Rapper SSIO nimmt Hits im Sauerland auf - Tonstudio von Michael Fritz

Michael Fritz vor seinem Tonstudio in Oeventrop im Sauerland. Bei ihm produziert auch Rapper SSIO.
Michael Fritz vor seinem Tonstudio in Oeventrop im Sauerland. Bei ihm produziert auch Rapper SSIO.
Foto: Krishan van der Kooi
Was wir bereits wissen
Michael Fritz betreibt sein Tonstudio im Sauerland. Hier in Oeventrop, umgeben von wiederkäuenden Rindern und der dahin fließenden Ruhr, nehmen Musiker wie der Rapper SSIO ihre Alben auf.

Oeventrop.. Der Blick durch die Terrassentür fällt auf schottisches Hochlandwild, das zottelig und wiederkäuend auf einer Weide in Oeventrop steht. Auf dem Tisch liegt ein Heftchen der St.-Sebastianus-Schützen. Ein ganz normales Haus im Ruhrdorf? Einzig das Firmenschild neben der Tür lässt vermuten, dass hier mehr drin steckt, als ein biederes Einfamilienhaus. Denn hier betreibt Michael Fritz sein Tonstudio. Hier, umgeben von langhaarigem Nutzvieh und der ruhig dahin fließenden Ruhr, wurde die eine Nummer Eins der deutschen Albumcharts aufgenommen.

Zufallsbekanntschaft mit SSIO

„SSIO“ ist Rapper, mit seinem zweiten Album „0,9“ stürmte er direkt nach der Veröffentlichung am 29. Januar an die Spitze der Deutschen Albumcharts. „SSIO habe ich 2010 kennengelernt“, erzählt Michael Fritz, „ich war zu der Zeit zum Studium in Köln, hatte nebenher ein kleines Studio in der Altstadt.“ Der damals noch eher unbekannte Rapper, der den Bonner Stadtteil Tannenbusch seine Heimat nennt, kam so durch Zufall in Kontakt mit Michael Fritz. Bis heute arbeiten die beiden zusammen.

Fashion Week „Es hat eben gut gepasst zwischen uns“, so der studierte Toningenieur. Als er nach seinem Studium wieder zurück in das Sauerland ging, war klar, dass auch SSIO wieder kommen werde. Gemeinsam feilten Fritz und SSIO an „BB.U.M.SS.N.“, dem ersten Studioalbum des Rappers, das mit Platz 6 ebenfalls gut chartete. „Ein Album aufnehmen, das bedeutet monatelange Arbeit. So gut wie jeder Satz, der am Ende auf der Platte zu hören ist, wird hier ins Mikro gesprochen“, erklärt Fritz, „Wir verfeinern hier gemeinsam die Aufnahmen. Da geht es sehr professionell zu, wir sind eben beide sehr pingelig."

Evo59 heißt die Firma in Oeventrop

Evo59 heißt die Firma, die Michael Fritz gemeinsam mit seinem Vater hier in Oeventrop auf die Beine gestellt hat. Ihr Standbein ist die Entwicklung von Lichtkonzepten, auch Musikvideos produziert das Vater-Sohn-Duo. Momentan arbeiten beide auch an einer Dokumentation mit dem Titel „Die drei Ruhrdörfer“. Das Tonstudio laufe eigentlich eher nebenher. Schließlich hat Michael Fritz sein Hobby zum Beruf gemacht: „Es hat 2006 angefangen, da hab ich mir mein erstes bisschen Equipment gekauft. Über die Zeit ist es immer mehr, immer professioneller geworden.“

Michael Fritz will als "Dr. Ton" bald selber rappen

Sein Studio stehe im Grunde jedem offen, betont der Oeventroper. Er beschränke sich nicht nur auf HipHop, auch Schlager seien schon bei ihm aufgenommen worden. Aber sein Herz schlägt eindeutig für den Rap. Das sei die Musik, mit der er groß geworden ist.

Vielseitige Kontakte als Toningenieur

Unter dem Alias „Dr. Ton“ will Michael Fritz bald selber rappen, will die vielseitigen Kontakte nutzen, die er durch seine Arbeit als Toningenieur in der Deutschrap-Szene knüpfen konnte, um seine eigene Künstlerkarriere zu starten. „Ich rappe selber seit ich 14 bin“, sagt der 25-Jährige, „habe aber nie die Ambition gehabt, damit erfolgreich zu sein. Mittlerweile aber habe ich viele Erfahrungen gemacht, ich habe etwas erlebt. So habe ich auch was zu erzählen.“

Fernsehen Das Dorfleben eignet sich schlicht nicht als Materie für die Geschichten, die Rapper erzählen. Es sind Erlebnisse aus den Großstädten und deren Randbezirken, die im HipHop geteilt werden. Im letzten Jahr sammelte Fritz als Backup-Rapper von Schwesta Ewa selber Bühnenerfahrung, die Unterstützung der erfahrenen Rapperin ist ihm sicher. Sie selbst will ihr nächstes Album ebenfalls in Oeventrop aufnehmen.

Fanta Vier machten deutschen Rap populär

Rap auf Deutsch begann in den 90ern langsam, sich zu etablieren. Die Fanta Vier machten das Genre auch im Radio populär. Heute werden Künstler wie Cro, Casper oder Sido täglich gespielt. Die sind aber nur die Spitze des Eisbergs.

Harsche Worte sind Standard in der Rap-Musik

Der den Großteil der Künstler verbergende Wasserspiegel ist sozusagen die Jugendfreiheit: Harsche Worte sind im Rap Standard. In den Texten geht es um Frauen, Drogen, Geld. Rapper berichten, mal mehr, mal weniger überzeichnet, von Dingen, die in bestimmten Milieus und Gegenden Deutschlands zur Lebensrealität gehören. Manche persiflieren das, andere verpacken ihre Erlebnisse in melancholischen Tracks.

Deutscher Rap für Ältere abschreckend

Deutscher Rap ist gerade für Ältere abschreckend, kommt drogenverherrlichend und frauenverachtend daher. Die scharfe Überzeichnung von Attitüden aus den prekären Milieus deutscher Großstädte mache aber den Rap eben aus, meint Michael Fritz.

Pressekonferenz Fritz lädt jeden dazu ein, sich etwas mehr mit dem Genre auseinanderzusetzen, eventuelle Vorurteile abzulegen: „HipHop-Texte sind, was die Technik und Reime angeht, jedem anderen Genre weit überlegen.

Deutsche HipHop-Fans beschäftigen sich mit der Musik, kennen sich aus und sind extrem anspruchsvoll. Der Bringdruck ist hoch. Unter dreisilbigen Reimen geht da gar nichts.“ Deutsch als Sprache der Dichter und Denker bietet eben auch den Straßenpoeten des Deutschraps die Möglichkeit, ihre Geschichten auf einzigartige Weise zu verpacken.

Austausch der Kulturen im Sauerland

Auch in Oeventrop werden diese Geschichten erzählt, wenn Künstler wie SSIO oder Schwesta Ewa bei Michael Fritz in der Aufnahmekabine stehen. Dann kommt es zum Austausch der Kulturen: Straßenrapper aus dem Großstadtmilieu treffen auf besonnen dreinblickende Zottelrinder.