Mit Buntstiften fing alles an

Gemeinsam betrachten Wilfried Cramer (links) und Friedel Schültke das wohl letzte Bild von Josef Cramer)
Gemeinsam betrachten Wilfried Cramer (links) und Friedel Schültke das wohl letzte Bild von Josef Cramer)
Foto: WP

Sundern..  Der Maler Josef Cramer gehört zu Sundern. Denn es gibt nur wenige Häuser, in denen nicht ein Cramer vorhanden ist. Wenn er - da nicht mehr ganz zeitgemäß - auch nicht mehr an der Wand hängt.

Das haben sich auch Johannes Dröge, NRW-Kulturpreisträger, und Friedel Schültke gedacht: „Die Idee zu einer Ausstellung des Kulturrings war eine Idee von Johannes“, gibt Schültke die Lorbeeren an den Bildhauer weiter. Inzwischen steht der Termin: Die Bilder des Malers, der im früheren Verwaltungsgebäude der Firma Lübke & Vogt an der Hüstener Straße geboren wurde (siehe Infobox), sollen zwischen dem 20. Februar und 7. März im „Stracken Hof“ in Endorf gezeigt werden. „Da sind die Bilder von Papa gut aufgehoben“, findet auch Wilfried Cramer (69), Sohn des Künstlers, der auch heute noch an der Hüstener Straße lebt.

Die Frage, wie sein Vater zum Malen kam, kann er nicht genau beantworten: „Es wurde immer gesagt, dass er Naturtalent war.“ Die Motive hat sich Josef Cramer in der Natur abgeschaut, aber nicht genau verortet: „Das Bild mit dem Bauern und seinen Pferden zeigt nicht Sundern, auch nicht Endorf“, so der Sohn. Sein Vater habe das mit viel Fantasie in eine fiktive Umgebung gesetzt. Und das kam bei den Menschen an.

Heimat gut porträtiert

Er konnte aber auch anders: Vieles in seiner Heimat hat er nämlich detailgenau skizziert und in ein Gemälde umgesetzt. Das beweist das Bild über Sundern hinweg, das die Chronik zum 700-jährigen Bestehen Sunderns ziert. Es zeigt Sundern vor den großen Veränderungen nach dem 2. Weltkrieg.

Als sogenanntes Naturtalent legte sich Josef Cramer nicht auf eine Methodik fest: „Die ersten Bilder hat er wohl mit Buntstiften gemalt, später kam dann Öl hinzu und außerdem hat er noch einige Bilder gebrannt. Ich erinnere mich noch an den Geruch von den Gerätschaften, wenn wieder ein Bild fertig war“, so Sohn Wilfried. Er sucht noch immer ein Bild der Kreuzbergkapelle, die sein Vater gerne gemalt hat. In der Ausstellung selbst sind alle Facetten der Kunst von Josef Cramer zu finden: Vor allem Tierporträts gelangen dem Künstler gut, das zeigen die ersten Bilder, die er bereits mit 15 Jahren angefertigt hat. Damals waren Pferde und Hunde ein beliebtes Motiv, später kamen dann - eher etwas romantisierend - Fuchs, Hirsch oder äsende Rehe hinzu.

Aber auch einige der Sunderner Unternehmer hat er portraitiert, darüber hinaus konnte er gut knorrige Typen zeichnen. „Die Ausstellung wird etwa 30 bis 40 Bilder umfassen, die Sammlung ist aber weitestgehend abgeschlossen“, sagt Friedel Schültke. Zur Eröffnung des fleißigen Künstlers, der auch viel Auftragsarbeiten gemalt hat, wird auch sein Sohn erwartet.

Info

Geboren wurde Josef Cramer 1905 im Verwaltungsgebäude der Fa. Lübke & Vogt, damals ein Bauernhof. Später besuchte Cramer das Gymnasium in Hagen. Gearbeitet hat er in der Industrie.

Gestorben ist er 1981. Das Bild mit den Pferden (oben) war wohl sein letztes.