Schornsteinfeger bittet zur Kasse
05.06.2007 | 10:35 Uhr 2007-06-05T10:35:14+0200Arnsberg. Zu Silvester darf er nicht fehlen, der Schornsteinfeger als Glücksbringer. Hausbesitzer sehen ihn mindestens zweimal im Jahr, zur Emissionsmessung und Kaminkehren. Dafür kassieren sie eine staatlich zugesicherte Gebühr.
Kritiker sagen, dass so dem deutschen Schornsteinfeger sein Arbeitsplatz gesichert wird. Es ist alles geregelt: Einkommen, Altersversorgung und die Anzahl der Kunden in den bundesweit 8 000 Kehrbezirken. Es ist eines der letzten deutschen Monopole.
Einen Preiswettbewerb durch Konkurrenz müssen Schornsteinfeger nicht fürchten. Gesetze machen es möglich. Bereits seit Jahren regt sich Widerstand gegen das Monopol. Im Oktober 2006 forderte die Europäische Kommission Deutschland auf, das Gesetz so zu ändern, dass es mit den Bestimmungen des EG-Vertrages zur Niederlassungs- und Dienstleistungsfreiheit vereinbar ist. Eckpunkte zur Reform des Gesetzes wurden der EU-Kommission vorgelegt, um ein Vertragsverletzungsverfahren abzuwenden. Zum 1. Januar 2008 soll es in Kraft treten.
Dann können die Schornsteinfegerarbeiten, die keine Kontrollaufgaben beinhalten, an Qualifizierte vergeben werden. Bezirke werden ausgeschrieben, an denen sich europäische Bewerber beteiligen können. Dr. Johannes Spruth, Energieberater der Neheimer Verbraucherzentrale, erklärt, dass der Schornsteinfeger eine hoheitliche Aufgabe ausführt.
Energieeinsparung "Die Schornsteinfeger sind neutral und unabhängig. Sie warten oder erneuern die Anlagen nicht", erklärt er. Viele Hausbesitzer empfinden die Kehrgebühren als zu hoch. "Es handelt sich um festgelegte errechnete Mittelwerte. Da spielt es keine Rolle, ob der `Feger' drei Stunden oder nur fünf Minuten an der Befeuerungsanlage misst", sagt Dr. Spruth. Die Überprüfung diene dem Brandschutz sowie der Energieeinsparung. "Bei einer Rußschicht von einem Millimeter hat man einen Wirkungsgradverlust von 10 Prozent", betont Spruth und meint, dass nur ein Wartungsvertrag bei einem Heizungsinstallateur die Unabhängigkeit nicht gewährleiste.
Ein starke Lobby Der Obermeister der Innung für Sanitär und Heiztechnik Arnsberg Franz Günter Runte weiß, dass Schornsteinfeger eine starke Lobby im Verband und in der Politik haben. "Sie sind die `Erfüllungsgehilfen' der unteren Baubehörde", so Runte. Viele Hausbesitzer haben einen Wartungsvertrag für ihre Heizanlage. "Die Anlage wird komplett überprüft, gereinigt und gemessen", erklärte er.
Bezirksschornsteinfegermeister Klemens Müller aus Arnsberg war in den letzten Tagen viel unterwegs, da der Bundesverband der Schornsteinfeger bis Ende Mai der Europäischen Union Vorschläge zur Novellierung des Gesetzes hat vorlegen müssen. "Es wird eine Gesetzesänderung geben, aber die hoheitliche Aufgabe der Kontrolle bleibt weiterhin beim Schornsteinfeger", erklärt Müller.
Die Bezirke werden weiterhin ausgeschrieben. "Es wird vermutlich 10 Jahre dauern, bis sich alles eingefahren hat", vermutet er. Neue Arbeitszeitgutachten sind zu den Gebühren erstellt worden. "Für einige wird es billiger, für andere teurer", weiß er heute schon. Man wollte mit dem Schornsteinfeger ein bürokratiefreies System schaffen. Durch die Wahlfreiheit wird jedoch ein neuer Bürokratismus entstehen", orakelt der Fachmann.

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