Pflegeberuf krankt an Systemfehlern

„Pflege am Boden“: In Neheim wurde in der Vergangenheit schon mehrmals gegen Missstände in der Pflegebranche demonstriert. In diesem Zusammenhang hinterfragt Ulrich Mönke den Sinn sogenannter „Pflegebörsen“.
„Pflege am Boden“: In Neheim wurde in der Vergangenheit schon mehrmals gegen Missstände in der Pflegebranche demonstriert. In diesem Zusammenhang hinterfragt Ulrich Mönke den Sinn sogenannter „Pflegebörsen“.
Foto: WP

Arnsberg..  An der Sinnhaftigkeit von „Pflege- und Gesundheitsbörsen“ – wie zuletzt in Meschede und Brilon veranstaltet (wir berichteten) – zweifelt Ulrich Mönke; und spart dabei nicht mit Kritik an den Ausrichtern. Nur der Grund allein, dass Pflegekräfte benötigt werden, sorge nicht für steigendes Interesse junger Menschen an einem Job in dieser Branche, ist sich der Neheimer sicher. Und Mönke weiß, wovon er spricht; selbst als Krankenpfleger am Klinikum Arnsberg tätig, fungiert er außerdem als regionaler Sprecher der bundesweiten Initiative „Pflege am Boden“.

Vor allem eine Aussage von Professor Dr. Volker Verch habe ihn „schon sehr irritiert“, schreibt Mönke der Redaktion: „Einerseits rücken immer weniger Leute in Pflegeberufe nach, andererseits steigt die Zahl der Pflegebedürftigen“, hatte Professor Verch, Lenkungskreisvorsitzender der Region Hellweg-Hochsauerland, während der Mescheder ­Messe geäußert – und das am demografischen ­Wandel festgemacht.

Doch die Frage „Warum rücken immer weniger junge Leute in den Pflegeberuf nach?“ lässt sich laut Ulrich Mönke ganz einfach beantworten: Die Rahmenbedingungen stimmen nicht, müssen sich ändern. „Als erfahrener Krankenpfleger weiß ich, dass schlechte Bezahlung, unattraktiver Schichtdienst, Überstunden und zu wenig Personal keine Sicherstellung einer menschenwürdigen Pflege mehr zu­lassen“, führt er aus. „Wenn nachts oft eine einzige Person für über 50 Pflegebedürftige zuständig ist, darunter einige demenzkrank und nachtaktiv, kann das eine einzige Pflegekraft gar nicht schaffen, aber es ist ganz legal. Das sind echte System­fehler“, sagt der Neheimer.

„Und das alles wollen Sie auf Pflege- und Gesundheitsbörsen ­jungen Leuten vermitteln?“ appelliert er an NRW-Minister Guntram Schneider und auch an HSK-Landrat Dr. Karl Schneider, den bisherigen Ansatz zu überdenken.

Arbeitsbedingungen verbessern

„Setzen Sie sich endlich für ­bessere Arbeitsbedingungen der Pflegenden ein, garantieren Sie uns ausreichend Zeit für die Bedürf­nisse der uns anvertrauten Patienten. Wenn das geändert wird, dann können Sie auf Pflege- und Gesundheitsbörsen verzichten“, so der Klinikum-Arnsberg-Mitarbeiter.