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Regisseur lobt: „Das ist ganz großes Kino“

17.06.2012 | 16:29 Uhr
Regisseur lobt: „Das ist ganz großes Kino“
Premiere von My Fair Lady in Herdingen auf der Freilichtbühne

Herdringen.   Mal ein Musical auf die Bühne zu bringen, ist bei den Herdringern geglückt, findet das Publikum, das am Samstag das Stück erstmals sah.

Er hätte sich wirklich keine Sorgen machen müssen: War Peter Hohenecker vor der Premiere von „My Fair Lady“ noch „sehr nervös“, strahlte der Regisseur der Herdringer Freilichtbühne um kurz nach 23 Uhr am Samstagabend übers ganze Gesicht. Da genossen „seine“ Herdringer gerade den minutenlangen Applaus, mit dem das Premierenpublikum die gelungene Inszenierung des Broadwayklassikers bedachte. „Die Qualität, die sie jetzt erreicht haben, hätte ich nie von einer Amateurschauspielergruppe erwartet“, lobte ein sichtlich stolzer Hohenecker, „das ist ganz großes Kino.“

Prachtvolle Kostüme

Prachtvolle Kostüme und eine wunderschön ausgeleuchtete Naturbühne bildeten den Rahmen für die lebhaft erzählte Geschichte des Blumenmädchens Eliza Doolittle, das durch gezieltes Sprachtraining zur echten Lady werden soll. Bereits für die erste Szene gab es spontanen Applaus – und das, obwohl noch nicht ein Wort gesprochen war: Zu beschwingter Musik versammelten sich Marktfrauen, Obsthändler, Blumenmädchen und Saufkumpanen – und „frieren“ plötzlich ein. Völlig reglos harren sie aus und bilden eine perfekte Momentaufnahme Londons zu Beginn des 20. Jahrhunderts – die erneute Verpflichtung der Berliner Choreographin Patricia Hoffmann hat sich für die Freilichtbühne gelohnt.

Als „die Frauenrolle überhaupt“ nennt Regisseur Peter Hohenecker die Rolle der Eliza Doolittle – und mit Carina Hinse hat er die perfekte Besetzung für das schlagfertige Blumenmädchen gefunden. „Ick bin een anständijes Mädchen“, jault die 18-jährige Schülerin herrlich ordinär und bringt Georg Plümpe als Sprachprofessor Higgins damit zur Verzweiflung. „Du Fleisch gewordene Beleidigung deiner Muttersprache!“ In nur wenigen Monaten will er aus der „widerlichen Rotznase“ eine echte Lady machen, die auf gesellschaftlichen Ereignissen wie dem Pferderennen in Ascot problemlos besteht.

Ein Stück, bei dem es sich um die Macht und Schönheit der Sprache dreht, läuft schnell Gefahr durch seine Textlastigkeit zu langweilen. Genau die Herausforderung meistert Peter Hohenecker bravourös: Seine Darsteller sind so spielfreudig, so überzeugend in ihren Rollen, dass selbst die Phonetik-Diskussionen zwischen dem Professor und Oberst Pickering (Rainer Henning) vom Publikum mit Lachern und Zwischenapplaus quittiert werden.

Neue Laiendarsteller ohne Reue

Für zwei Damen war die Musical-Erstaufführung auch eine ganz persönliche Premiere: Die beiden Neheimerinnen Andrea Wirth und Roswitha Doehn standen zum ersten Mal auf der Freilichtbühne. Als Dienstmädchen von Professor Higgins kümmern sie sich liebevoll um Eliza. Dabei wollten die beiden Freundinnen ursprünglich nur hinter der Bühne aktiv werden. „Als wir gehört haben, dass die Herdringer ‚My Fair Lady’ spielen, haben wir uns fürs Singen eingetragen“, erzählt Roswitha Doehn, „und als wir dann das erste Mal da waren, bekamen wir plötzlich richtige Spielrollen, das hat uns völlig überrumpelt.“ Im Bergheimer Chor „ChorRythmics“ singen sie gemeinsam – die geschulten Stimmen fielen Regisseur Hohenecker sofort auf: „Die konnte ich mir doch nicht durch die Lappen gehen lassen!“ Bereut haben es die beiden nicht, nach der Premiere strahlte Andrea Wirth: „Das fühlt sich noch alles so unwirklich an, aber es hat soviel Spaß gemacht.“ Auch Gesangstrainer Tim Erlmann war mehr als zufrieden mit den beiden neu entdeckten „Goldkehlchen“: „Richtig toll war das, ich freue mich für euch!“

Die Freude und Erleichterung darüber, dass ihr Experiment „Musical“ bei den Zuschauern regelrechte Begeisterungsstürme auslöste, war nach dem letzten Akt bei den Herdringern deutlich spürbar. Mit „My Fair Lady“ hat sich die Freilichtbühne auf ein neues Niveau begeben – und die Messlatte für die kommende Saison ganz hoch gehängt. Sorgen machen muss sich Peter Hohenecker mit dieser Schauspieltruppe wirklich nicht.

Anna Gmünd

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