Nach 130 Schuss ist in Hövel Schluss

Nach dem Abschuss des zähen Federviehs lässt sich Max Bücher von seinen Schützenbrüdern feiern.
Nach dem Abschuss des zähen Federviehs lässt sich Max Bücher von seinen Schützenbrüdern feiern.
Foto: WP

Hövel..  Ein Kinderspiel ist es heute nicht mehr, für jedes Dorf einen König zu finden. In Hövel aber ist kein Vogel sicher: Ehrensache, dass sich Kandidaten finden, die das Federvieh hart unter Beschuss nehmen. In diesem Jahr war bei Schuss Nummer 130 Schluss:

Lukas und Max Bücher hatten das Tier um kurz nach Elf ins Kreuzfeuer genommen. Max Bücher hatte sich ein Herz gefasst und wollte es nun auch werden. Und als der letzte Vogelrest von der Stange purzelte, ließ er sich von seinen Schützenbrüdern gebührend feiern. Seine Königin Antonia Jelkmann hatte das Kleid zwar noch nicht neben das Bett gehängt. Doch die nötigen Verbindungen waren geknüpft, um sich auf die Schnelle noch königlich herauszuputzen. Hövel hat ein fröhliches und stattliches neues Königspaar, das der St.-Sebastian-Bruderschaft sicherlich alle Ehre machen wird.

Dabei hätte es um ein Haar gegen halb Elf eine Überraschung gegeben: Thomas Semer aus den Vorstandsreihen der St.-Sebastian-Schützen hatte dem Vogel aus der Hand von Markus Allefeld eine solche Breitseite gegeben, dass dieser einen Flügel verlor und sich bedrohlich schief legte. Schnell war also nach dem Ehren-Eröffnungsschuss von Ortsvorsteher Karl Rüther klar: Ab jetzt kann jeder Schuss den König machen. Und weil das Ehre und Verantwortung zugleich ist, legten die Höveler nun erst einmal eine Bedenkpause ein. Ein Jungschütze aus Beckum machte ein paar Glücksschüsse, und auch ein Überraschungskandidat schien ernsthaft Sehnsucht nach der Königskette zu haben. „Nein, Papa!“, machten die beiden Töchter dem Angriff schnell ein Ende. Warum, wissen die Jungs rund um die Vogelstange genau: „Als König, da brauchst Du 10 000 Euro“, glauben sie zu wissen.

„Komm, wir machen das jetzt“

Solche Sprüche können einen Höveler aber nicht einschüchtern. Eine kleine Pause, in der der „Geheimkandidat“, kein anderer als Schießmeister Johannes Danne junior, bearbeitet wird. Doch seine Zeit ist noch nicht gekommen. „Komm, wir machen das jetzt“, fordert Max Bücher plötzlich Lukas Bücher auf. Und bei der gemeinsamen Attacke zeigt sich, dass zum Lockerschießen ruhig noch ein paar Mutige hätten antreten ­können. Denn so lose hängt er gar nicht, dieser Vogelrest.

Er ist fast schon Kleinholz, als er den Ambitionen von Max Bücher Respekt zeugt und fällt. „Es war ein bisschen zäh zum Schluss“, räumt der neue König später ein. Mit dem 130. Schuss wird er schließlich Schützenkönig von Hövel. An seiner Seite wird als Königin die hübsche Antonia Jelkmann stehen. Der 27-jährige Maschinenbauingenieur geht seine neuen Aufgaben offenbar mit Schwung an:

„Ich freue mich auf das Jahr, das nun vor uns liegt!“