Neandertaler und Burgfräulein

Zentral um Ritter und Pferd ist die Ausstellung zur Ritterzeit“ im Untergeschoss des Landsberger Hofes angelegt. Auch hier modernste Medientechnik - unter anderem ein Turniersimulator.
Zentral um Ritter und Pferd ist die Ausstellung zur Ritterzeit“ im Untergeschoss des Landsberger Hofes angelegt. Auch hier modernste Medientechnik - unter anderem ein Turniersimulator.
Foto: Dr. Ulrich Hermanns
Was wir bereits wissen
Der erste Teil der Serie über die neue Dauerausstellung des Sauerland-Museums: Eiszeit und Ritterzeit.

Arnsberg..  Die Philosophie der neuen Dauerausstellung im Sauerland-Museum, Wissenschaft und Inhalte zu einem einprägsamen Erlebniswert für die Besucherinnen und Besucher zu verknüpfen, lässt sich demnächst sehr gut im Untergeschoss des Landsberger Hofes erkennen: Dort sind künftig die Themen Vorgeschichte und Ritterzeit zu Hause, geben sich praktisch der Keulen schwingende Neandertaler und das zarte Burgfräulein die Hand.

Die Vorgeschichte: Wer künftig das Untergeschoss betritt, der wird das Gefühl haben, einen Zeitsprung zurück in die Steinzeit zu machen. Denn die Exponate sind in einer sich windenden „Höhle“ aus nachempfundenem Fels untergebracht. Der Eingang wird bewacht von originalgetreuen Figuren eines eiszeitlichen Jägers und einer schwangeren Frau. Am Ende der Höhle wartet dann völlig überraschend ein grimmiger Höhlenbär - das in der Balver Höhle aufgefundene Skelett des legendären „Hugo“.

Vom Eingang bis zum Ende gibt es viel zu sehen, viel zu erleben und manches selbst zu machen: In verglasten, in den „Fels“ eingelassenen Nischen befinden sich die Exponate - wie Knochenfunde, Schädel längst ausgestorbener Tiere, primitive Werkzeuge oder auch ein Speiseplan des Neandertalers, der einen Blick auf die eiszeitlichen „Geschmacksrichtungen“ erlaubt.

Steinzeitlabor zum Experimentieren

Die Idee zu dieser Höhlenform ist abgeleitet von der Balver Höhle. „Ein altsteinzeitlicher Fundort erster Güte, und das direkt vor unserer Haustür,“ sagt Museumsleiter Dr. Jürgen Schulte-Hobein. Mit dieser Form der Präsentation könne man den Besucher optimal in die Zeit der Frühgeschichte eintauchen lassen. Die Ausstellungstücke selbst seien alles Originalfunde. „Bis auf den großen Mammutstoßzaun, das Original ist bei einem Bombenangriff auf Münster verbrannt.“

Bei den Originalen konnte man auf den eigenen Museumsfundus zurückgreifen, „der seit 1939 in vielen Kisten verpackt auf dem Dachboden des Museums lagerte“. Darunter die Schädel von unter anderem Wollnashorn und Auerochsen. Mit dem Wissen auf die Museumserweiterung habe man diese Funde zudem von Experten bestimmen lassen und weitere Exponate bewusst gesammelt.

So wird in der „Höhle“ das Leben der Neandertaler vor rund 80 000 Jahren abgebildet. Und dabei zentralen Fragen nachgegangen: Wie ist dieser Frühmensch u.a. mit dem harten Klima zurechtgekommen? Warum ist er ausgestorben? Konnte er sich mit dem Homo sapiens fortpflanzen? Stand der Forschung hier: ja. Da derzeit die Erforschung der Frühgeschichte in starker Bewegung sei, sagt Schulte-Hobein, werde man stets die neuesten Erkenntnisse in die Ausstellung einfließen lassen.

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Der Neandertaler übrigens hat sich mit Höhlenbären um die Balver Höhle als strategisch günstigem Standort gestritten. „Das ist definitiv so gewesen, denn diese Höhle bot in der damaligen Steppenlandschaft des Sauerlandes gute Möglichkeiten zur Jagd.“ Auch das war ein ständiger Kampf - mit Fressfeinden. Ein riesiges Wandbild rundet die Frühgeschichte ab und gibt Blick auf Klima und Vegetation in einem völlig fremden Sauerland frei. „Und damit bekommt man eine Vorstellung, wie diese Eiszeitjäger gelebt haben und täglich um Nahrung kämpfen mussten.“

Hinzu komme ein „Steinzeitlabor“ zum Experimentieren und Medienstationen zum individuellen Abruf weiterer Informationen.

Sauerland als Burgenland

Ritterzeit: Dieser Raum des Untergeschosses mit dem berühmten Ritter auf dem Pferd („Danach wird immer wieder gefragt“) ist mit Medienstationen und Simulationen bestückt, die das Leben der Menschen in der sogenannten Ritterzeit veranschaulichen. Dabei wird u.a. auch die oft vernachlässigte Rolle der Frau berücksichtigt, das Sauerland als von der Topographie her typisches Burgenland präsentiert.

Die Besucher können dort selbst aktiv werden - zum Beispiel an einem Simulator für Ritterturniere, die es übrigens auch in Arnsberg gab. Hier, im Raum der Ritterzeit, nimmt dann auch der rote Faden „Glaube“ und „Macht“ seinen Anfang. Zum Beispiel mit der Rolle der Arnsberger Grafen.