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"Reform auf Kosten der Kinder"

05.09.2007 | 07:26 Uhr

Arnsberg. "Dies ist eine Reform auf Kosten der Kinder und Erzieherinnen - wir lehnen den Gesetzentwurf der Landesregierung für ein neues Kinderbildungsgesetz ab." Dies erklärte gestern die Leiterin des Kindergartens "Heilig Kreuz", Edith Pehl-Neujahr, im

Das Land will mit dem neuen Gesetz die Betreuung von Kindern im Alter von unter drei Jahren in Kindergärten ausbauen und gleichzeitig für flexiblere Öffnungszeiten sorgen. Das, was auf den ersten Blick den Applaus vieler Eltern herausfordern könnte, sieht Edith Pehl-Neujahr, sehr kritisch. Als Sprecherin der Erzieherinnen aus 19 evangelischen und katholischen Kindergärten im Arnsberger Stadtgebiet erklärte sie gestern auf WP-Anfrage: "Der Gesetzentwurf sieht neue Gruppengrößen für die Kindergärten vor, bei denen aber nicht mehr die gleiche hochwertige pädagogische Arbeit geleistet werden kann." So werde bei der Betreuung von Kindern unter drei Jahren bisher wegen des erhöhten Betreuungsbedarfs ein Mehraufwand von 2,5 gezählt. Ein Kind unter drei Jahren zähle in der Gruppe wie 2,5 Kinder.

"Dieser Erhöhungsfaktor für Kinder unter drei Jahren fällt aber nach dem neuen Gesetzentwurf weg, so dass im Endeffekt mit mehr Kindern als bisher in einer Gruppe zu rechnen ist. Die pädagogische Arbeit ist also deutlich schwerer zu leisten - dies geht dann klar zu Lasten der Kinder", erklärt Edith Pehl-Neujahr, die darüber hinaus bei den drei geplanten neuen Kindergartengruppen-Typen die klare Angabe einer maximalen Gruppenstärke vermisst.

Auch die Flexibilisierung der Öffnungszeiten sieht Edith Pehl-Neujahr kritisch. "Es ist pädogisch nicht sinnvoll, wenn die Betreuungszeiten im Kindergarten völlig freigegeben werden. Denn man muss mit den Kindern auch konzentriert arbeiten können. Da geht es nicht an, dass zwischendurch immer wieder Kinder neu gebracht oder abgeholt werden."

Bei der geplanten Flexibilisierung der Öffnungszeiten - die Eltern sollen künftig aus Kindergärten mit 25, 35 oder 45 Stunden wöchentlicher Öffnungszeit wählen können - könne es durchaus Arbeitsplatzprobleme für einige Erzieherinnen geben. "Wenn sich viele Eltern für kurze Öffnungszeiten entscheiden, fällt natürlich das Gesamtstundenkontingent der Erzieherinnen in einem Kindergarten. Dies könnte dann durchaus eine Erzieherinnenstelle kosten", so Edith Pehl-Neujahr.

Nach Angaben der Erzieherinnensprecherin sei es daher fatal, dass einerseits das neue Kinderbildungsgesetz vielen Eltern, insbesondere Müttern, die Berufstätigkeit ermöglichen will, andererseits könnte das neue Gesetz manchen anderen Müttern, in diesem Fall Erzieherinnen, die Berufstätigkeit nehmen.

Aus Protest gegen den Gesetzentwurf sind deshalb heute 19 ev. und kath. Kindergärten in Arnsberg geschlossen (WP berichtete). "Für eine Notversorgung ist aber dennoch überall gesorgt", betont Edith Pehl-Neujahr, die im Kindergarten Heilig Kreuz auch von vielen Eltern in ihrem Protest unterstützt wird. Am Samstag, 15. September, wird Edith Pehl-Neujahr mit vielen weiteren Erzieherinnen zur landesweiten Protest-Demo nach Düsseldorf fahren.

Von Martin Schwarz

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