bewegung bleiben, neugierig bleiben und auch Theater machen, aber auf der Bühne, nicht zu Hause!