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Jungem Opfer das Handy abgezogen

19.02.2013 | 14:00 Uhr

Arnsberg. Aufgrund seines jungen Alters – zur Tatzeit war er 19 Jahre – und des naiven Vorgehens bei der „Abzocke“ eines 15-jährigen Bekannten, hätte man annehmen können, dass der Angeklagte aus Arnsberg sich die Folgen seiner Tat hatte nicht ausmalen können. Doch hier war es anders, denn der junge Mann hatte sich bereits dreimal wegen gleich gelagerter Straftaten vor Gericht verantworten müssen. Die letzte der insgesamt fünf Vorstrafen führte dann zu einer 18-monatigen Haft zur Bewährung, die nun, nachdem er abermals straffällig geworden war, widerrufen wurde.

Angeklagt vor dem Jugendschöffengericht war der aus der Untersuchungshaft vorgeführte Heranwachsende wegen Raubes. Gemeinsam mit einem zunächst unbekannten Mittäter hatte er den 15-Jährigen aus dem Jugendbegegnungszentrum Liebfrauen herausgelockt, um ihm sein teures Handy abzunehmen. Da dieser es freiwillig nicht herausrücken wollte, drohte man, ihm „eine aufs Maul zu hauen“. Als das keine Wirkung zeigte hielt einer der beiden die Hände des Opfers fest, während der andere ihm das Handy aus der Hosentasche zog.

Das Handy wurde dann verkauft, wie man vor Gericht angab, denn ohne Einkommen ist es schwer, Haschischportionen zu finanzieren. Um seine Schuld her­unter zu spielen, tischte der Angeklagte dem Gericht jedoch eine Geschichte auf, die nicht nur der Vorsitzende Richter, sondern auch dessen eigener Verteidiger nicht glaubte.

Er, sein bis dahin noch unbekannter Mittäter und der 15-Jährige wollten danach das 300 Euro teure Handy verkaufen und den Besitzer großzügig am Gewinn beteiligen. Außerdem sei nach dem „Abziehen“ der Vater des Geschädigten hinter ihnen her gewesen, habe sie mit einem Messer bedroht, so dass sie sich aus Angst vor ihm tagelang versteckt hätten.

Der 15-jährige Geschädigte aus Niedereimer stellte jedoch die Sache glaubhaft etwas anders dar. Danach räumte der Angeklagte den Vorwurf der Staatsanwaltschaft ein und benannte sogar aus freien Stücken seinen Mittäter. Gegen diesen wird nun in naher Zukunft ein Verfahren eingeleitet.

Die Staatsanwältin beantragte für das „Abzocken“, das einen Raub verwirklicht, zusammen mit der widerrufenen Bewährungs-Freiheitsstrafe von 18 Monaten eine Gesamtstrafe von jetzt 34 Monaten. Dem widersprach der Verteidiger, der eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten für ausreichend ansah. Die Gewaltanwendung beim „Abziehen des Opfers, auch wenn die Tat nicht verharmlost werden soll, ist am untersten Ende“. Sein Mandant sei reumütig und von der Untersuchungshaft schwer beeindruckt.

Alle sollten sich jedoch vor Augen halten, dass das besonders von jungen Leuten häufig praktizierte Abzocken einen Raub oder vielfach sogar einen schweren Raub darstelle: „Man sitzt nach solchem Vorgehen mit einem Bein im Knast,“ so der Verteidiger.

Das Jugendschöffengericht verurteilte den Angeklagten schließlich zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten, wobei man den Heranwachsenden als Jugendlichen behandelte. Der 15-jährige Schüler sei auf offener Straße ausgeraubt worden. Der Verurteilte könne die Zeit in der Haft zu einem Schulabschluss nutzen. Es ergingen zudem zwei Gerichtsbeschlüsse: Der Haftbefehl des Amtsgerichtes Arnsberg bleibt aufrecht erhalten und dem Verurteilten wird eine Speichelprobe zur Feststellung seiner DNA entnommen -- zwecks Speicherung beim Bundeskriminalamt.

Klaus Lindner

Kommentare
19.02.2013
19:16
Jungem Opfer das Handy abgezogen
von dasgibsdochgarnich | #2

Es ist schon verwunderlich, dass ein gegenüber Intensivtätern so viel MIlde gezeigt wird. Ach ja, ich vergaß, schlechte Gesellschaft, böse Eltern,...
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Jungem Opfer das Handy abgezogen
Jungem Opfer das Handy abgezogen
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2013-02-19 14:00
Arnsberg