Mit viel Herzblut und Pferdeverstand

Christiane Löttgen mit einem ihrer Pferde, der neun Jahre alten Karlotta.
Christiane Löttgen mit einem ihrer Pferde, der neun Jahre alten Karlotta.
Foto: WP

Herdringen. „.  Man sollte das Denken den Pferden überlassen“, wie es im Volksmund so schön heißt. Nun, ganz so einfach ist es wohl nicht, aber das Menschen und Pferde eine ganze Menge mit- und voneinander lernen können, beweist Christiane Löttgen tagtäglich auf ihrem Seminarhof „Pferdeweisheit“ am Ortsrand von Herdringen.

Ihr therapeutischer Ansatz ist ebenso interessant wie ihre Biografie: Die aus Gevelsberg stammende Christiane Löttgen ist von Haus aus Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie, hat eine fundierte schulmedizinische Ausbildung und Berufspraxis im In- und Ausland vorzuweisen. „Doch irgendwann war ich mit der Schulmedizin nicht mehr glücklich“, sagt sie.

Zu viele Operationen, überzogene Kostenoptimierung, zu wenig Fragen nach den Ursachen diverser Krankheiten – derlei Defizite im Gesundheitssystem führten zum Einstieg in die Psychosomatik: „Das ‘Warum’ rückte für mich immer mehr in den Mittelpunkt“, sagt die 46-Jährige – betont aber, das Schulmedizin und alternative Heilmethoden sich nicht ausgrenzen, sondern ergänzen sollten.

Ungeplante Wendung

Und die Leidenschaft für Pferde? „...habe ich schon seit meiner Kindheit“, ergänzt Christiane Löttgen, „doch das daraus ein Bestandteil meines Berufes erwächst, war zunächst gar nicht geplant.“

Ein eigenes, sehr schwieriges Pferd – „es war kein Verstandeskauf...“ – brachte sie in Kontakt zur „EponaQuest®-Arbeit“.

„Ich wollte etwas für mich und mein Pferd tun“, sagt sie – und daraus reifte der Plan, ihre beiden Leidenschaften, Pferde und Heilen, zu vereinen. Nach der Ausbildung zum „EponaQuest®“-Instructor und „Advanced Instructor“ (mehr dazu im Infokasten) begann die Suche nach einem geeigneten Standort, wo sich Ideen aus der Pferdewelt auf die Menschenwelt übertragen ­lassen. In Herdringen wurde die Medizinerin vor drei Jahren fündig.

Auf ihrem kleinen Hof hinter dem Jagdschloss gibt sie seither „Mensch und Pferd Raum, um sich unter geschützten Bedingungen neu zu erleben“. „Meine Arbeit ist pragmatisch und bodenständig“, fasst die Neu-Arnsbergerin ihr inzwischen weit gefasstes Arbeitsfeld zusammen. „Pferdeweisheit“ bietet vier Themenschwerpunkte, die natürlich alle auf der Arbeit mit Pferden aufbauen:

„Arbeit am Pferd“ stellt logischerweise das Tier in den ­Mittelpunkt.

Stärkung des Ego

Die Bereiche „Persönlichkeitsentwicklung“ und „Therapeutische Arbeit“ eröffnen zweibeinigen Individuen die Möglichkeit, sich selbst besser kennen zu lernen, das „Ich“ zu stärken, ihr Leben zu verändern – oder Leidensdruck zu lindern. „Business Coaching“ schließlich umfasst Führungstraining, Teamförderung, Mitarbeitermotivation, Kompetenztraining und Konfliktmanagement. Hier ist vor allem die Weisheit des Pferdes „als Herdentier“ gefragt; und – wie gesagt – die Tiere spielen in allen vier Bereichen eine entscheidende Rolle.

Affinität von Mensch und Pferd

Drei eigene Pferde besitzt Christiane Löttgen, dazu gesellen sich zwei sogenannte „Einstaller“, die einer Freundin und Mitarbeiterin gehören und ständig vor Ort leben. In der großzügig angelegten Stall­gasse gibt es weitere Boxen – für vierbeinige Patienten, die bei Bedarf (und Notwendigkeit) als Gast eine Weile in Herdringen bleiben.

Ihre tierischen Mitarbeiter lobt die Chefin in höchsten Tönen: „Für Pferde sind Gefühle Informationen“, erklärt sie, „und sie fordern von uns etwas ein, das den Menschen weiter hilft. Die Affinität von Mensch und Pferd ist groß.“

Auch in Sachen Pferd weitgehend „Unbeleckte“ finden schnell Zugang zu den großen, einfühl­samen Seminarhelfern. Doch das Denken sollen sie ihnen nicht überlassen:

„Erst sich selbst etwas bewusst zu machen, weckt die Bereitschaft, etwas zu ändern“, nimmt Christiane Löttgen ihre zweibeinige Klientel in die Pflicht.