Pilotprojekt Walking-Bus gestartet
11.01.2010 | 06:00 Uhr 2010-01-11T06:00:00+0100
Arnsberg. Am Schreppenberg bahnt sich ein ganz besonderer Bus seinen Weg. Angst, dass er bei Kälte nicht anspringt, braucht man nicht zu haben.
Montagfrüh um halb acht am unteren Schreppenberg. Kinder kommen dick gegen das Winterwetter eingemuckelt aus ihren Häusern, ziehen ihre neuen gelben Warnwesten über und machen sich gutgelaunt auf den Schulweg. Begleitet werden sie von engagierten Eltern. Der erste Walking-Bus in der Stadt Arnsberg setzt sich in Bewegung.
Walking-Bus-Schilder angebracht
Es ist noch dunkel. Die Straßen vereist, die Bürgersteige notdürftig vom Schnee geräumt. Der rund ein Kilometer lange Schulweg ist für Grundschulkinder nicht ungefährlich. „Ich finde es aber wichtig, dass die Kinder laufen und das selbstständige Bewegen im Straßenverkehr kennenlernen”, sagt Sandra Lange. Sie gehört zu den Eltern, die sich an der Bodelschwinghschule für das Projekt von Beginn an begeistern ließen. Ebenfalls in eine gelbe Weste eingehüllt schlüpfte sie gestern in die Rolle des „Busfahrers”.
Erst am Wochenende brachten Mitarbeiter der Stadt die Walking-Bus-Beschilderung an. Die Kinder können so entlang des Schreppenbergs erkennen, wo sie auf den „Bus” der gehenden Schüler warten müssen. Zum Startschuss des Projekts waren am Montagmorgen auch Polizei-Verkehrserzieher Markus Jürgens und der am Schreppenberg zuständige Bezirksbeamte Friedel Stroth im „Bus” dabei. „Langsam!”, ermahnte Markus Jürgens die Kinder, „die Passagiere dürfen ihren Busfahrer doch nicht überholen!”. Im Walking-Bus sollen die Kinder auch wichtige Verkehrsregeln erlernen.
Ein Bus zum Walking-Bus
Von Station zu Station wird die Gruppe größer. Der „Walking-Bus” füllt sich. Am Ende ist ein Dutzend Kinder zugestiegen. „Das ist doch schon richtig gut für den Anfang”, sagt Sandra Lange. Nicht nur Bodelschwinghschüler können mitgehen, auch Kindergarten-Kinder und Schüler der Förderschulen am Schreppenberg sind an die neue „Bus-Linie” angeschlossen. „Das ist auch ein Stück Integration”, sagt Bodelschwingh-Schulleiter Reiner Ahlborn. Er ist davon überzeugt, dass sich das Pilotprojekt an seiner Schule etabliert. „Was bei uns einmal läuft, das läuft auch”, sagt er. Wie bei einem Bus mit gutem Dieselmotor.
Schulleiter Ahlborn denkt sogar noch weiter. Ihm schwebt vor, dass auch die Eltern der Kinder aus Wennigloh, die mit einem echten Bus zur Bodelschwinghschule kommen, einen Walking-Bus einrichten, um die Schüler sicher zur Bushaltestelle im Ort zu bringen. Von Seiten der Polizei ist derzeit konkret noch keine zweite Walking-Bus-Linie geplant. Gesetzt wird nun darauf, dass sich das Schreppenberger Modell herumspricht. Wichtig sei dabei immer, dass die Schulleitungen mitziehen.
Pkw-Verkehr zur Schule reduzieren
An der Bodelschwinghschule ist das der Fall. Der „Walking-Bus” soll nämlich auch den Pkw-Verkehr am frühen Morgen an der Schule reduzieren. „Die Hälfte der im Auto gebrachten Kinder könnte auch zu Fuß kommen”, meint Reiner Ahlborn, „deshalb wollten wir mit dem Walking Bus ein Angebot machen”. Den Müttern Sophia Matins und Sandra Lange geht es aber um mehr: „Morgens zur Schule zu laufen ist auch gut für die Gesundheit!” Wer den Schreppenberg hoch gestiefelt ist, hat seinen Kreislauf schon vor der ersten Schulglocke auf Touren gebracht.
Vorne im Bus gibt der kleine Gustav derweil Gas. Der „Walking-Bus” ist auf der Zielgeraden. Der Kindern hat's Spaß gemacht.

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