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Interview

Kunstsommer als kulturelle Schnittstelle

19.08.2010 | 20:23 Uhr
Kunstsommer als kulturelle Schnittstelle
Peter Kleine und Andreas Witte vom Kulturbüro der Stadt Arnsberg. Foto: Ted Jones

Arnsberg. Eine Stadt im Sauerland, in der sich elf Tage lang alles um Kultur dreht: Das ist Arnsberg und der Kunstsommer. Die Organisatoren Peter Kleine und Andreas Witte verraten im Interview, was das Großereignis ausmacht.

Zum 14. Mal liegt der Blickpunkt auf Musik, Malerei, Theater, Film, Literatur und vielem mehr. Über 40 Workshops, ein wachsendes Musikfestival und reichlich Programm für Jung und Alt. Arnsberg setzt mir seinem Kunstsommer voll auf Kreativität. Was Besucher und Teilnehmer diesmal erwartet, erzählen im Interview die Organisatoren Peter Kleine und Andreas Witte vom städtischen Kulturbüro.

Was macht den Kunstsommer in diesem Jahr aus?

Peter Kleine: Wir machen deutlich mehr Experimente. Es gibt einen Workshop „Improvisation und Orgel“ und einen zum Thema Mangas. Es gibt auch einen Cajón-Workshop als ganz neues Instrument. Der Kurs ist mit einem Schlag der Renner. Natürlich gibt es auch Experimente, die schief gehen. Wir hatten zum Beispiel ein Angebot zu Kunst am Körper, das hat einfach extrem wenig Resonanz gefunden. Da lagen wir halt daneben.

Das Motto des Kunstsommers 2010 lautet „Schnittstellen“. Warum haben Sie sich für dieses Thema entschieden?

Peter Kleine: Wir hatten erst etwas ganz anderes, etwas mit Bildern, Blickwechsel, mit Perspektivwechsel. Und dann sagte Andreas in der Teamsitzung „Schnittstellen“, das war wirklich ein Zufall.

Andreas Witte: Es ist ein Motto, auf das der Kunstsommer schon lange gewartet hat. Und das Thema Schnittstellen gibt ja auch diesmal die Richtung vor. Wir haben für uns ziemliches Neuland betreten, dadurch, dass wir soziale Netzwerke verstärkt bedienen. Das ist eine Sache, die wir schon lange auf dem Schirm hatten, bei der wir aber in diesem Jahr im Prinzip erstmals richtig nachhaltig aktiv werden. Wir schaffen, wörtlich genommen, Schnittstellen, die wir in dieser Form noch nicht hatten.

Peter Kleine: Eigentlich ist der Kunstsommer eine Schnittstelle für die verschiedenen Sparten, für Bürger und die Profikünstler.

Über 3 Tonnen schwer ist dieser Wal aus Beton, der vom Künstler Friedrich Freiburg. Foto. Ted Jones

In einer Zeit, in der immer mehr Kommunen an Kunst und Kultur sparen: Warum ist eine Veranstaltung wie der Kunstsommer für Arnsberg gerade jetzt so wichtig?

Peter Kleine: Ich bin von Haus aus Historiker. Wenn Sie sich die Geschichte von Städten anschauen, dann stoßen Sie über kurz oder lang auf kulturelle Aktionen. Das gehört zu einer Stadt. Und wenn Bürger sich in einer Stadt betätigen, dann wollen sie ihr Umfeld auch gestalten und zwar nicht nur, indem sie Geschäfte machen, Fabriken bauen und Läden führen, sondern indem sie einfach auch schöne Dinge machen. Wenn eine Stadt sich Kultur nicht mehr leisten kann, dann ist sie tot.

Andreas Witte: Rein praktisch finanziert sich der Kunstsommer von je her zu großen Teilen aus den Teilnahmegebühren und aus den Beiträgen der Wirtschaft. Das muss man auch klar sagen, weil die Mittel, die aus der öffentlichen Hand in den Kunstsommer fließen, so überschaubar sind, dass da nicht viel zu kürzen war. Das Ganze steht und fällt auch mit dem Engagement unseres Umfeldes. Und wenn die Kurse sich einigermaßen selbst tragen, kommen wir unterm Strich normalerweise plus minus null raus.

