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Metalldiebe nur eine Woche nach Friedhof-Verwüstung verurteilt

19.06.2012 | 19:28 Uhr
Metalldiebe nur eine Woche nach Friedhof-Verwüstung verurteilt

Arnsberg/Voßwinkel.   Nur sieben Tage nach der Tat wurden gestern zwei Metalldiebe zu Bewährungsstrafen verurteilt. Sie hatten den Voßwinkler Friedhof verwüstet.

Selten waren sich Staatsanwalt, Richter und Verteidiger in der Beurteilung einer Straftat so einig, wie gestern Nachmittag im Arnsberger Amtsgericht, wo es um die Aufklärung des Diebstahls und um die Grabverwüstungen auf dem Friedhof in Voßwinkel vom 12. auf den 13. Juni ging. „Das war eine schändliche Tat“, so die Juristen unisono. Der materielle Schaden hatte rund 30. 000 Euro betragen, der immaterielle war für viele Angehörige nicht messbar. „Für die meisten ein Schock,“ wie es Richterin Isabelle Kollenberg formulierte.

Und wohl noch seltener gelang es der Arnsberger Justiz so schnell, ein Strafverfahren von der Tatbegehung bis zum von allen akzeptierten Urteil abzuschließen.

Auf der Anklagebank ein 20-jähriger Sunderner und sein 37-jähriger Cousin aus Polen, der eigentlich ins Sauerland gekommen war, um Arbeit zu suchen. Statt dessen hatten die beiden, wie sie gestern im Gericht ausführten, Metall gesammelt, weil das im Moment doch einiges bringen würde. Mal legal, mal illegal.

Madonnenstatur

Einen Friedhof wollen die beiden in der Nacht vom 12. auf den 13. Juni aber zum ersten Mal einen Besuch abgestattet haben, so ihre Einlassung. Doch dabei sind sie alles anderer als behutsam vorgegangen. Eine Madonnenstatur im Wert von 6 000 Euro wurde aus der Verankerung gerissen, eine bronzene Grabplatte (10 000 Euro) ließen sie ebenso mitgehen wie eine Vielzahl von Grablampen.

„Der Friedhof sah aus wie ein Schlachtfeld“, sagte Richterin Isabelle Kollenberg. Kleinlaut mit hängendem Kopf erwiderte der 20-jährige Sunderner: „Ich will mich bei den Angehörigen entschuldigen.“ Sein 34-jähriger Cousin ließ ebenfalls über seinen Dolmetscher mitteilen, dass er alles dafür tun werde, um den Schaden wieder gutzumachen. Nie habe er in seinem Leben gestohlen, es muss auch an dem Alkohol gelegen haben, den er vorher getrunken habe, sagte er im Gerichtssaal.

Störung der Totenruhe

Angeklagt war neben dem schweren Diebstahl auch die „Störung der Totenruhe“. Ob sie mit diesem Begriff etwas anfangen könnten, fragte die Richterin. Beide nickten und betonten, dass sie katholisch seien. Die Mutter und Tante sei in tiefer Trauer, seitdem sie von der Tat erfahren habe, betonten auch die Anwälte.

Viel Lob zollten die Juristen der Polizei, die in der Nacht auf den 12. Juni ganze Arbeit geleistet habe. Im Rahmen von gezielten Überwachungsmaßnahmen war ihr das verdächtige Fahrzeug der Täter in Friedhofsnähe aufgefallen. Es wurde angehalten, die Täter festgenommen und die Beute sichergestellt.

Benzindiebstahl

Auch wenn der 20-jährige Sunderner sofort Reue zeigte und versprach, alles wieder gutzumachen, musste die Richterin doch schlucken, als der junge Mann auf der Anklagebank Platz nahm. Denn erst vor einigen Wochen hatte sie gegen ihn ein Verfahren wegen Benzindiebstahls eingestellt, weil er glaubwürdig versichert hatte, nie wieder straffällig zu werden. Trotzdem bekam er gestern noch einmal die Chance, sich zu bewähren, weil dem auch der Bewährungshelfer zugestimmt hatte. Der 20-jährige wurde nach Jugendstrafrecht verurteilt und muss zudem 300 unentgeltliche Sozialstunden absolvieren. Der 37-Jährige muss 250 Sozialstunden ableisten. Und weil sich beide doch sehr erleichtert zeigten, wegen dieser „schändlichen Tat“ nicht in Haft zu kommen, nahmen sie die Urteile auch sofort an.

Detlef Schlüchtermann

Kommentare
21.06.2012
07:25
Metalldiebe nur eine Woche nach Friedhof-Verwüstung verurteilt
von Deepyello | #2

Das Urteil ist ein absoluter Witz. Man muss sich ernsthaft fragen, was sich Richter bei solchen Urteilen denken. Und das noch in Anbetracht der...
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Metalldiebe nur eine Woche nach Friedhof-Verwüstung verurteilt
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2012-06-19 19:28
Arnsberg