Potenzial der Zuwanderer anerkennen

Daniel und Hadil haben keine Berührungsängste. Ihre Herkunft spielt im Kindergarten keine Rolle.
Daniel und Hadil haben keine Berührungsängste. Ihre Herkunft spielt im Kindergarten keine Rolle.
Foto: Jakob Studnar/WAZ
Was wir bereits wissen
5700 Menschen aus 100 Nationen leben als Ausländer in Arnsberg. Bildung und Anerkennung der Potenziale sind aus Sicht von Bürgermeister Vogel die wichtigen Hebel für gelingende Integration.

Arnsberg..  In Arnsberg leben aktuell über 5700 Menschen aus 99 Nationen mit nicht deutscher Staatsbürgerschaft - darunter viele hier geborene und aufgewachsene Nachfahren von einstigen Gastarbeitern, aber auch die hier momentan asylsuchenden Flüchtlinge. Unsere Zeitung sprach mit Bürgermeister Hans-Josef Vogel über die Herausforderung und auch Erfolge der Integration.

Frage: Wie gut ist Integration in Arnsberg bislang gelungen?

Hans-Josef Vogel: Arnsberg ist heute eine weltoffene und internationale Stadt , die auf über 50 Jahre Integration zurückblicken kann. Wir haben gelernt, dass Integration so vielfältig ist wie die Menschen in unserer Stadt. Ob Integration gut, sehr gut oder ausreichend gelungen ist, kommt auf die jeweilige Perspektive und dann die jedes Einzelnen an. Die Zugewanderten sind aus unserer Stadt nicht wegzudenken. Unterschiedliche Kulturen tragen zur Lebendigkeit unserer Stadt und zum Erfolg unserer Wirtschaft bei. Und was wäre Arnsberg ohne den Dies Internationalis, aber auch ohne den Internationalen Arbeitskreis?

Wo gibt es noch Probleme?

Wir leben alle besser, wenn wir nicht in Problemen, sondern in Potenzialen und Chancen denken, auch bei der Zuwanderung. Bei vielen gibt es auch keine Probleme. Denken Sie zum Beispiel an die jungen Ärzte und an die Pflegekräfte mit Zuwanderungshintergrund.

Wo ist dennoch anzusetzen?

Ein Hebel ist Bildung. Die Schulen leisten mit ihren Möglichkeiten eine sehr gute Arbeit. Doch sie brauchen mehr Möglichkeiten, gerade wenn mehr vertriebene und geflohene Familien kommen. Dafür scheint das Geld zu fehlen. Wie auch für die Städte in NRW, die für die Förderung der Integration gerade von Flüchtlingen besser ausgestattet werden müssen. Vor Ort geht es um die Unterstützung der gut gestarteten Vorbereitungsklassen, die auf die Teilnahme am normalen Unterricht vorbereiten, zum Beispiel wenn Exkursionen gemacht werden oder ganz einfach Sportkleidung fehlt. Ein anderer Hebel ist, Integration als Daueraufgabe zu begreifen, welche die gesamte Stadt betrifft. Es geht um Zukunft, nicht um Herkunft. Auch um den demografischen Beitrag für unsere Stadt.

Was sind Ihrer Meinung nach die Gradmesser der und die Schlüssel für eine gelungene Integration?

Bildung, Sprache, Partizipation, vor allem aber Anerkennung der Potenziale und Leistungen der Menschen mit ausländischen Wurzeln – auch ihres bürgerschaftlichen Engagements in den Kulturvereinen und Moschee-Gemeinden. Anerkennung ermöglicht es, Interessen auf Augenhöhe zu artikulieren und an gemeinschaftlichen Prozessen teilzunehmen – in der Schule, in der Ausbildung, in den Betrieben, in der Stadt, in Initiativen und Projekten.

Wie lassen sich Flüchtlinge mit unsicheren Zukunftsperspektiven mit den bisherigen Integrationsinstrumenten erreichen?

Das sind nicht unsere Kriterien. Es gibt keinen Werkzeug-Koffer. Menschen sind keine Maschinen. Wir müssen hingegen kulturelle Leistungen ermöglichen und unterstützen, dazu in Potentialen denken, ein Klima der Aufnahme und Integration schaffen, selbst organisierte Initiativen fördern, Bildung unterstützen, Bewusstsein schaffen, Kompetenzen bilden. Bildung und Engagement sind immer ein Gewinn und machen Zukunft ein Stück sicherer. Sprach- und Integrationskurse unserer Volkshochschule für Neuankömmlinge beginnen heute sofort. Ehrenamtliche Integrationslotsen helfen von Anfang an. In Zukunft kommt es immer mehr darauf an, Konzepte zu entwickeln, die sich an der Sache wie zum Beispiel individuelle schulische Förderung oder Stärkung der Positionen auf dem Arbeitsmarkt orientieren. In der Umsetzung ist darauf zu achten, möglichst alle Beteiligte zu erreichen – also auch Menschen mit ausländischen Wurzeln, auch Vertriebene und Flüchtlinge. Denken sie beispielsweise an das mehrsprachige Einsatz-Wörterbuch unserer Feuerwehr.