Studium
Justiz-Alltag in Arnsberg hautnah
09.02.2010 | 11:36 Uhr 2010-02-09T11:36:00+0100
Arnsberg. Großer Andrang vor dem Landgericht: 130 junge Männer und Frauen stehen vor der Eingangstür und warten – zum Teil seit gut einer Stunde. Jeder muss einzeln durch die Sicherheitsschleuse. Aber es ist kein spektakulärer Prozess, der die Bochumer Jura-Studenten nach Arnsberg lockt.
Es ist die Auftaktveranstaltung zum Projekt „praktische Studienzeit”, das ein bisschen Abwechslung in das Büffeln der immer gleichen Gesetzestexte bringen soll.
Dabei ist das Jura-Studium gar nicht so trocken wie sein Ruf. „Ach, das kommt auch auf den Professor an”, sagt Demet, die im dritten Semester studiert. „Und manche Studenten interessieren sich für bestimmte Teilgebiete eben mehr als andere.” Daniel sieht das ähnlich. „Auch in der Rechtswissenschaft gibt es ja unterschiedliche Meinungen”, sagt er. „Und das Gelernte anzuwenden macht das Studium aus”, ergänzt Josip.
Warum sich die jungen Männer und Frauen trotzdem für das Arnsberger Projekt entscheiden? „So einen praxisorientierten Praktikumsplatz bekommt man sonst erst, wenn man nach dem Studium ins Referendariat geht”, sagt Josip, der im zweiten Semester studiert. Deshalb habe er nicht lange überlegt, als das Projekt an der Uni vorgestellt wurde.
Besuche verschiedener Verhandlungen
In Kooperation mit der Justizvollzugsanstalt Werl wollen Gericht und Uni ihm und den anderen Studenten einen Einblick in die praktische Arbeit gewähren. So stehen in den kommenden sechs Wochen unter anderem Besuche der JVA und verschiedener Verhandlungen in Amts- und Landgericht auf dem Programm.
Von der großen Nachfrage war Peter Marchlewski, Sprecher des Landgerichts Arnsberg, vollkommen überrascht. „Damit haben wir überhaupt nicht gerechnet”, sagt er. Im vergangenen Jahr, als das Projekt startete, habe es 54 Anmeldungen gegeben. Diesmal sind es mehr als doppelt so viele. Dank akribischer Organisation habe man niemandem absagen müssen.
Mit dem Projekt soll den angehenden Juristen unter anderem das Sauerland als Arbeitsstätte schmackhaft gemacht werden. „Wir haben in der ländlichen Region erhebliche Schwierigkeiten, junge Akademiker zu gewinnen”, sagt Peter Marchlewski.
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