Perfektes Dinner im Wohnzimmer

Frische Brombeeren gefällig? Birte Müller legt letzte Hand an ein Dessert, das es auch am 17. Januar gibt.
Frische Brombeeren gefällig? Birte Müller legt letzte Hand an ein Dessert, das es auch am 17. Januar gibt.
Foto: WP

Sundern..  Der „Sauerländer Hirsch“ öffnet die Tür und gibt dabei den Blick auf eine Garderobe frei, an der als Haken Messer, Gabeln und weiteres Besteck funkeln.

„Sauerländer Hirsch“? Hinter diesem Pseudonym verbirgt sich eine junge Dame, die eine im Sauerland (noch) weitgehend unbekannte Esskultur in Sundern etablieren möchte: Birte Müller hat ihrem Supperclub diese tierisch-gehörnte Bezeichnung verpasst.

„Supperclub“? „Ganz einfach“, erklärt Birte Müller in ihrem Internet-Blog, „das ist ein Wohnzimmer-Restaurant, eine Privatwohnung, die hin und wieder ihre Pforten öffnet, um neue Freunde zum Dinner einzuladen.“ In ihrem Fall nach Langscheid, wo die 33-Jährige seit gut einem halben Jahr lebt. Doch wie kommt man dazu, nicht nur Freunde, sondern auch Fremde zum Dinner in die eigenen vier Wände einzuladen? Auch ganz einfach: „Ich koche und esse leidenschaftlich gern“, sagt die Hobby-Küchenchefin. Und der „Sauerländer Hirsch“ bildet so etwas wie die kulinarische Plattform: „Ich lade euch in meine Welt ein“, bloggt die Gastgeberin, die von einer „Win-Win-Situation“ spricht: „Ich kann endlich mit Essen spielen, indem ich mir Dinner ausdenke und so meinen vielen Ideen zu Auslauf verhelfe – und ihr sitzt nicht wieder im gleichen Restaurant mit den gleichen Leuten, sondern erlebt in meinem Wohnzimmer neue Gerichte, neue Leute und eine neue Ausgeh-Erfahrung.“ Ideen hat Birte jede Menge, jedes Dinner ist an ein Thema oder Motto gebunden, es wird „kriminalisiert“, nach Art der alten Römer getafelt oder mit originalen Rezepten aus dem Barock experimentiert. Damit wird man glücklich, aber nicht reich – der „Supperclub“ ist weder gewerblich, noch ver folgt er kommer­zielle Interessen. In Krefeld, wo die in Balve-Eisborn aufgewachsene Hobbyköchin zuvor zwei Jahre gelebt hat, funktionierte ihr „Wohnzimmer-Restaurant“ so gut, dass sogar das Fernsehen aufmerksam wurde. Bettina Böttinger lud sich mit ihrer Sendung ­„b-sucht“ ein, half gleich kräftig in der Küche mit. Das ist allerdings nicht wirklich nötig, denn beim Kochen und Bewirten packen sowohl Birtes Eltern als auch Freund Jens (32) mit an. Letzterer auch als Testesser, damit am Dinnerabend alles perfekt ist – auch am 17. Januar, wenn die Langscheider Supperclub-Premiere ansteht:

„Drei-Fragezeichen-Dinner“

Dann heißt es „Drei-Fragezeichen-Dinner“ – die vier Gänge des Menüs sind von verschiedenen Romanen des Autors Robert Arthur mit dem Detektiv-Trio inspiriert. „Ein Dinner nicht nur für Fans von Justus, Bob und Peter, sondern für ­alle, die gern essen“, so Birte. Drei Plätze sind noch frei – Anmeldung: zumroehrendenhirsch bei googlemail.com

Apropos Plätze – etwa acht ­Gästen bietet der „Sauerländer Hirsch“ ein kulinarisches Abenteuer, und das künftig regelmäßig alle sechs bis acht Wochen. Einfach den Blog im Auge behalten, auf http://zumroehrendenhirsch.
wordpress.com/

Bleibt noch zu klären, wie ein „Balver Mädchen“ zur Supperclub-Verfechterin geworden ist. „Ich habe in England promoviert“, erzählt Birte, die in Erlangen Englische Literatur, Musikwissenschaften und Geschichte studiert hat, „dort sind solche Clubs sehr angesagt, vor allem in London.“ „Infiziert“ von der Idee, wurde diese nach Rückkehr in die Heimat umgesetzt; erst in Krefeld, jetzt in Sundern. Wo genau es dort hingeht, erfahren die Gäste übrigens erst kurz vor dem Dinner – per E-Mail. Aber spätestens, wenn der „Sauerländer Hirsch“ den Blick auf die ominöse Besteck-Garderobe frei gibt, ­wissen sie; hier bin ich richtig...