Kämpfen für Erhalt des Status quo

Die Theodor-Heuss-Hauptschule in Arnsberg läuft in dreieinhalb Jahren aus. Deshalb halten Eltern und Lehrer einen möglichen Umzug nach Hüsten für nicht mehr angebracht.
Die Theodor-Heuss-Hauptschule in Arnsberg läuft in dreieinhalb Jahren aus. Deshalb halten Eltern und Lehrer einen möglichen Umzug nach Hüsten für nicht mehr angebracht.
Foto: WP Ted Jones

Arnsberg..  Theodor-Heuss-Schule (THS) und Realschule am Eichholz machen mobil: Lehrer und Eltern befürchten angesichts des Raumbedarfs der Sekundarschule nun ein teures und für sie unsinniges Umzugs- und Umbaukarussell, bei dem Schülerbetreuung und pädagogische Konzepte auf der Strecke bleiben. Trotz der Zusicherung des Rates, dass beide Schulen bis zu deren Auslaufen an ihren Standorten im bewährten Rahmen weiter arbeiten könnten (wir berichteten). Ab Montag soll mit einer Unterschriftenaktion die Bevölkerung aufgerüttelt werden.

Anlass gab ein Besuch von Vertretern der Mehrheitsfraktion CDU/Grüne, die in beiden Schulen getrennte Gespräche mit Schulleitungen, Lehrerräten und Elternvertretungen geführt hatten. Thema: ein möglicher Umzug der THS in die Petri-Schule Hüsten, der Realschule in die Räume der THS und die Nutzung der Realschule durch die Sekundarschule. „Doch wir haben den Eindruck,“ fasst Michael Grünke als Vorsitzender der THS-Schulpflegschaft zusammen, „dass es sich nur um Scheingespräche gehandelt hat, die Würfel aber wieder einmal längst gefallen sind. Auch wenn CDU/Grüne uns versichert haben, dass es sich nur um eine von mehreren Optionen handele.“

Pädagogische Arbeit würde leiden

Aber eine solche Lösung würde die gute pädagogische und sozialpädagogische Arbeit an der THS konterkarieren, „die seit vielen Jahren mit einer Vermittlungsquote bei Schulabgängern in Lehrberufe von bis zu 95 Prozent und intensiver Praktikumsbetreuung glänzt“. Was nur durch die engen Kontakte zu den Betrieben vor Ort und die kurzen Wege dorthin möglich sei. „Das jedoch bricht bei einem Umzug nach Hüsten völlig weg.“ Man habe zudem errechnet, dass bei einem Wechsel nach Hüsten pro Schuljahr rund 50 000 Euro allein für Fahrtkosten der derzeit 120 Schüler anfallen würden. „Von den erforderlichen baulichen Investitionen ganz zu schweigen.“

Die THS wurde erst 2007 aufwändig umgebaut und mit einer Mensa versehen, um dort Ganztag und inklusiven Unterricht zu ermöglichen. So verfüge jedes Klassenzimmer über einen separaten Nebenraum zur gezielten Förderung einzelner Kinder. „Hier steht die Inklusion nicht nur auf dem Papier, sondern sie wird gelebt.“

Genau dies, so Grünke, sei ohne Umbau der Petri-Schule und Bau einer Mensa in Hüsten nicht zu leisten. Wolle man die Verhältnisse dort anpassen, müsse die klamme Stadt mächtig investieren. Was vor dem Steuerzahler eigentlich nicht zu verantworten sei, laufe doch die THS in dreieinhalb Jahren aus.

Bürgermeister-Wort einfordern

Thomas Mono, Schulleiter der Realschule am Eichholz, möchte sich zwar nicht anmaßen, zu behaupten, dass bewusst Scheingespräche geführt wurden, „doch wir haben den Eindruck, dass man möglicherweise einen Keil zwischen uns und Theodor-Heuss-Schule treiben wollte. Denn man hat uns - praktisch als Zuckerstückchen - die dauerhafte Standortgarantie bei einem Umzug in die THS bis zum Auslaufen unserer Schule angeboten.“ Darauf habe man sich nicht eingelassen. „Wir haben vielmehr deutlich gemacht, dass wir an unserem Standort bleiben möchten. Und wir werden mit der THS an einem Strang ziehen.“

Dabei, sagt Grünke, hätten THS und Realschule der Verwaltung bereits im Dezember einen vernünftigen Vorschlag vorgelegt, um das Raumproblem der Sekundarschule im Sinne aller zu regeln. Nämlich u.a. den leer stehenden Anbauflügel der THS mit einer Wand abzutrennen und damit acht separate Klassen für die Sekundarschule zu schaffen sowie durch Umorganisation den Raumbedarf der Realschule zu reduzieren. Zumal dort ohnehin jetzt jedes Jahr die 10er Klassen ausscheiden und damit Räume freimachen würden.

„So aber bleibt der Eindruck, dass die Politik die vernünftige Einführung der Sekundarschule versäumt hat. Nach dem Motto: Erst mal machen und dann schauen, was passiert.“ Deshalb werde man jetzt um den Status quo kämpfen. „Schließlich hat uns Bürgermeister Vogel seinerzeit zugesagt, die hohen Qualitätsstandards bis zum Auslaufen der Schule zu erhalten. Das fordern wir jetzt ein.“

Und weil in beiden Schulen befürchtet wird, dass viele Ratsmitglieder nur gefilterte Informationen erhalten, sagen Michael Grünke und Thomas Mono, „haben wir alle persönlich angeschrieben, um ihnen den Sachverhalt zu erläutern. Weil wir den Schülern ihre Heimat für diese nur noch kurze Zeit erhalten wollen.“

Stadt erarbeitet Vorschläge

Laut Stadtverwaltung, ergab eine Anfrage unserer Zeitung, gibt es bislang noch keine konkreten Vorschläge für die Lösung der Raumprobleme der Sekundarschule Arnsberg. Derzeit würden verschiedene Alternativen erarbeitet, die dann später den politischen Gremien vorgelegt würden. Wichtig sei dabei, auslaufenden wie aufsteigenden Schulen vernünftiges Arbeiten zu ermöglichen.