Nach Bildungsflucht zurück in die Heimat

Johanna Kraft
Johanna Kraft
Foto: Ted Jones
Was wir bereits wissen
  • Johanna Kraft will nach dem Studium in ihrer Heimat Arnsberg wieder Fuß fassen
  • Eventmanagerin ist Familien- und Heimatmensch
  • Berufliche Zukunft soll im Sauerland liegen

Arnsberg.. Ein Bildungsflüchtling kehrt zurück. „Ich will in Arnsberg Fuß fassen!“, sagt Johanna Kraft. Die 26-Jährige entscheidet sich als Lebensort für das Sauerland, für ihren Herkunftsort und gegen ihren Studienort Köln. „Ich bin ein Heimatmensch“, sagt sie.

Die großen Metropolen und Studienorte sind voll von jungen Menschen aus der Region. „Man glaubt, das ganze Sauerland ist in Köln!“, erzählt die junge Frau aus ihrer vorübergehenden Wahlheimat. Ihr Entschluss, nach dem Abschluss ihres Eventmanagement-Studiums an der privaten Fachhochschule des Mittelstandes (FHM) zurück nach Arnsberg zu gehen und sich dort um einen Job zu kümmern, stieß bei ihren Kölner Freunden nicht überall auf Verständnis. „Was willst du da?“, fragten sie.

Jüngste unter sieben Geschwistern

Was will sie da? Ein für Johanna Kraft schlagendes Argument ist ihre Familie. Als jüngstes von sieben Kindern - ihr ältester Bruder ist schon 45 Jahre alt - ist sie ein Familienmensch. Das „Nesthäkchen“ lebt in der eigenen Kellerwohnung nun wieder seit kurzer Zeit im Elternhaus in Müschede. „Und dort wohne ich auch gerne“, sagt sie. Sie ist nahe an ihrer großen Verwandschaft. Neun Nichten und Neffen zählt sie. „Und ich will keine Tante sein, die nur ab und an mal vorbeikommt“, sagt Johanna Kraft. Sie will ihrer Familie nahe sein.

„Attraktive Arbeitgeber hier vor Ort“

Ganz alleine ist sie damit nicht. Einige ihrer Freunde haben auch schon den Weg zurück nach Arnsberg gefunden. „Ich habe hier einen festen Freundeskreis“, sagt sie. Viele aber bleiben nach ihrer „Bildungsflucht“ nach dem Schulabschluss für immer weg. Gerade erst hat der 2. Arnsberger Bildungsbericht eine anhaltende Bildungsflucht dokumentiert und dringende Handlungsempfehlungen gegeben, um Maßnahmen zu einer Umkehrbewegung einzuleiten. Eine gute Botschafterin für die „Message“, die bei den jungen Leuten ankommen soll, ist Johanna Kraft. „Diese Gegend ist doch attraktiv und wunderschön“, sagt sie, „und man ist auch schnell in den Ballungsräumen“. Ihre erste Priorität ist es nun, einen Job genau hier im Sauerland zu finden. Erst kürzlich hat sie sich exmatrikuliert und startet nun ihre Bewerbungen. „Es gibt doch auch viele attraktive Arbeitgeber hier vor Ort“, sagt sie, „es wäre aber auch nicht schlimm, wenn ich weiter auspendeln müsste“.

Über das Fach-Abi zum Bachelor-Abschluss in Köln

Leichter hätte sie es beruflich vielleicht in den Metropolen - gerade mit einem Studium im Eventmanagement. „Köln, München, Hamburg - da ist ein guter und großer Markt, da gibt es viele Jobangebote in meinem Bereich“, weiß Johanna Kraft, „ich bin aber wohl doch ein Dorfkind!“. Dass sie rausgegangen ist, bereut sie nicht. Und sie versteht auch jeden jungen Menschen, den es nach der Schule in die Weite treibt. „Viele Jugendliche gehen weg, weil sie etwas erleben und feiern wollen“, sagt sie. Da hätten die großen Städte einfach mehr zu bieten. Verluste vor Ort - wie die Schließung des „Zero“ in Arnsberg - tun da einer Stadt, die um junge Menschen wirbt, nicht gut.

Ein grundsätzliches Defizit erkennt Johanna Kraft aber beim Bekanntheitsgrad der Region als attraktiver Arbeitsplatz bei den ausgewanderten Arnsbergern. „Die Betriebe müssten sich mehr öffnen“, sagt sie. Arbeitgeber seien nicht präsent genug in den sozialen Netzwerken, in denen sich junge Leute bewegen und aus denen sie ihre Informationen beziehen. Job- und Karrieremöglichkeiten müssten auch über Facebook, Snapchat, Xing oder Instagram aus dem Sauerland heraus an die verstreuten Zielgruppen gebracht werden.

Firmen brauchen besseres Job-Marketing

Besser präsentieren sollten sich Firmen und Wirtschaft aus dem Sauerland auch bei großen Events wie dem Tough Mudder oder zuletzt dem Castle Beat und dem Cro-Konzert in Herdringen, bei dem junge Menschen aus der Region und auch von außerhalb zusammenkamen. „Wenn man sich aktiv mit Jobs hier beschäftigt findet man was“, sagt Johanna Kraft, „so leicht gemacht wie in Köln wird es uns jungen Leuten nicht“.