Realschule Neheim mit offenem 3-Tage-Ganztag
10.02.2011 | 12:00 Uhr 2011-02-10T12:00:00+0100
Neheim.Kreativität ist angesagt - auch beim Essen. In der neuen Mensa der Realschule Neheim gibt es heute Mittag „Gyros Pita zum Selberbauen“. Bis zu 130 Mahlzeiten gehen hier inzwischen täglich über die Theke.
Der dreitägige offene Ganztag hat auch die Realschule Neheim verändert. Die aus den Grundschulen nachrückende Generation Ganztag und die verbindliche Mittagspause spätestens nach der 6. Stunde machten den Wandel erforderlich. „Wir haben uns auch Gedanken darüber gemacht, ob nicht ein gebundener Ganztag für alle Schüler nötig gewesen wäre“, erzählt Schulleiterin Renate Hackmann. Elternbefragungen hätten aber gezeigt, dass die jetzige Übermittagbetreuung ausreichend sei.
Das Schulleben hat sich dennoch verändert: „Das Familiengefühl wächst“, sagt Uwe Werner. Der 2. Konrektor unterrichtet seit 1974 an der Realschule Neheim und gehört zu den alten Hasen. Alle müssen umdenken - Lehrer wie auch Schüler. „Die Kinder haben gelernt, dass man in der Schule auch spielen kann“, sagt Uwe Werner. Die Lehrer ihrerseits lernen ihre Schüler plötzlich von anderen Seiten kennen. Nicht mehr allein als den Überflieger in Mathe oder als das Kind mit den Lücken im Vokabel-Schatz, sondern als soziales Wesen unter Freunden. „Man lernt sich viel besser kennen“, glaubt Renate Hackmann.
545 Schüler in 18 Klassen besuchen die RS Neheim.
27 Lehrer unterrichten die Kinder - davon 14 Frauen.
Das Durchschnittsalter der Lehrer ist 46,7 Jahre.
Die Schule bietet den Offenen Ganztag montags, dienstags und mittwochs an. Träger ist der Sozialdienst Katholischer Frauen (SkF). Bis zu 80 Kinder sind im OGS angemeldet.
In der Mensa werden täglich bis zu 130 Essen ausgegeben.
Arbeitsgemeinschaften am Nachmittag gibt es zu zahlreichen Themen: Sport, Kochen, Theater und Kreatives oder auch eine reine Mädchen-AG.
30 bis 35% der Neheimer Realschüler schaffen Abschluss mit Fachoberschulreife.
Berufsvorbereitung u.a. über Projekte wie „Zukunft fördern“, dreiwöchiges Praktikum in Klasse 9, Besuche im Berufsbildungszentrum und im Berufskolleg, Berufsberatung für Schüler und Eltern.
Einander zu kennen ist wichtig - auch für den Lernerfolg. In der Orientierungsstufe haben es die Pädagogen der Realschule Neheim auch mit Kindern zu tun, die keine uneingeschränkte Realschulempfehlung bekamen. Jahr für Jahr sind das, so die Schulleitung, rund 20 bis 30 Prozent der Schüler. Da bedürfe es besonderes Augenmerk, um auch diese Schüler mitzunehmen. Nach Stufe 6 müssen trotzdem immer wieder Kinder die Realschule in Richtung Hauptschule verlassen. „Es sind Einzelfälle, aber auch wir verlieren Schüler“, bedauert Renate Hackmann. Wenn Förderung nicht greift, wird mit Eltern nach einer Lösung gesucht und zur Not auch der Schulabgang empfohlen.
Realschule heißt Mittelschule. Aufzufangen sind an der anderen Seite auch die, die merken, dass sie das Gymnasium nicht packen. „Automatisch leicht haben es diese Schüler dann bei uns nicht“, weiß Renate Hackmann.
Die leistungsschwächeren Schüler sollen mitgenommen, die stärkeren Kinder motiviert werden. „Jeder Schüler bekommt Förderunterricht“, sagt Uwe Werner. Auch eine Binnendifferenzierung in den Hauptfächern in der Orientierungsstufe soll dabei helfen. Nach dem Tutoren-Prinzip werden die Klassen in kleinere Lerngruppen aufgeteilt. Unter der Regie eines Lehrers kümmern sich drei Tutoren aus den Klassen 9 oder 10 um die jüngeren Mitschüler.
Sie selbst bekommen später ebenfalls die benötigte Unterstützung, wenn in der Klasse 10 im Stundenplan Freiräume zur Vorbereitung auf die Zehner-Abschlussprüfung geschaffen werden. Konrektor Uwe Werner berichtet stolz, dass sich eine hoher Anteil der Neheimer Realschüler im Fach Deutsch (9,4%), Mathe (13%) und Englisch (24,7%) in der Zehner-Prüfung gegenüber ihren Vorbenotungen verbessern konnte.
Fachliches Lernen ist nicht alles. „Förderung von Kommunikation, Wissen, Toleranz und soziale Kompetenz“, beschreibt das Schulprogramm die Zusatzaufgaben. Dazu gehören Erfahrungskurse wie die „Baby-Bedenkzeit“ mit Baby-Simulationspuppen ebenso wie die Beteiligung am intergenerativen „Jung lehrt Alt“ (JuleA) oder Engagement rund um die Ruhr-Renaturierung. Mit Biologie-Lehrer Dr. Claus Christ wird eine interaktive Umweltstation zur Gewässerstruktur-Güte entwickelt, die am Ruhrtal-Radweg aufgebaut werden soll.
Auch heute lernen die Neheimer Realschüler wieder für’s Leben - beim Gyros Pita zum Selberbauen...
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