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Ausstellung im Kunstverein

„Kultur ist, was das Herz begehrt“

04.03.2016 | 08:00 Uhr
„Kultur ist, was das Herz begehrt“
Karim Wasfi, Dirigent des Irakischen Symphonieorchesters , während seines ungewöhnlichen Cello-Konzertes bei Vollmond auf einer Straße mitten in Bagdad.Foto: Vlado Velkov

Arnsberg.   Ein Mann sitzt bei Vollmond auf der Straße und spielt ­Cello – ungewöhnlich? Auf jeden Fall, vor allem, weil es eine Straße in Bagdad ist.

Bagdad, die Hauptstadt des Irak, mit der Europäer doch viel eher das Detonieren von Bomben verbinden als das Zele­brieren (klassischer) Musik...

Doch es gibt eine Kunst- und Kulturszene in der vom Krieg gezeichneten Metropole am Tigris, pulsierend und lebhaft, wie Vlado Velkov vor Ort beobachtet hat. Der Kurator des Kunstvereins Arnsberg hat sich vom 20. bis 25. Februar in Bagdad umgesehen – und ist nach seiner Rückkehr noch immer tief bewegt: „Ich bin mit dem Körper wieder hier – aber im Geiste ­weiterhin dort“, berichtet er.

Einladung des Goethe-Instituts

Doch was hat ihn bewegt, persönlich in die Krisenregion zu reisen? „Ich beschäftige mich schon seit Längerem mit der Situation der Menschen dort“, erzählt der gebürtige Bulgare über seine Beweggründe. Und als er kürzlich eine offi­zielle Einladung des Goethe-Instituts erhielt, in der irakischen Stadt einen Vortrag zu halten und sich mit jungen einheimischen Künstlern auszutauschen, zögerte er keine Sekunde. Die Freude seiner Gastgeber war mindestens genauso groß: „Darüber, dass überhaupt jemand bereit ist, sich vor Ort ein Bild von der Situation in der Kunstszene zu machen“, sagt Velkov.

„Kultur ist, was das Herz begehrt“, bringt der Arnsberger Kurator die Gefühlslage an den Ufern des Tigris auf den Punkt. Soll heißen, die Iraker lassen viel Herzblut in Malerei, Bildhauerei, Musik und Theater fließen – obwohl niemand davon leben kann. Die Menschen dort schaffen Kunstwerke und ­-erlebnisse, weil es ihnen ein tiefes Bedürfnis ist. „Ich möchte verstehen, welche Rolle Kulturelles im Leben der Menschen in Bagdad spielt“, hatte sich Vlado Velkov vor dem Einstieg in den Flieger auf die Fahnen geschrieben. Zurück im Sauerland, möchte er die Arnsberger an seinen Eindrücken teilhaben lassen – mit einer Ausstellung:

„Tag und Nacht – Positionen aus Bagdad“ ist vom 4. März bis 4. April 2016 in den Räumen des Kunstvereins, König­straße 24, zu sehen.

„Der kommende Tag“ – so der ursprüngliche Titel dieser Exposition – basiert auf Werken, Dokumenten und Gesprächen aus dem kultu­rellen Leben Bagdads. Diese Ausstellung legt den Fokus auf die Bedeutung von Kultur für Menschen und Orte in einem kriegerischen Ausnahmezustand. Vorgestellt und diskutiert werden Projekte und Ideen irakischer Künstler. Trotz existenzieller Gefahren und Sorgen, fehlender Infrastruktur und prekärer Lebensumstände arbeiten sie weiterhin aktiv, sind nicht bereit, ihre Ideale aufzugeben. Dabei nutzen sie intensiv neue Medien und soziale Netzwerke.

Außerdem haben irakische Künstler ein Händchen für Improvisation und „starke Auftritte“ – womit sich der Kreis um den Mann schließt, der bei Vollmond auf der Straße sitzt und Cello spielt: Es handelt sich um Karim Wasfi, Dirigent des Irakischen Symphonieorchesters (ja, auch das gibt es).

Er machte bereits des Öfteren international Schlagzeilen, weil er nach Terroranschlägen mitten im Bombenkrater ein spontanes ­Cello-Konzert gegeben hat – seine Art, mit dem Wahnsinn des Krieges umzugehen.

Fotografiert unter dem „wechselnden Mond“ hat ihn Vlado Velkov höchstpersönlich – ganz ohne Bomben und Granaten, denn: „Die Stadt ist sicher“, wie er erlebt hat. „Die Angst ist da – aber sie ist nicht allgegenwärtig...“, meint er.

Torsten Koch

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2016-03-04 08:00
Arnsberg