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Kunstaktion "Restgrün" - Ein Palastbäumchen fürs Sauerland

15.08.2012 | 18:06 Uhr
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Kunstaktion "Restgrün" - Ein Palastbäumchen fürs Sauerland
Künstlerin Ulrike Mohr hat den Wildwuchs auf dem Dach des Palasts der Republik fotografisch dokumentiert.Foto: Ulrike Mohr

Arnsberg.  Ein Baum wird zum Migranten: Künstlerin Ulrike Mohr hat Wildwuchs vom Dach des Palasts der Republik in Berlin gerettet. Ein Baum ist jetzt in den Arnsberger Kunstverein emigriert.

Ulrike Mohr ist Entdeckerin und Vermesserin zugleich. Die Berliner Künstlerin erblickt, was andere übersehen - zum Beispiel auf dem riesigen Dach des Berliner Palasts der Republik. Dort hatten sich völlig unbemerkt Pflanzen selbst ausgesät, darunter fünf Bäume. Im Jahr 2005 stoppte die Künstlerin einen Tag lang die Abrissarbeiten an dem Gebäude, um die Gewächse zusammen mit den Bauarbeitern in der Aktion „Restgrün“ zu bergen.

Eines dieser Palastbäumchen soll künftig in Arnsberg eine neue Heimat finden. Das Gehölz ist Teil der Ausstellung „Public Abstraction, Private Construction“, die bis zum 16. September im Kunstverein Arnsberg zu sehen ist. Die Birke soll anschließend dauerhaft in Arnsberg Wurzeln schlagen.

Ulrike Mohr ist fasziniert davon, wie die Bäume in der von Rissen durchzogenen Dachlandschaft aus Beton, Bitumen und Teerflicken überlebt haben. „Wildwuchs ist eigentlich schwer zu verpflanzen“, schildert die gebürtige Tuttlingerin die Herausforderungen des Umsetzens. „Die Wurzeln wachsen ganz geometrisch entlang dieser Betonplatten“. Die Bäumchen wurden in der traditionsreichen Späth’schen Baumschule zwischengelagert und dann in der Ausstellung „Spekulationen“ im Skulpturenpark Berlin-Zentrum im 1:1-Maßstab wieder eingepflanzt. „Wie die Bäume auf dem Palastdach gewachsen sind: Solche Konstellationen sind für mich wichtig, das habe ich akribisch vermessen“, erläutert Ulrike Mohr. Doch auch auf der Brache am ehemaligen Mauerstreifen fanden die Gehölze kein neues Zuhause. „Der Ort wird jetzt krass zugebaut, da mussten die Bäume wieder gehen, sie hatten auch dort keinen Ort.“

"Das Gefundene ist wichtig"

Es sind urbane Situationen wie diese, für die sich die Meisterschülerabsolventin von Prof. Inge Mahn und Prof. Karin Sander interessiert. Der öffentliche Raum ist Gegenstand ihrer Aufmerksamkeit. „Ich arbeite mit dem, was ich so vorfinde, um zu zeigen, dass das Gefundene wichtig ist.“ So hat sie bereits in Weimar alle Blätter eines Baumes vernäht und dann im Herbst von einem Gerüst aus im Ganzen abgehoben. In Berlin hat Mohr 750 wildgewachsene Kiefern auf einem ehemaligen Militärgelände angepflanzt.

In Kontakt zum Kunstverein Arnsberg ist die Künstlerin durch dessen engagierten Kurator Vlado Velkov gekommen. Der hat einen Palastbaum in den Kunstverein eingeladen. „Dafür, dass der Kunstverein so klein ist, war ich doch sehr überrascht von dem Programm. Die können international mithalten“, lobt Ulrike Mohr, die 2012 Künstlerin in Residence des Schleswig-Holsteinischen Künstlerhauses Eckernförde ist.

Der Baum wird zum Migranten

Dass einer der Bäume alleine auf Wanderschaft geht, ist ein neuer Schritt in der Restgrün-Aktion. „Wichtig ist, dass man eine Skalierung vornimmt. Einer hat jetzt einen Fixpunkt in Arnsberg, dann kann man die anderen großflächig über die Landkarte verteilen“, schildert Ulrike Mohr, wie das Projekt weitergeht. Wie Natur jenseits von Normen und Regeln funktioniert, das lässt sie nicht los. „Diese riesige Dachfläche hat nie jemand zu Gesicht bekommen. Abseits von dem, was man sieht, hat sich eine Vegetation entwickelt. Der Artenreichtum in der Stadt ist größer, als man denkt. Im Moment gibt es zum Beispiel eine Initiative, auf den Dächern von öffentlichen Gebäuden, etwa Museen, Bienenvölker anzusiedeln.“

Der Baum wird also zum Migranten. Es verschlägt ihn ausgerechnet in eine Gegend, in der es so viele Bäume gibt wie Eulen in Athen. Gerade diese Situation findet Vlado Velkov spannend: „Wie in einem Märchen kommt unser Bäumchen aus einem Land, das nicht mehr existiert (DDR), findet eine neue Heimat im grünen Sauerland und bringt uns seine Geschichten mit. Nähert man sich dem Bäumchen, fängt es an zu rauschen und zu flüstern.“

Monika Willer

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