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Schüler pflanzen Wallonen-Eichen

14.10.2011 | 10:00 Uhr
Schüler pflanzen Wallonen-Eichen
Aus Anlass des Olivenfestes in Arnsberg pflanzten Schüler der Ruth-Cohn-Schule auf einer Kyrillfläche am Stemeler Friedhof seltene Walloneneichen. Mit im Bild Initiator Luciano Bora, FörsterWolfram Blanke und fer fleißige Schüler Marvin.

Arnsberg. Das 1. Arnsberger Olivenfest treibt eine ganz besondere „Blüte“: Donnerstagmorgen pflanzten Schülerinnen der Förderschule Ruth Cohn 50 Exemplare der nahezu ausgestorbenen Walloneneiche. Unterstützt wurden sie dabei vom Lehr- und Versuchsforstamt Arnsberger Wald und der Neuen Arbeit Arnsberg.

Diese naturnahe Aktion war für die Jungen und Mädchen etwas ganz Besonderes. Und so ging es mit Feuereifer zur Sache. Kein Wunder, wer hat schon einmal die Chance, dazu beizutragen, einem vom Aussterben bedrohten Baum das Fortleben zu ermöglichen. Wenn es klappt, das Experiment.

Doch da ist Förster Wolfram Blanke vom Lehr- und Versuchsforstamt „trotz leichter Bedenken“ ganz zuversichtlich. „Es besteht zwar die Gefahr, dass die Bäume, wenn sie im Frühjahr austreiben, durch Spätfröste etwas auf die Mütze bekommen. Sollte dann noch eine Störung hinzukommen, könnten sie durchaus absterben. Aber davon gehe ich nicht aus.“

„Elternschutz“

Die Zuversicht schöpft Blanke aus der Tatsache, dass die ursprünglich im warmen östlichen Mittelmeerraum beheimatete Wallonen- oder Knorreneiche (lat. Quercus Macroletis) bereits erfolgreich in England angepflanzt werden konnte, „auch wenn das dortige Klima aufgrund des nahen Golfstroms etwas milder ist“. Zudem handele es sich bei dieser von drei bis vier Meter hohen Birken umgebenen Kyrill-Fläche am alten Stemeler Friedhof um eine nicht sonderlich exponierte Tallage. „Diese Birken übernehmen wie ein Car-Port die Frostschutzfunktion. Oder anders ausgedrückt: Die Birken übernehmen wie ein Kindergarten die Aufgabe der Elternbäume.“ Denn große Bäume böten nicht nur Schutz vor Frösten, sondern auch vor zu starker Sonneneinstrahlung.

Nachzucht persöniches Anliegen

Die Walloneneiche war einst im Mittelmeerraum weit verbreitet. Denn deren Holz war aufgrund des sehr hohen Tanningehalts besonders dauerhaft und damit hervorragend für den Schiffsbau geeignet. Und in dieser Ecke der Welt stiegen immer wieder neue Reiche auf, die mächtige Kriegs- und Handelsflotten auf die Meere sandten. Mit dem Aufkommen neuer Konstruktionstechniken und Werkstoffe wurde das Holz dann nicht mehr benötigt, die großen Walloneneichenwälder verschwanden nach und nach aus dem Landschaftsbild.

Für die Schüler war es ungewohnte körperliche Arbeit.

Und jetzt kommen der Arnsberger Weinhändler Antonio Attioli als Organisator des Olivenfestes und der italienische Olivenbauer Luciano Bora ins Spiel: Bora ist die Nachzucht dieses Baumes ein persönliches Anliegen und er hat - über den privaten Kontakt Attiolis - der Ruth Cohn-Schule 50 Walloneneichen-Pflanzen mitgebracht. Zum Anpflanzen hier vor Ort.

Große Nachhaltigkeit

Für Schulleiterin Claudia Brozio eine tolle Sache, passe dies doch hervorragend in die verschiedensten Schulprojekte zum Thema „Natur direkt erleben“. Schließlich, so Brozio, fehle heute leider vielen Kindern und Jugendlichen der direkte Bezug zur Natur. Da komme diese Aktion gerade recht. Weil die Kinder so selbst erkennen könnten, dass und wie Pflanzen versorgt werden müssen, dass es eine Verantwortung des Menschen für die Natur gebe und dass man deren Ressourcen auch sichern müsse.

„Das Schöne an dieser Aktion,“ so Schulleiterin Brozio weiter, „ist die Nachhaltigkeit: Die Kinder können sich später immer wieder vom Wuchs der Bäume überzeugen. Und Stolz entwickeln, beim Erhalt dieser seltenen Gattung mitgeholfen zu haben. Außerdem ist es gut, körperliche Betätigung einmal selbst zu erleben.“

EU-Recht

Aber warum werden die „Arnsberger“ Bäume in Stemel angepflanzt? Das erklärt Förster Blanke: „Weil es sich bei den staatlichen Waldflächen überwiegend um FFH-Flächen handelt. Und dort verbietet das europäische Recht das Anpflanzen fremder Arten.“

So wird das 1. Arnsberger Olivenfest auch in Stemel Spuren hinterlassen. Sehr nachhaltige.

Achim Gieseke

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2011-10-14 10:00
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