Ruhestand bringt keine Langeweile

Paul Senske
Paul Senske
Foto: WP Ted Jones
Was wir bereits wissen
Paul Senske geht bald in den Ruhestand. Der aus Voßwinkel stammende Chefredakteur von Radio Sauerland ist ein bekanntes Gesicht der Region.

Neheim/Meschede..  Typisch Senske. Noch bis Ende des Monats sitzt Paul Senske als Chefredakteur von Radio Sauerland an seinem Schreibtisch in Meschede. Offiziell verabschiedet wird er schon am kommenden Samstag. „Später habe ich keine Zeit“, sagt Senske. Sorgen muss sich niemand machen: Langeweile wird der in Voßwinkel geborene Vollblut-Journalist auch im Ruhestand nicht kennen.

Die Wochenenden im Winter sind bei Paul Senske gut belegt. Seit zehn Jahren ist er Moderator und Sprecher bei der Bobbahn in Winterberg. Das Engagement dort stand auch einer späteren Verabschiedung an Sams- oder Sonntagen im Wege. „An der Bobbahn hängt mein Herz“, sagt der 65-Jährige. Riesig freut er sich auf die bevorstehende Bob- und Skeleton-WM in Winterberg. Senske ist dort nicht nur Zuschauer, sondern in verantwortungsvoller Funktion gefordert. Er kümmert sich um die Pressearbeit bei der WM und die Versorgung der Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt mit Nachrichten und Informationen rund um die Großveranstaltung.

„Das sind wir also! Auf Empfang bei Radio Sauerland“, waren die ersten Worte, die Paul Senske am Mikrofon zum Sendestart des Lokalradios am 6. Oktober 1990 über den Äther schickte. Das Abenteuer Radio hatte damals für ihn, der bei den Ruhr-Nachrichten in der Lokal- und Regionalzeitung das journalistische Handwerk gelernt hatte, begonnen. 13 Jahre lang hatte Paul Senske zuvor für die Zeitung gearbeitet. „Ohne Zeitung kann ich nicht leben!“, sagt er. Da habe er alles gelernt, was einen guten Journalisten ausmacht. Und doch kennt er auch die Qualitäten des Radios. „Wir sind schneller“, so der Chefredakteur, „dafür aber auch oberflächlicher!“. Die wesentlichen Unterschiede zwischen Arbeit und Wirken eines Radios und einer Zeitung umschreibt er bildlich. „Wenn du einer Frau etwas ins Ohr flüsterst, dann ist das Radio!“, erklärt Senske. Die Zeitung hingegen sei der Liebesbrief, der tiefer gehen könne.

Stimme einer Region

Paul Senske ist im Sauerland ein gefragter Mann. Er hat es geschafft, der Region eine Stimme zu geben. Und nicht nur das: „Wichtig ist, dass wir im Radio Gesichter haben!“, sagt er. Die Menschen, die die Nachrichten aus der Region überbringen, müssten Vertraute sein. Paul Senske ist so ein Vertrauter - zwischen Voßwinkel, Meschede und Winterberg bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund. Er leitet Diskussionsrunden, wird als Moderator angesprochen und zeigt sich in der Fläche.

Beim Radio sitzt er schon länger nicht mehr am Mikro. „Heute haben wir andere, jüngere und vielleicht auch bessere Moderatoren“, sagt er auf der Homepage des Senders. Darauf, dass er das Kernhandwerk des Journalismus perfekt, und vielleicht auch besser als andere beherrscht, ist er aber nach wie vor stolz: Das Schreiben von „klassischen Nachrichten, die einen hohen Stellenwert im Radio haben“. Paul Senske weiß, was er am besten kann: „Kurz, prägnant und knackig - das war immer meine große Stärke“.

Seinen Job als Chefredakteurin übernimmt am 1. Februar Anke Gebhardt. Sie ist derzeit noch stellvertretende Chefredakteurin und Chefin vom Dienst. Seit 1996 arbeitet sie schon für den Sender. Wohin die Reise gehen muss, ist für Paul Senske klar - und da hält er auch nicht mit seiner Meinung hinter dem Berg. „Die Zukunft des Radios ist lokal!“, sagt er. Im Mittelpunkt müsse immer das Sauerland stehen und das, was die Menschen berührt. Aus dem Munde eines Mannes, der sich zwar als Sauerländer durch und durch bezeichnet und doch „einmal pro Woche in die Großstadt muss“, klingt das nicht provinziell, sondern professionell fundiert.

Sauerländer durch und durch

Paul Senske zeigt weiter sein Gesicht. Seit 19 Jahren ist er Vorsitzender des SC Neheim und will das auch weiter bleiben. Gesundheitliche Rückschläge hat er weggesteckt. „Ich bin körperlich fit und fühle mich wohl“, sagt er. Da hört man nicht auf, sich Ziele zu setzen. Zum Beispiel auf der Winterberger Bobbahn: „In einem Bob bin ich dort in all den Jahren noch nie runtergefahren“, erzählt er, „irgendwann aber sitze ich da auch noch drin!“. Wenn er mal Zeit hat.

Typisch, Paul Senske!