Mit Ruhe und Bodenhaftung

Jan Phillip Schmidt arbeitet als Erzieher im Neheimer Kindergarten St. Michael. Bei den Mädchen und Jungen ist er sehr beliebt.
Jan Phillip Schmidt arbeitet als Erzieher im Neheimer Kindergarten St. Michael. Bei den Mädchen und Jungen ist er sehr beliebt.
Foto: WP

Neheim..  In Kindergärten sind es in der Regel Frauen, die die Jungen und Mädchen erziehen. Junge Männer sind eher selten zu finden. Deutschlandweit belief sich 2014 der Männeranteil in diesem Beruf auf nur vier Prozent. Jan-Philipp Schmidt ist einer von ihnen: Er arbeitet als Erzieher im Neheimer Kindergarten St. Michael.

Man merkt direkt, dass er seinen Job sorgfältig ausgesucht hat. Eigentlich hatte er nie den Gedanken, Erzieher zu werden. Er kam erst 2010 durch den Zivildienst in einer Schule für behinderte Kinder auf den Gedanken, in diesem pädagogischen Bereich tätig zu werden. Nach dem Zivildienst entschied er sich deshalb für eine Ausbildung an der Fachschule für Sozialpädagogik in Arnsberg. Zum Abschluss der Ausbildung gab es mit ihm nur noch einen weiteren Mann in der Klasse, alle anderen waren Frauen.

Inzwischen arbeitet Jan-Philipp Schmidt in der Kindertageseinrichtung des Familienzentrums St. Michael am Ehmsenplatz in Neheim, wo er nur Kolleginnen hat. Hier merkt er, dass er als Mann durchaus auch einmal andere Ansichten von der erzieherischen Arbeit hat, aber er hat keine Probleme, seine Meinung zu vertreten.

Gemeinsam im Team finde man dann eine Lösung, aber im Allgemeinen sei man ohnehin auf einer Linie. „Ich komme sehr gut mit meinen Kolleginnen aus“, betont Schmidt. Umgekehrt äußert sich die stellv. Leiterin des Kindergartens, Helga Schulte, auch sehr positiv über den Kollegen: „Wie er mit den Kindern umgeht und spielt, ist wunderbar. Er strahlt eine starke Ruhe und Bodenhaftung aus.“

Skepsis schnell verschwunden

Jan-Philipp Schmidt kommt nicht nur mit den Kolleginnen, sondern auch mit den Kindern gut klar. Die Kinder sind interessiert an seiner Meinung und nehmen seine Hilfe gerne an. So fragen sie zum Beispiel beim Basteln immer wieder, wie er ihr Projekt findet. So könne man erkennen, dass sich sein Arbeitsstil nicht wesentlich von dem seiner Kolleginnen unterscheidet. Zudem, so Schmidt, ­könne er schnell eine emotionale Bindung zu den Kindern aufbauen.

Die Eltern der Kleinen seien ihm dagegen anfangs mitunter mit Skepsis entgegengetreten. Helga Schulte betont allerdings, dass dies auch oft bei den Erzieherinnen zu Beginn ihrer Arbeit der Fall sei: „Diese Skepsis erleben viele Neulinge, egal ob Mann oder Frau.“ Recht schnell habe Jan-Phillip Schmidt dann aber einen guten Kontakt zu den Eltern bekommen. Der gute Draht zu den Kindern setzte sich nämlich bei diesen fort.

Vorteil für Alleinerziehende

Eltern lernten zudem zu verstehen, dass männliche Erzieher durchaus vorteilhaft sind. Vor allem für ­alleinerziehende Mütter, da so durch Jan-Philipp Schmidt ein Teil der männlichen Erzieherrolle eingenommen werde. „Keinesfalls kann ich aber ein Vater-Ersatz sein“, betont Schmidt. Kollegin Helga Schulte jedenfalls ist überzeugt: „Es sollte mehr männliche Erzieher in Kindergärten geben, da es eine Bereicherung für Kinder, Eltern und das gesamte Team ist.“