Klaus Kayser und das Jahr 1944

Erlebte Zeitgeschichte: Mit seinem Buch will Klaus Kayser zugleich einen Beitrag zur Unterstützung der
Erlebte Zeitgeschichte: Mit seinem Buch will Klaus Kayser zugleich einen Beitrag zur Unterstützung der
Foto: WP Ted Jones

Arnsberg..  Menschenwürde ist für viele zum hohlen Begriff verkommen. Nicht für Klaus Kayser. Der ehemalige (und beliebte) Leiter des Laurentianums und die treibende Kraft für die Gründung des Hospizes „Raphael“ hat sein Handeln in Beruf und Ruhestand unerschütterlich danach ausgerichtet, Menschen Selbstwertgefühl zu vermitteln und deren Würde zu bewahren. Dieser Humanismus hat seine Ursache im Jahr 1944, das der heute 88-Jährige als Schüler, Luftwaffenhelfer, Student und Soldat erlebte. Die Erinnerung daran hat er jetzt niedergeschrieben: „1944 - ein Jahr für ein Leben.“ Das Buch ist ab heute gegen eine Spende für die Hospiz-Stiftung erhältlich.

Anlass für das Niederschreiben seiner Erlebnisse in einem Jahr, das fortan sein Leben bestimmen sollte, erzählt Klaus Kayser, ist die immer wiederkehrende Frage einer seiner Töchter: „Sag, wie war das damals eigentlich, als du 17 oder 18 Jahre alt warst?“.

Ein Schwur für das ganze Leben

Und aus diesem Damals vor über 70 Jahren „ragt das Jahr 1944 in meiner Erinnerung in einer Klarheit heraus, die mich selbst erstaunt“, sagt Kayser. Weil er erst in diesem Erinnern entdeckt habe, dass 1944 etwas mit ihm passiert sei, was ihn noch heute antreibe. „Ohne dieses Jahr wäre ich auch niemals Lehrer geworden.“ Denn:

„Wir haben Schule als einen Ort erfahren, in dem Schüler als Objekte der Wissensvermittlung ohne jede Wertigkeit betrachtet wurden. Aber ein Mensch kann seinen eigenen Wert nur erfahren, wenn andere sich mit ihm beschäftigen und ihm diesen Wert vermitteln.“

So schwören sich Klaus Kayser und dessen wenig später gefallener Freund bei ihrem Abschied vor dem Einrücken zur Wehrmacht 1944: „Jugendliche sollen Schule nie mehr so erleben wie wir.“ Dieses Versprechen begleitet forthin Kaysers weiteres Leben und formt dessen Einstellung als Lehrer. Als einen Lehrer, für den Schüler einfach Menschen sind. Mit eigener Wertigkeit, mit eigenem Befinden.

Erlös für die Hopsiz-Arbeit

Dieser Humanismus ist auch Kaysers Antrieb für die Hospizarbeit. Denn wichtig sei, sagt er, „dass der Mensch auch am Ende seines Weges noch einmal die Chance hat, zu erfahren, dass sein Leben nicht umsonst, sondern wertvoll war und er so nicht das Gefühl hat, entsorgt zu werden“.

Aber: Diese gesellschaftlich bedeutsame Aufgabe könne letztlich in dieser den Menschen in den Mittelpunkt stellenden Form nur in einer von den Tagessätzen der Krankenkassen unabhängigen Einrichtung geleistet werden. Deshalb komme der Erlös aus dem von der Hospiz-Stiftung in einer Auflage von 1000 Stück herausgegebenen Buch der Hospiz-Arbeit zu.

„Zudem ist es ein Versuch, die Mitbürger in die Verantwortung für das Hospiz einzubinden, in dem sie die Bedeutung dieser Institution erkennen und so aus spontaner Unterstützung ein festes Bedürfnis wird.“ Man wolle jedoch nicht betteln, sondern aufrütteln. „Und wir sind dankbar für jede Hilfe.“

Das Buch, an dem Michael Gosmann und Theo Hirnstein mitgewirkt haben und das Kaysers Innerstes nach außen kehrt, ist im CAB-Bücherstudio, in der Buchhandlung Houtermans und im Stadtarchiv erhältlich. Nicht für einen Festpreis, sondern gegen eine Spende, deren Höhe ein jeder selbst festlegen kann. Per Überweisung

Info

Klaus Kayser war von 1972 bis 1990 Leiter des Gymnasiums Laurentianum.

Nach Eintritt in den Ruhestand baute er auf Bitten der kath. Kirche als Gründungsdirektor in Magdeburg das Norbertus-Gymnasium auf.

Hier entstand nach der Wende - Neuland in der ehemaligen DDR - eine „andere“ Schule ohne negative Werteerfahrung und mit differenzierter, aber gerechter Notengebung.

Nach der Rückkehr aus Magdeburg war „Mister Hospiz“ die treibende Kraft zur Hospizgründung 1998, von 2008 bis 2013 fungierte er als schier unermüdlicher Vorsitzender der Hospizstiftung.