Kinder drehen mit Hilfe die großen Räder

Arnsberg..  Räder in allen möglichen Größen und Farben rollen durch die Halle. Kleine und große Kinder springen durch die Gegend, schwingen an einem Trapez oder rollen in überdimensionalen Hamsterrädern hin und her. Angst kennen sie nicht. Die Rhönrad-Zwerge des TV Arnsberg vertrauen beim Training in der Rundturnhalle ihren selbst noch jugendlichen Trainerinnen blind.

Seit 1988 wird nun schon im TV Arnsberg Rhönrad geturnt. Die Nachfrage steigt immer noch stetig an. Es kommen regelmäßig sehr junge Neueinsteiger hinzu. „Es ist leichter, wenn man früh mit dem Turnen anfängt“, bestätigt die 17-jährige Turnerin und Trainerhelferin Franziska Bierbaum, „aber es kommt auch auf die Motivation und das Können des Turners an“.

Einstieg im Grundschulalter

Angeboten wird Rhönradturnen beim TVA schon ab dem Grundschulalter. Früher anzufangen, so Trainerin Brigitte Jakobi, sei eher schwierig. „Die Kinder sollten gewisse koordinative Fähigkeiten besitzen“, sagt sie. Sie sollten Rechts und Links voneinander unterscheiden können und zumindest schon einmal eine Rolle vorwärts machen können. „Auch ein bisschen Balancieren ist wichtig“, so Jakobi.

Da der Rhönradabteilung des TV Arnsberg in der Anfängergruppe bis zu 30 Turner und Turnerinnen angehören, werden Brigitte und TVA-Vorsitzender Udo Jakobi von insgesamt acht Trainerhelferinen unterstützt. Junge Mädchen, selber aktive Turnerinnen im Alter von 16 bis 18 Jahren und ausgebildet zum Trainerassistenten.

Diese Ausbildung haben die acht Mädchen an zwei Wochenenden in verschiedenen Orten des Sauerlandes gemacht und erfolgreich mit einer Prüfung abgeschlossen. „Die Ausbildung hat Spaß gemacht, man hat viele neue Leute kennen- und viel Neues dazu gelernt!“, erzählt Miriam Dückers.

Neben ihrer Aufgabe als Trainerhelferinnen turnen sie in ihrer Freizeit zweimal die Woche in einer fortgeschrittenen Gruppe. Mehrmals im Jahr nehmen sie auch an verschiedenen Wettkämpfen teil. Sie sind somit auch die Vorbilder der kleinen Neulinge.

Sobald ein Neueinsteiger zu der Gruppe stößt, wird er individuell an das Rhönrad herangeführt und trainiert. Genau das ist das Besondere am Rhönradturnen: Jeder Turner braucht unbedingt einen eigenen Trainer, eine eigene Vertrauensperson. Somit sind jedem Trainer oder Trainerhelfer maximal bis zu vier Kinder zugeordnet, um die er sich in der vorgegebenen Trainingszeit kümmern muss. Dadurch stehen jedem Rhönrad-Kind ungefähr 20 Minuten gesonderte Turnzeit zu. Den Rest der Trainingszeit haben sie die Möglichkeit, an anderen Geräten wie Reck, Barren oder Trapez zu üben. Was im drehenden Rad noch nicht klappt, kann hier probiert werden.

Vertrauen schafft Sicherheit

„Vertrauen ist das A und O beim Rhönradturnen. Ohne Vertrauen der Kinder zum Trainer besteht eine gewisse Unsicherheit“, erklärt Simone Gerdes. Auch sie ist eine der Trainerhelferinnen. „Das Kind muss sich ja drauf verlassen können, dass wirklich jemand da ist, der ihm hilft“, fügt die 16-jährige Miriam Dückers hinzu. Erst dann habe das Kind auch den Mut, neue und schwierigere Übungen auszuprobieren. „Wenn ein Kind mir vertraut, sind wir schon ein Stück näher am Ziel“, so Simone.

Vertrauen braucht Verlässlichkeit. Deshalb turnt jede Trainerhelferin in der Regel immer mit den gleichen Kindern. Denn nur der Trainer weiß, was sein kleiner Turner schon kann, wo er noch Hilfe braucht und was er ihm im Rad zutrauen kann. Das Vertrauen bauen die jungen Trainerinnen Stück für Stück auf. Miriam sagt „ihren“ Kindern schon vor einer neuen Übung, wie genau sie helfen wird, damit sie schon im Voraus wissen, dass da jemand ist, der auf sie aufpasst.

So wächst Selbstbewusstsein und Sicherheit. Gute Voraussetzungen dafür, dass Kinder beim TV Arnsberg schon früh lernen, das ganz große Rad zu drehen.