Ritter aus Leidenschaft hielten Hof
17.08.2008 | 20:06 Uhr 2008-08-17T20:06:01+0200Arnsberg. "Wieso kämpfen diese Männer in so komischen Kleidern?" fragt die kleine Anna und zupft ganz ungeduldig am Rock ihrer Mutter. ...
... "Weil das vor 700 Jahren halt so war", antwortet diese, während auf der großen Wiese vor ihnen über 40 Ritter die Schwerter klirren lassen. "Dein Papa hätte damals wohl auch so eine Rüstung getragen und deine Mama verteidigt." Dem Papa der Familie bleibt da fast die Bratwurst am Spieße im Halse stecken. So geschehen beim "Mittelalterlichen Spectaculum" auf dem Schlossberg zu Arnsberg. Schon zum vierten Mal setzte die Freie Ritterschaft "Miles et Vanitas" zusammen mit befreundeten Ritterschaften und der Unterstützung des Arnsberger Verkehrsvereins die Burgruine am Wochenende für zwei Tage ins Mittelalter zurück. Viele tausend Besucher kamen - wohl auch wegen des tollen Wetters - um das Leben vor 700 Jahren einmal hautnah miterleben zu können. Alle beteiligten Akteure im Heerlager der Ritter lebten wirklich mittelaltergetreu. Dazu boten Handwerker und Händler der Epoche entsprechende Güter an. In den Zelten am Schlossberg tumelten sich Lederpunzierer, Schmiede, Weber, Spinnerinnen, Weihrauchmischer, Gold- und Silberschmiede, Schreiber und eine Perlendreherin. Feil geboten wurde auch Schmuck aus Horn und Bein. Selbst zum Ritter konnte man bei der Bognerei mit Bogenschießstand werden - Zielgenauigkeit vorausgesetzt. Hier half oft Zielwasser in Form von viel Met, das in Tavernen in Unmengen ausgeschenkt wurde. Dazu gab es Geflügel-Gerichte, Fleischgerichte vom Schwenkgrill und eine Mittelalterliche Backstube.
Die Ritter, die von Hobby-Ritterschaften aus ganz Nordrhein-Westfalen gekommen waren, griffen auch selbst zum selbstgeschnitzten Kochlöffel. Über offener Flamme wurde zum Beispiel Möhreneintopf gekocht. "Das dauert dann schon mal drei Stunden, bis alles richtig brodelt", erzählt Christian, 44, aus Lüdenscheid am Samstagabend. Im Licht der untergehenden Sonne am Kochtopf sitzend erklärt er, was den Reiz des Hobby-Ritters ausmacht. "Alles so genau wie möglich originalgetreu nachstellen zu können", sagt er. "Dazu gehört jedes Detail, von der Schraube bis hin zum selbstgemachten Schneebesen zum Kochen."
Die Kinder waren in ihrem Element
Originalgetreu sind auch die Kostüme beim dreißigminütigen Schauspiel "Die Rache des Erzbischofs". Dazu gehört selbstverständlich auch das mehrere Kilo schwere Kettenhemd. Als es Mark Andre, 8 Jahre alt, testweise hochhoben will, bricht er fast zusammen. Auch ohne Kettenhemd können aber Hannah (7) und Moritz Felix (8) kämpfen. Ihre Schwerter sind zwar aus Schaumstoff, trotzdem schreien sie lauthals, als die Schwertspitze zusticht. Für Kinder liebevoll gestaltet war auch das Marionettenspiel "Die magische Brücke der Einhörner".
Nach einem wunderschönen Sonnenuntergang war dann der stimmungsvollste Moment des Ritterwochenendes das Abendspektakel. Zuerst das große Schauspiel rund um den mysteriösen schwarzen Reiter, das vor allem am Ende mit vielen Fackeln für begeisternde Moment sorgte. Im Feuerschein inmitten der ehrwürdigen Gemäuer der Ruine gab es dann auch noch die Feuershow mit den "Evil flames" und mittelalterliche Musik von der Gruppe Frendskopp zu bewundern. Die "Evil Flames" sorgten für staunende Gesichter, meterhohe Stichflammen und akrobatische Jonglagen.
Ein Ritter wurde von der Feuershow so in Extase versetzt, dass er von der Mauer stürzte. Es kann allerdings auch an zuviel Met gelegen haben, dass er das Gleichgewicht verlor. Leicht verletzt brachte der Rettungswagen ihn zur Untersuchung ins Marienkrankenhaus. Davon bekamen die vielen Zuschauer aber nichts mit, zu groß war die Faszination, vor allem beim Feuerschlucken: "Das fühlt sich an wie heißen Kaffee zu trinken", erklärt Feuer-Künstler Thomas. Am Ende gab es großen Applaus. Das hatten sich aber ohnehin alle Mitwirkenden verdient, denn das Mittelalterliche Spectaculum war wieder ein Genuss. Eine gelungene Mischung aus spannender Geschichte, überraschender Unterhaltung und stimmungsvoller Faszination , die vor allem mit Liebe zum Detail überzeugt.

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