Kroate nur Gleicher unter Gleichen?

Mit Hanf-Pflanzen (Cannabis) erwirtschaftete die Bande 4,86 Millionen Euro.
Mit Hanf-Pflanzen (Cannabis) erwirtschaftete die Bande 4,86 Millionen Euro.
Foto: dpa

Hachen..  War der 47-jährige Kroate nun der Chef der Bande aus dem Raum Frankfurt, die in Mainau, Rotgau und Hachen über mehrere Jahre Outdoor-Cannabis-Plantagen betrieb oder war er, so wie er es beteuert, Gleicher unter Gleichen?

Diese Frage, die zur Klärung des Strafmaßes von Bedeutung ist, konnte auch am zweiten Verhandlungstag vor der 2. Großen Strafkammer des Landgerichtes Arnsberg noch nicht geklärt werden.

Dass der Angeklagte Mitglied einer Bande war, die im großen Stil Cannabis anbaute und hoch profitabel verkaufte, bestreitet er nicht. Er war nach dem Auffliegen der Betriebsanlage in Hachen nach Kroatien geflohen, untergetaucht und vor einigen Monaten dort aufgespürt und nach Deutschland ausgeliefert worden. Nach wie vor bestreitet er vor Gericht, der Chef der etwa zehnköpfigen Bande gewesen zu sein.

Aussagen der bereits zu meist recht hohen Freiheitsstrafen verurteilten Mittäter deuteten auf seine Führungsposition hin.

Die vom Landgericht verhängten Freiheitsstrafen für die anderen Bandenmitglieder liegen zwischen drei Jahren und sechs Monaten und neun Jahren.

Prozessfortsetzung am 22. Januar

Würde das Gericht zu dem Ergebnis kommen, dass er der Anführer gewesen ist, hätte er mit einer noch höheren Strafe zu rechnen. Der Verteidiger erklärte, dass sein Mandant damals gegen die Anmietung der Halle in Hachen gewesen sei. Dennoch wurde sie gemietet, und es wurde dort produziert. Das zeige deutlich, dass der Angeklagte nicht das Sagen gehabt habe. Jetzige Zeugenaussagen von drei Mittätern, die ihre Strafen bereits abgesessen haben, ergaben jedoch, Mike, der Angeklagte, (Name geändert) sei die Nummer eins gewesen.

Er habe die wichtigen Entscheidungen getroffen und das durch den Verkauf von 1,78 Tonnen Marihuana eingenommene Geld verteilt.

Die erwirtschafteten 4,86 Millionen Euro seien nach Abzug der Investitionskosten allerdings gleichmäßig verteilt worden. Auf die Frage des Staatsanwaltes, wo das Geld geblieben sei, antwortete der Angeklagte: „Meine Frau hat es schneller ausgegeben, als ich es heran schaffen konnte. So dann habe ich das Geld in Aktien angelegt, die den Bach runter gegangen sind.“ Danach habe er als Berufsimker gearbeitet und davon bescheiden gelebt. Nach dem bisherigen Stand der Beweisaufnahme kann man den Nachweis, dass der Angeklagte der Boss der Bande war, nicht einwandfrei belegen. Dass er in der Führungsebene anzusiedeln war, dürfte feststehen. Gericht und Staatsanwaltschaft wollen jedoch zur endgültigen Klärung noch weitere Zeugen hören. Der Prozess wird am 22. Januar fortgesetzt.