Oeventrop wartet auf Antworten

Oeventrop..  Angesichts der mangelnden Informationen herrscht derzeit vor allem bei den unmittelbaren Anwohnern der ehemaligen Suchtklinik in Egge-Siedlung und am Oemberg große Verunsicherung. Dies wurde in der Versammlung im Siedlerheim deutlich: viele Fragen, doch keine Antworten. Auch die örtlichen Lokalpolitiker mussten da passen, versprachen aber, unverzüglich Sorgen und Forderungen der Bürger an den richtige Stellen vorzubringen.

Wie Oeventrops SPD-Chef Rainer Mühlnickel erklärte, habe der Bürgermeister den Hut für den Zuschlag einer solchen Einrichtung im Stadtgebiet in den Ring geworfen. Weil die Kommune bei einem positiven Bescheid von weiteren Flüchtlings-Zuweisungen befreit sei und damit sehr viel Geld einsparen könne. „Spätestens da aber hätte man die Öffentlichkeit mitnehmen müssen.“ Um weitere Informationen zu erhalten, habe er sofort nach Bekanntwerden der Pläne RP und Bürgermeister angeschrieben. „Doch nur der RP hat geantwortet.“

Keine Front aufbauen

Auch Mühlnickel kritisierte die schlechte Informationspolitik. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die ehemalige Klinik bereits im Herbst 2014 von Mitarbeitern des RP und der Stadt auf eine solche Verwendung hin untersucht worden sei. Mühlnickel: „Der Prozess ist bereits so weit fortgeschritten, dass wir hier nächste Woche vor vollendeten Tatsachen stehen werden.“ Dennoch gehe er davon aus, dass Oeventrop bei deutlich geringerer Belegung in der Lage sei, diese Situation zu meistern. „Aber das Wie muss klar geregelt sein.“

Von der Entwicklung überrascht wurde Bezirksausschuss-Vorsitzender Klaus Büenfeld (CDU), der sich eigens noch am Tag der Versammlung über den aktuellen Verfahrensstand informierte hatte. Dabei hatte man ihm jedoch nichts darüber mitgeteilt, dass inzwischen eine zentrale Flüchtlingsunterkunft im Raum steht. Gleichwohl warnte Büenfeld eindringlich davor, eine Front gegen die Flüchtlinge aufzubauen. „Das wird diesen armen Menschen nicht gerecht. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir das hier in Oeventrop schaffen können.“ Für ihn persönlich sei die geplante Unterbringung keine Überraschung: „Darüber wird doch schon seit Monaten im Ort spekuliert.“

Privatinvestor bereitet Sorge

Büenfeld und die anwesenden Ortspolitiker versprachen, umgehend und „vehement“ Bedenken, Sorgen und Forderungen der Bürger an den richtigen Stellen vorzutragen. „Bis dahin,“ empfahl Büenfeld, „sollten wir Ruhe bewahren.“

Er wolle zudem darauf drängen, dass bereits in der nächsten Woche - noch vor Unterzeichnung der Verträge auch der Bürgermeister - an einer einzuberufenden Bürgerversammlung teilnehme, um die Sachlage zu erörtern. Mit Beteiligung von u.a. Vertretern der Bezirksregierung und der Kirchen. Doch dann, befürchten viele Teilnehmer, könnte es längst zu spät sein, um noch Einfluss zu nehmen.

Sorge bereitet vor Ort neben der angestrebten hohen Belegungszahl vor allem, dass hier ein Privatinvestor auftritt, um die Flüchtlingsunterkunft zu betreiben, der es letztlich allein auf Profit abgesehen habe. Vor diesem Hintergrund sei vermutlich die hohe Zahl von 400 Personen zu erklären, die in der ehemaligen Klinik untergebracht werden sollen. Wohler wäre es den Bürgern, wenn zum Beispiel die Caritas - als verlässlicher Partner bekannt - mit im Boot säße.

Aber es gab auch durchaus positive Gedankenspiele: Durch die Einrichtung, sagte Thomas Hahne, würden neue Arbeitsplätze entstehen, örtliche Handwerksbetriebe könnten in den Ausbau eingebunden werden und die Einzelhändler von neuen Kunden profitieren.

Viele Fragen bleiben. Untere anderem diese: Warum wurde im Vorfeld der Fachausschuss der Stadt Arnsberg nicht beteiligt? Wie wird die gesundheitliche und soziale Betreuung der Asylanten erfolgen? Wie ist der Sicherheitsdienst organisiert? Gibt es eine klar definierte Obergrenze bei der Belegung?

Oeventrop wartet auf Antworten.