Kalligraphie: Das Schreiben für die Ewigkeit

Kalligraphin Susanne Ulmke aus Voßwinkel bietet bei der Arbeit
Kalligraphin Susanne Ulmke aus Voßwinkel bietet bei der Arbeit
Foto: WP Ted Jones

Voßwinkel..  Die Halbwertzeiten, in denen SMS-Schriftzeichen noch Bedeutung haben, liegen mittlerweile im Minuten bzw.- Sekundenbereich. Bei Kalligraphie (wörtlich: Die Kunst des schönes Schreibens) gilt eine ganz andere Zeitrechnung. Hier wird für Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte und manchmal sogar für die Ewigkeit geschrieben, wenn man sich alte Evangeliare anschaut.

Wer die Voßwinkeler Kalligraphin Susanne Ulmke besucht, geht auf Zeitreise. Im passenden Ambiente eines alten Häuschen - akustisch untermalt von sanfter klassischer Musik - greift die 47-Jährige zum Federhalter und schreibt Buchstaben in alter Schrift wie zum Beispiel Textur oder Fraktur. „Dafür muss man sich Zeit nehmen. Man kommt zur Ruhe und findet wunderbare Entspannung“, schwärmt Susanne Ulmke, die sich seit 15 Jahren intensiv mit Kalligraphie befasst und im Jahr 2000 die Internet-Domain www. kalligraphie.de erwarb.

Das Interesse an Handschriften entstand bereits als Jugendliche, als sie ihre Unterschrift für Dokumente, Verträge etc. erprobte. Doch ihr heutiger Schriftzug ist von Kalligraphie weit entfernt. „Für die Unterschrift wäre Kalligraphie unpraktisch. Das würde viel zu lange dauern“, lächelt sie und zeigt auf kalligraphische Arbeiten.

Humorvolle Sinnsprüche

Im Lauf der Jahre hat sie manche Sinnsprüche in schöner Schrift gestaltet, wobei ihr hintergründiger Humor zu spüren ist. So findet man vor einer gemalten Gebirgslandschaft den Spruch „Mehr als ein Sauerländer kann der Mensch kaum werden“ oder ein Zitat von Konrad Adenauer: „Nehmen Sie die Menschen, wie sie sind, andere gibt’s nicht.“ Ulmkes kalligraphischen Schiftzüge findet man seit etwa zehn Jahren auch im Goldenen Buch der Stadt Arnsberg. Hier hat sie den Aufenthalt und auch die Ehrung von manchen Prominenten in schönen Lettern dokumentiert, neben denen sich die Gäste per Unterschrift verewigten. So beschrieb Ulmke u. a. den Aufenthalt von Angela Merkel, Oleg Popow, den beiden Botschaftern aus Großbritannien und den USA, aber auch von Helena Fromm und allen Arnsberger Schützenkönigspaaren.

„Verschreiben darf man sich nicht“, lächelt Susanne Ulmke und ist froh, dass sie bisher noch nie bei den aufwändigen kalligraphischen Arbeiten die Buchstaben vertauscht hat. Ein Ausradieren von Tusche oder Tinte wäre auch nicht möglich.

Die Voßwinkelerin schreibt auch für Privatpersonen, zum Beispiel Hochzeitseinladungen. Eine ihrer aufwändigsten Arbeiten war bisher die Nachbildung eines uralten Notenblatts, das sich im Kloster Wedinghausen befand.

HINTERGRUND

VHS bietet Kalligraphie-Kursus an

Die Volkshochschule Arnsberg/Sundern veranstaltet am Dienstag, 10. Februar, von 18 bis 21 Uhr im Neheimer VHS-Gebäude Möhnepark, Werler Str. 2a, einen Kalligraphie-Kursus mit Susanne Ulmke. Der Kurs umfasst einen Abend. Es sind noch Plätze frei.

Kalligraphisch aufwändig gestaltete Ulmke auch schon ein Stammbuch für eine heimische Familie oder ein Wegekreuz in Rumbeck.

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE