Roman „So auf Erden“ führt ins Sauerland der Nachkriegszeit

Ihr Beruf als Redenschreiberin ist für sie die Pflicht, die Arbeit an ihrem Roman sieht die Arnsberger Buchautorin Katrin Liebelt als Kür an. „So auf Erden“ ist bereits ihr zweiter Roman.
Ihr Beruf als Redenschreiberin ist für sie die Pflicht, die Arbeit an ihrem Roman sieht die Arnsberger Buchautorin Katrin Liebelt als Kür an. „So auf Erden“ ist bereits ihr zweiter Roman.
Foto: privat
Was wir bereits wissen
Normalerweise schreibt Autorin Katrin Liebelt Reden für Bundesministerin Andrea Nahles. Nun legt die gebürtige Arnsbergerin ihren zweiten Roman vor.

Arnsberg..  Ganz typische Gegebenheiten, die sauerländer Natur und Ortschaften – all das wollte Katrin Liebelt (48), wenn auch verfremdet, in ihrem Buch einfangen. Die Bezirksregierung etwa hat darin ihren Sitz in einer Stadt namens Eichwinkel. „Wer in Arnsberg wohnt und andere Ortskundige werden vieles wiedererkennen“, ist sich die Autorin aus Arnsberg sicher.

Ihr neuer Roman „So auf Erden – Die lange Suche nach dem Leben“ erzählt vom Sauerland der Nachkriegszeit, oder genauer: die Lebensgeschichte dreier Geschwister, die am Ende der 1940er Jahre Waisen wurden. Da sind die hübsche, clevere 14-jährige Christel, ihre zwei Jahre ältere, taub geborene Schwester Annelies sowie Nesthäkchen Karl, schüchtern und ängstlich, der sich trotz seiner zehn Jahre noch immer einnässt. Nach dem Tod der Eltern trennen sich ihre Lebenswege; sie kommen bei verschiedenen Verwandten unter.

Die Idee zur Geschichte schlummerte schon lange in Katrin Liebelt. Ähnlich wie beim ersten Roman, der die Lebensgeschichte ihres Vaters aufgreift und in einer fiktiven Erzählung aufgehen lässt, haben sie auch zu „So auf Erden“ wahre Begebenheiten inspiriert: die Erinnerungen, die ihre Tante Irmi Storck mit ihr teilte. „Sie ist im vergangenen Jahr mit Ende 80 gestorben und hat mir früher viel aus der Vergangenheit erzählt.“

Schon als Kind sei Liebelt von der Geschichte fasziniert gewesen, die sie nun der Figur Christel auf den Leib geschrieben hat. „Die Erzählungen meiner Tante haben aber nur die Grundidee geliefert, die Details sind rein fiktiv“, betont die Autorin.

Ganz unterschiedliche Startvoraussetzungen

„Das Interessante ist“, sagt Liebelt, „dass man nicht weiß, welche Wendungen das Leben für die Kinder bereithält.“ Die Protagonisten fänden trotz völlig unterschiedlicher Start­voraussetzungen ihren Lebensweg. Zwar seien ihr alle drei Roman­figuren ans Herz gewachsen, ­müsste sich die Autorin aber ­entscheiden, würde wohl Karl die Rolle als Lieblingsfigur einnehmen. „Er geht einen sehr langen Weg. Aber er schafft es am Ende, sich von allem zu befreien, was einengend wirkt“, begründet sie.

Sich von allem Einengenden befreien – das kann Liebelt nur zu gut nachvollziehen. Schreiben und Lesen sind ihre große Leidenschaften – und die hat sie sich zum Beruf gemacht. „Wenn ich beruflich schreibe, dann bewege ich mich thematisch und vom Duktus her aber in einem sehr engen Korsett.“ Etwas ganz eigenes zu schreiben bedeute ihr deshalb sehr viel.

Wie Pflicht und Kür

Nach Ausbildung und Studium arbeitete sie als Redakteurin, seit 2003 als Redenschreiberin für verschiedene Bundesminister. Vieles, was Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) heute in der Öffentlichkeit sagt, stammt aus Katrin Liebelts Feder. „Redenschreiberin sein und Buchautorin, das ist ein bisschen wie Pflicht und Kür.“

Für ihren ersten Roman hatte sich Liebelt eine berufliche Auszeit von drei Jahren genommen. Sie begleitete ihren Mann, der aus beruflichen Gründen nach Thessaloniki zog, und nutzte dort die Zeit für ihr Schreibprojekt. Heute lebt sie wieder in Berlin, doch die Recherche zu ihrem neuen Buch hatte sie schon in Griechenland begonnen.

Drittes Buch bereits geplant

Nun liegt „So auf Erden“ fertig gedruckt in vielen Buchhandlungen aus. Am 10. September kommt Katrin Liebelt nach Arnsberg, um in der Buchhandlung Houtermans aus ihrem Roman zu lesen. Ein neues Buchprojekt ist auch schon geplant. „Eigentlich ist die Idee nicht neu“, verrät sie. Ursprünglich wollte sie statt ihres ersten Romans ein satirisches Buch über den Politikbetrieb in Deutschland schreiben. „Das liegt seither auf Halde und braucht sicher auch noch ein bisschen, bis es fertig ist.“ Liebelt-Lesefreunde müssen sich also noch etwas gedulden – und sehr aufmerksam sein. Liebelt ist sicher: „Das geplante Buch werde ich auf jeden Fall unter Pseudonym veröffentlichen.“