Kaum jemand dreht noch am Zeiger

Diese junge Dame hat schon richtig gedreht und schläft den Schlaf der Gerechten. Doch gerade sensiblen Menschen und Kindern macht die Zeitumstellung oft tagelang zu schaffen.Foto:dpa
Diese junge Dame hat schon richtig gedreht und schläft den Schlaf der Gerechten. Doch gerade sensiblen Menschen und Kindern macht die Zeitumstellung oft tagelang zu schaffen.Foto:dpa
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Arnsberg..  Der eine ignoriert sie, den anderen macht sie krank, kaum jemand findet sie sinnvoll – und alle sind tagelang müde. Die jährliche Umstellung auf Sommerzeit ist in Arnsberg zwar gut organisiert und sorgt fast nirgendwo mehr für viel Aufwand, doch bei der Mehrzahl der Bürger kommt der Dreh mit der Stunde schlecht weg. Wir haben uns im Stadtgebiet umgehört – frei nach Paulchen Panther: „Wer hat an der Uhr gedreht...?“

Bei der Stadtverwaltung geht die Umstellung niemandem auf den Zeiger: „Kein nennenswerter Aufwand“, sagt Stefanie Schnura auf Anfrage – und ergänzt, „auch bei den Stadtwerken nicht.“ Warum?

Der kommunale Versorger betreibt im Versorgungsnetz ein komplexes Fernwirksystem zur Überwachung diverser technischer Anlagen: Trink-/Abwasserpumpwerke, Druckerhöhungs-/Druckminderungsstationen, Hochbehälter und Anlagen zur Wasser­gewinnung. Mit Datenfernübertragung werden Fehler- und Statusmeldungen einzelner Bauteile sekundengenau zur Zentrale übermittelt. Für diese Steuerungstechnik ist zwar die Anpassung der Zeit notwendig – das geschieht jedoch vollautomatisch. Und somit falle auch dort kein Aufwand an, so die Stadtsprecherin weiter.

Der Stundenklau lässt sich auch einfach ignorieren! „Unsere Busse fahren in der Nacht zum Sonntag nach ,alter’ Zeit“, erklärt Annette Zurmühl von der Regionalverkehr Ruhr-Lippe GmbH (RLG).

Für die Fahrgäste der Nacht-Bus-Linien in den Kreisen Hochsauerland und Soest sei die Zeitum­stellung kein Problem, so die Verkehrsmanagerin weiter, „sie ­müssen nur wissen, dass alle Nacht-Busse nach Winterzeit fahren und die Zeitumstellung in dieser Nacht nicht berücksichtigt wird.“ Danach gilt natürlich auch bei der RLG die Sommerzeit.

Langzeitanalyse

Dass diese sogar krank machen kann, zeigt eine von der Krankenkasse DAK in Auftrag gegebene Langzeitanalyse. Was sich beim „Stundenklau“ im Menschen abspielt, schildert der Neheimer Mediziner Dr. med. Manfred Max Hummel: „Das Gehirn hat sehr stabile Rhythmen – und eine Stunde vor oder zurück verändert alle körperlichen Funktionen, beeinflusst die Hormonproduktion, vor allem das Schlafhormon Melatonin.“ Gerade sensiblen Menschen mache die Zeitumstellung darum zu ­schaffen, sorge für Stimmungsschwankungen, so der Chefarzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Klinikum Arnsberg. Aber die Natur richte es – einige Tage und Körper sowie Geist haben sich wieder eingespielt.

Letzteres Phänomen bestätigen die meisten Arnsberger, die wir zum Thema Sommerzeit befragt haben (einige Stimmen rechts) – aber begeistert vom Drehen an der Uhr ist kaum jemand.