Iserlohner Firmenchef Edelhoff rät Mitarbeitern zur FDP-Wahl

Was wir bereits wissen
Ein persönlicher Brief von Entsorgungsunternehmer Gustav Dieter Edelhoff stößt bitter auf. In dem Schreiben empfiehlt der 74-Jährige seinen Mitarbeitern, bei der NRW-Landtagswahl am kommenden Sonntag die FDP zu wählen. Die Gewerkschaft Verdi kritisiert die Aktion.

Iserlohn/Arnsberg.. „Hast du den Brief auch gekriegt?“ Gerald-Juergen Grabowski hat einen Kollegen an der Strippe. „Du meinst, wo drin steht, dass wir jetzt alle FDP wählen ­sollen?“, schallt es über Lautsprecher vom anderen Ende der Leitung zurück. „Genau den; also ist es definitiv kein Einzelfall“, grinst Grabowski und beendet das kurze Telefongespräch.

„Den Brief“ hat der Arnsberger bei seinem Besuch in der Redaktion gleich mitgebracht und wütend auf den Tisch geknallt: „Der war Samstag in der Post, in einem weißen, neutralen Umschlag." Absender ist Gustav Dieter Edelhoff, erfolgreicher Unternehmer aus der Entsorgungsbranche und seit etwa 15 Jahren Grabowskis Arbeitgeber. Trotzdem möchte sich der in der Arnsberger Nieder­lassung der „Lobbe Holding GmbH“ tätige Mitarbeiter von ­seinem Chef nicht bevormunden ­lassen, schon gar nicht, wenn es um Politik geht.

Empfehlung auf zwei DIN-A-4-Seiten

Doch genau diesen Eindruck erweckt aus seiner Sicht das auf zwei DIN-A-4-Seiten verschickte Schreiben: „Wettbewerb, Erfindungsreichtum, Wachstum, Wohlstand. Für mich gibt es in Deutschland mit der FDP nur noch diese eine Partei, die das als Kausalkette für das Funktionieren unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystems klar erkennt“, teilt der 74-Jährige Firmenchef seiner Belegschaft mit. Und nach der persönlichen Anrede „Sehr geehrter Herr Gra­bowski“ wird der Adressat gleich zum Einstieg daran erinnert, dass Nordrhein-Westfalen am 13. Mai 2012 einen neuen Landtag wählt. Doch Grabowski fühlt sich nicht geehrt, sondern eher genervt: „Wen ich wähle, ist schließlich einzig und allein meine Sache.“

Das meint auch Gerd Stodollick von Verdi in Meschede. Der Gewerkschaft liegt eine Kopie des Briefes vor, den nach ihrem Kenntnisstand alle Lobbe-Mitarbeiter erhalten haben. „Von Arbeitnehmern wird verlangt, dass sie sich in ihren Betrieben neutral verhalten und sich nicht politisch betätigen“, stellt der Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Hellweg-Hochsauerland fest, „doch dieser Grundsatz sollte auch von Arbeitgebern ­befolgt werden.“

Gewerkschaft Verdi bekommt Fett weg

Die Gewerkschaft bekommt im Schreiben an die Lobbe-Mitarbeiter auch ihr Fett weg: Verdi habe sich mit SPD und Linken gegen die privaten Entsorgungsunternehmen verbündet, denn das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz sorge dafür, dass kommunale Unternehmen sich mit unfairen Mitteln ­immer mehr ins Geschäft drängen - „und die CDU schaut dabei zu“, schreibt Edelhoff.

Nur zuschauen wird auch Verdi, denn etwas Ungesetzliches habe Edelhoff mit dem Verfassen seines Briefes nicht getan, räumt Gerd Stodollick ein. „Und die Wahl am Sonntag ist ja Gott sei Dank geheim“, sagt der Gewerkschafter. Der Versuch, Mitarbeiter in ihrer Wahlentscheidung zu beein­flussen, zeuge allerdings nicht gerade von einem guten Verhältnis zur Belegschaft, meint der Verdi-Bezirksgeschäftsführer.

Schreiben aus Sorge um Branche verfasst

Doch den Vorwurf der Einflussnahme weist der Senior-Chef, derzeit auf einer Messe in München, vehement zurück: „Wer meinen Brief neutral liest, wird feststellen, dass ich in großer Sorge um unsere Branche bin“, erklärte Gustav Dieter Edelhoff. Aus dieser Intention heraus habe er das Schreiben an seine Mitarbeiter verfasst: „Ich bin tief eingebunden in das Geschehen, und derzeit gewinnt man, etwas überspitzt formuliert, den Eindruck, man will uns vernichten.“ Daher habe er seine Belegschaft in schriftlicher Form informieren müssen - aus unternehmerischer Verantwortung heraus.

Andere Unternehmen sollten gleichen Mut haben

„Ich will meinen Mitarbeitern ihre politische Verantwortung nicht abnehmen“, stellt der Iserlohner klar, „aber ich habe die verdammte Pflicht, sie darüber zu informieren, in welcher Gefahr sich unser Unternehmen und die gesamte private Entsorgungswirtschaft befinden - es geht dabei um Sein oder Nichtsein.“ Er hoffe nur, dass andere Unternehmer aus seiner Branche den gleichen Mut aufbringen.