Ideen aus der Fachschule für die Betriebe
08.02.2012 | 10:26 Uhr 2012-02-08T10:26:00+0100
Hüsten.Eine Projekt-Kooperation der Fachschule für Technik am Berufskolleg am Berliner Platz in Hüsten mit heimischen Unternehmen wird für beide Seiten zu einer „win-win“-Situation. Schüler und Betriebe profitieren vom Wissenstransfer.
Es sind keine Anfänger, denen die Praxis-Aufgaben aus der Wirtschaft gestellt werden. Wer die Fachschule für Technik besucht, hat den Gesellenbrief in einem technisch-gewerblichen Beruf längst in der Tasche und muss darüber hinaus mindestens ein Jahr in seinem Job gearbeitet haben. „Wir sind also schon vom Fach“, sagt Fachschüler Eduard Neufeld.
Der Mescheder bildete zusammen mit André Frenzel (Müschede), Michael Lohberg (Alt-Arnsberg), Mario Pires Gil (Neheim) und Frank Wistuba (Rumbeck) eine Projektgruppe. Ihr Auftraggeber war die Firma Athmer OHG. Die gehört zur Müscheder Cronenberg-Unternehmensgruppe JCS und produziert Dichtungssysteme und Schließkantensicherungen für Türen und Tore. Die Aufgabe für die Fachschüler: „Entwicklung einer Prägevorrichtung für Aluminiumrohre in Schließkantensicherungen“.
Ach so! Für einen Laien nicht sehr spannend, für Fachleute, wie die Schüler dieses Bildungsganges es sind, jedoch eine große Herausforderung. Drei Wochen Zeit hatte das Team - von der Aufgabenstellung bis zur Präsentation. Gleiche Spielregeln galten auch für die anderen vier Gruppen, die ihre Lösungen „ihren“ Unternehmen, Mitschülern und auch den Lehrern am Dienstag im Berufskolleg öffentlich vorstellen mussten.
„Das ist Arbeit unter realen Bedingungen“, erklärt Schulleiter Günter Schmidt den Geist der Projektarbeit. Es gehe um Innovation, Professionalität und die Berücksichtigung von wirtschaftlichen Überlegungen. Vor Ort bei Athmer schauten sich die Fachschüler das Produkt, letztendlich eine in die Tür eingebaute Vorrichtung zum Fingerklemmschutz, an und analysierten den Produktionsweg und das bisherige Prägeverfahren der dafür benötigten Aluminiumrohre. Nach der Analyse erfolgte ein Konzeptentwurf, die Ausarbeitung für die Entwicklung einer neuen Prägevorrichtung und die Kostenrechnung.
Die Firma Athmer steht erstmals als Kooperationspartner für die Projektarbeit zur Verfügung. Produktbereichsleiter Reiner Wiese zeigt sich vom Ergebnis angetan. „Das war ein systematisches Bearbeiten einer Aufgabenstellung“, sagte er, „dass es so kommt, hätte ich gar nicht gedacht“. Im Unternehmensalltag seien die Kapazitäten für so ein Vorgehen oft gar nicht vorhanden. „Diese Sicht von Außen öffnet einem dann die Augen, wie es gehen kann“, sagte Wiese gestern, „beide Seiten können voneinander lernen“. Und zugleich kündigte er an, dass Elemente des Projektkonzepts sicher in die künftige Produktion einfließen werden. Die Projektgruppe Athmer machte ihre Sache gründlich und musste auch selbst neue Wege beschreiten. Als sich beim Konzeptentwurf die Frage nach den benötigten Kräften beim Prägen des Rohres stellte, standen die Fachschüler zunächst auf dem Schlauch. „Im Internet und in der Fachliteratur wurden wir nicht fündig und auch unsere Fachlehrer wussten nicht weiter“, erzählten die Schüler. Also ging es ab ins schuleigene Baulabor, um die erforderlichen Kräfte im Test zu ermitteln. „Das empirische Arbeiten war auch für uns eine ganz neue Erfahrung“, so Frank Wistuba. Die entwickelte Prägevorrichtung wäre für Athmer für knapp 7600 Euro zu erstellen. Eine Investition, die sich auszahlen könnte, denn nach den Berechnungen der Fachschüler könnten bei der Produktion gegenüber der Vorgabe 35 Prozent Zeit gespart werden.

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