Peter Kleine: Die Überraschung in diesem Jahr war, dass die Sponsorenleistungen praktisch auf gleichem, vielleicht sogar auf höherem Niveau sind als im letzten Jahr.

Andreas Witte: Was auch da wieder zeigt, dass auch hier der Stellenwert der Kultur und des Kunstsommers im Besonderen anerkannt wird.

Wie sehr spiegelt die Veranstaltung die Stadt Arnsberg wider?

Andreas Witte: Es gibt Leute, die erwarten den Kunstsommer einfach. Die wären sehr enttäuscht, wenn es ihn nicht mehr gäbe.

Peter Kleine: Es funktioniert ganz gut, weil Arnsberg eine sehr überschaubare Stadt ist. Wir haben gute Kontakte und das läuft jenseits aller Dienstwege. Außerdem sind die Menschen sehr neugierig.

Andreas Witte: Es gibt Projekte, die rein bürgerschaftlich getragen werden. In der Regel treten die Leute an uns heran und sagen „Wir würden uns gerne beteiligen, wir haben diese und jene Idee“. Das sind Sachen, bei denen wir nicht reinreden, bei denen wir wissen, dass es funktioniert. Es entwickelt sich trefflich.

Warum gehört Kunst einfach zum Leben dazu?

Andreas Witte: Weil das Leben ohne Kunst ärmer wäre.

Peter Kleine: Die Grenzen zwischen Kunst und Leben sind ohnehin ziemlich schwierig. Aber jetzt stellen wir eine Gegenfrage: Wenn das Leben nur aus Arbeit, also Nahrungserwerb und Schlafen bestände, das wäre ja vollkommen grauenhaft, oder?

Andreas Witte: Ich habe mal irgendwo gelesen, Kunst bläst den Staub vom Alltag. Das ist ein sehr schöner Spruch, der gibt’s ziemlich wieder.

Herbert Spindler und Steffen Neumann verwandeln mit Airbrush eine Oldtimer Segelflieger in einen Weißkopf Seeadler Foto: Ted Jones

Was hat sich im Lauf der Jahre am Kunstsommer verändert?

Andreas Witte: Die Gliederung ist im Prinzip die Gleiche geblieben. Es ist ein bewährtes Gerüst, das auch trägt. Das heißt, wir haben die Workshops, wir haben einen Festivalbereich, wir haben Ausstellungen, wir haben die Projekte, das sind so die vier Säulen, auf denen der Kunstsommer fußt. Das Ganze ist größer geworden im Laufe der Zeit, gar keine Frage. Das Gerüst steht, es ändern sich teilweise die Richtungen. Im Bereich des Festivals ist es besonders spürbar. Es hat ziemlich spektakuläre Größen angenommen. Wir erreichen 1000 bis 1500 Leute. Und wir zeigen jetzt im Bereich des Festivals auch, dass wir das Ganze mit einem Augenzwinkern und mit Spaß belegen können. Das ist uns wichtig, dass nicht irgendwann der Eindruck entstände, der Kunstsommer wäre eine elitäre Veranstaltung. Der Kunstsommer muss auch in der Breite wahrnehmbar sein. Viele Leute, das merken wir, kommen dadurch ja auf den Geschmack.

Peter Kleine: Es ist keine elitäre Veranstaltung, es ist Kunstsommer. Es ist keine Sommerakademie oder ein Workshop-Kreis auf Schloss Irgendwas, sondern es ist die Idee, die Leute dazu zu animieren, selbst tätig zu werden. Das geht vom Meisterkurs, der sich vielleicht schon eher an angehende Künstler richtet, bis hin zum Kurs, in den jeder gehen und improvisieren kann.

Andreas Witte: Der Kunstsommer hatte früher den Titel „Kunst selber machen“. Beim Programm in diesem Jahr heißt es „Kunst erlebbar machen“. Wir versuchen einfach, die Kunst erlebbar zu machen: selbst etwas machen, konsumieren, Spaß haben.

Kerstin Wördehoff



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