Nicht nur ans Geld denken

Abstimmung im Sunderner Ausschuss zum Thema „Mögliche Gründung einer Sekundarschule“. Vorweg zwei Dinge: Dass die Sekundarschule ihre Existenzberechtigung hat und eine schulpolitische Notwendigkeit in einigen Kommunen und Gemeinden geworden ist, bezweifelt niemand. Und dass die SPD in Sundern mit Blick auf bildungspolitische Wünsche der Landesregierung lieber heute als morgen eine Sekundarschule in Sundern etablieren möchte, ist parteipolitisch nachvollziehbar.

Aber zwei Sachverhalte irritieren erheblich: Erstens argumentierte die SPD in ihrem Antrag für die Ratssitzung am 23.04.2015 in erster Linie haushaltspolitisch. Es ging um finanzielle „Einsparungen“ im Hinblick auf das Haushaltssicherungskonzept der Stadt Sundern. Frei nach dem Motto: Was darf Erziehung maximal kosten, damit sie wirtschaftlich erträglich bleibt? Dass Unterricht und Erziehung eben nicht immer wirtschaftlich auf Heller und Pfennig messbar sind, wird ausgeblendet. Ist es pädagogisch vertretbar, Sunderns junge Generation und ihre Bildungschancen auf ihr

„Einsparpotenzial“, d.h. auf die Kosten, die durch Bildung entstehen, zu reduzieren? Zudem wird unterschwellig impliziert, dass die existierenden Haupt- und Realschulen nicht so effizient seien wie eine unter großem finanziellem Aufwand neu einzurichtende Sekundarschule. Die Qualitätsanalyse der Landesregierung hat aber beiden Systemen (sehr) gute Arbeit attestiert. In der freien Wirtschaft werden gut funktionierende Betriebe auch nicht einfach abgewickelt, weil es wirtschaftlich überhaupt keinen Sinn machen würde!

Zweitens stört in der Argumentation der SPD Sundern ihr merkwürdiges Demokratieverständnis.

Einerseits soll die Befragung der Eltern einer Jahrgangsstufe repräsentativ sein, um die gesamte

Schullandschaft dauerhaft zu ändern. Danach würden die Stimmen der Eltern von 75 Schülern reichen, um gut funktionierende Systeme einfach abzuschaffen. Das entspricht nicht einmal annähernd der Hälfte aller Schülerinnen und Schüler, die jedes Jahr von der Grundschule zu einer weiterführenden Schule wechseln — und das bei demographisch stabilen Zahlen auch in der Zukunft!

Und dann bliebe da noch etwas Grundsätzliches: Im Ausschuss für Familie und Bildung der Stadt Sundern hat eine Abstimmung über genau diese Fragen stattgefunden der Antrag der SPD Sundern wurde in einer demokratischen Abstimmung mit 10:4 Stimmen abgeschmettert. Doch statt das Ergebnis zu akzeptieren, wird jetzt politisch nachgetreten, indem die SPD für sich in Anspruch nimmt, die Interessen der Eltern und damit die schulpolitische Zukunft der Kommune zu vertreten. Dabei ist überhaupt nicht ausgemacht, ob die SPD Sundern wirklich die Mehrheit der Sunderner Eltern vertritt. Es stände der SPD Sundern gut zu Gesicht, Abstimmungsergebnisse nun zu akzeptieren