Ich heiße Nutria und wohn’ jetzt hier
22.02.2012 | 14:47 Uhr 2012-02-22T14:47:00+0100
Arnsberg. Eigentlich lebt die Nutria in Südamerika, doch am vergangenen Freitag wurde solch ein Tier am Möhnesee gesichtet. Nicht das einzige ortsfremde Tier, dass sich in Arnsberg und Umgebung wohlfühlt.
Ihr Zuhause liegt in Südamerika, doch scheint sie mit Arnsberger Temperaturen keine Probleme zu haben: die Nutria. Gesichtet wurde sie am Freitag am Möhnesee von Dr. Margret Bunzel-Drüke von der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest. Nicht das einzige ortsfremde Tier, das sich bei uns breit gemacht hat.
Relativ neu ist in Arnsberg der Silberreiher. „Seit zehn Jahren überwintert er hier“, weiß Bunzel-Drüke. Er sei ein gutes Beispiel für ein Tier, das nicht eingeschleppt wurde, sondern den Wechsel selbst vollzogen hat. Er brütet eigentlich im Süden oder Südosten. Da er aber zum Brüten offene Gewässer braucht, hat er irgendwann begonnen, sich auch in Arnsberg anzusiedeln.
Definitv nicht von allein hat die Nilgans den Weg nach Arnsberg gefunden. Der Name ist bei dem großen, braunen Tier mit dem auffälligen Flecken rund um das Auge Programm. Daher liegt es nahe, dass die ersten Tiere ihren Haltern ausgebüxt sind, die Nilgänse zum Privatvergnügen hielten. „Sie ist nun in den Ruhrauen zu beobachten. Ebenso wie die Kanadagänse aus Nordamerika“, erklärt Bunzel-Drüke. „Kanadagänse sieht man häufig in Voßwinkel“, weiß auch Rainer Fischer, Geschäftsführer der Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt. „Und ich bin mir sicher, dass es hier auch Waschbären gibt, auch wenn ich selbst noch keinen gesehen habe.“
Die Geschichte hinter Waschbär und Nutria könnte ähnlich sein: „Nutrias wurden wegen ihrer Pelze gehalten. Die kamen aus der Mode, die Tiere wurden nicht mehr gebraucht und ausgesetzt. So konnten sie sich verbreiten“, erklärt Bunzel-Drüke. Und sie verbreiten sich gut und schnell. „Das Problem ist, dass man diese Tiere nur sehr schwer wieder los wird. „Da müsste man schon einen richtigen Vernichtungsfeldzug starten.“
Absolute Problemfälle gibt es unter Wasser. So sei der Flusskrebs nahezu weg, nachdem eine Pilzerkrankung eingeschleppt wurde. Angefangen hat die Problematik bei Wassertieren schon vor 100 Jahren. Es dauert dann, bis die Folgen überall sichtbar werden. „Ganz übel ist es zum Beispiel beim Aal. Der Aalbestand geht europaweit zurück, seitdem ein Parasit, der Schwimmblasenwurm, eingeschleppt wurde. Seit ungefähr 20 Jahren geht der Bestand auch hier zurück, vorher war alles okay“, erklärt Bunzel-Drüke.
Durch die neuen Tiere, die sogenannten Neozoen, und ihre Krankheiten lassen sich vereinfacht gesagt drei Stufen der Auswirkungen auf die heimische Tierwelt feststellen: Bei den Vögeln, lassen sich kaum negative Folgen ausmachen. Sie leben in Koexistenz mit den heimischen Tieren. Bei den Säugetieren lassen sich die Einwirkungen und Folgen schwer abschätzen. Die verheerendsten Auswirkungen lassen sich ganz sicher unter halb der Wasseroberfläche ausmachen, wo eine Verdrängung stattfindet.

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