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Im Einsatz für Opfer des Erdbebens

26.01.2010 | 05:00 Uhr

Hüsten. Nach sieben Tagen Einsatz im Erdbebengebiet Haiti ist am Wochenende Nicole Feldmann nach Hüsten zurückgekehrt. Ehrenamtlich hatte sie eine Einsatzgruppe von ISAR Deutschland begleitet, die mit Rettungshunden nach Verschütteten suchte.

Suche nach von Verschütteten

Seit Jahren schon hatte sich Nicole Feldmann auf diesen Moment vorbereitet. Hatte mit ihrem Hund „Anton”, einem neunjährigen Mischling, immer und immer wieder auf dem Gelände der Rettungshundestaffel in Wesel geübt. Hatte sich schulen lassen, um mit einem Spezialhorchgerät die genaue Ortung von Menschen unter Trümmern vornehmen zu können.

Und dann kam dieser Anruf, den sie erst gar nicht glauben wollte. „Wir haben eine Voralarmierung. Mach dich bereit für den Flug nach Haiti”, teilte ein Kollege Nicole Feldmann am Tag nach dem verheerenden Beben in Haiti mit. Zusammen mit zwei weiteren Kollegen des Bundesverbandes Rettungshunde sollte sie das Team von ISAR Deutschland unterstützen. ISAR steht für International Search And Rescue, eine internationale Organisation zum Retten und Bergen von Opfern. Profis, die schon in vielen Katastrophengebieten auf der ganzen Welt im Einsatz waren.

Erster Auslandseinsatz

Anders als Nicole Feldmann, für die es der erste Auslandseinsatz war. Zwar war sie auch schon einige Male in Deutschland bei Unglücken im Einsatz — so bei der Suche nach vermissten Demenzkranken oder Kindern. Denn dafür ist ihr Hund „Anton” ausgebildet. Auch bei einer Gasexplosion in Mönchengladbach war sie mit ihm in den Trümmern des Hauses und konnte so einen Verschütteten entdecken und befreien lassen.

Aber jetzt Haiti. Schreckliche Bilder liefen seit Stunden in den Nachrichten. „Und da willst du wirklich hin?”, sprachen Bekannte Nicole Feldmann an. „Das war nicht gerade motivierend”, sagt sie heute. Dennoch gelang es ihr, die zweifelnden Gedanken beiseite zu schieben und sich auf ihren Einsatz vorzubereiten.

In der Hauptstadt wurde es schlimm

Nach dem Flug von Frankfurt in die Dominikanische Republik ging es über Land in die Hauptstadt Port-au-Prince. Unterwegs sahen sie die ersten umgestürzten Mauern und beschädigten Häuser. „Doch erst in der Hauptstadt selbst wurde es unheimlich schlimm”, schildert Nicole Feldmann. Immer wieder verletzte und getötete Menschen, Tausende, die auf der Straße lebten und auf dem schmalen Grünstreifen zwischen den Fahrbahnen der Stadt sich ein Lager eingerichtet hatten.

Vom Basiscamp nahe dem Flughafen brach das ISAR-Team mit Nicole Feldmann auf in die ihnen zugeordneten Einsatzgebiete. Begleitet wurden sie dabei aus Sicherheitsgründen von UN-Soldaten. „Normalerweise ist man wegen der großen Hitze eher nachts im Einsatz, dann können die Hunde auch besser arbeiten”, weiß Nicole Feldmann. Doch die Sicherheitslage in Haiti, wo Kriminelle auch Helfer angegriffen hatte, ließ das nicht zu. Es konnte nur tagsüber gearbeitet werden. Nicole Feldmann selbst hat jedoch die Bewohner trotz der Ausnahmesituation sehr positiv erlebt. „Sie bedankten sich für unsere Arbeit und halfen mit, wenn es ging.”

Kein Lebendfund

„Am ersten Tag suchten wir an einer Schule, aus der man glaubte, noch Rufe gehört zu haben.” Tatsächlich schlug einer der Hunde an. Doch es war ein Irrtum. „Wir konnten keinen Lebendfund mehr machen”, berichtet Nicole Feldmann betrübt. Auch bei den weiteren Einsätzen konnte niemand mehr lebend geborgen werden.

Allerdings: Vergeblich war der Einsatz nicht. Das ISAR-Team hatte zahlreiche Medikamente bei sich, auch Ärzte gehörten zu der Mannschaft und so wurden immer wieder Verletzte verbunden, es wurde operiert und amputiert.

Schreckliche Bilder im Kopf

„Bei all dem Leid und Elend, das ich dort gesehen habe. überwog doch die Gewissheit, dass wir helfen konnten”, erklärt Nicole Feldmann, wie sie während der Arbeit auf Haiti mit den belastenden Situationen zurecht gekommen ist. „Klar ist aber auch: Die Bilder sind im Kopf. Und sie kommen jetzt, wo ich wieder hier bin, stärker zurück.”

Dennoch ist es für die Hüstenerin keine Frage. Sollte wieder eine Einsatzanfrage kommen — Nicole Feldmann wäre wieder dabei.

Heinz Krischer

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