„Ich hatte mehr Glück als Verstand“

Oeventrop..  „Ich habe mehr Glück gehabt als Verstand. Meine Schutzengel haben viel Arbeit mit mir gehabt, wenn ich bedenke, wie oft ich in Todesgefahr gewesen bin“,sagt Fritz Loewe. Als Soldat überlebte er die Front, als Zivilist die Heimat unter Bombenhagel.

1945: „Es kamen der Frühling und die Front immer näher. Ich war gerade Bäume schneiden, als amerikanische Flugzeuge über Berens Köppken Richtung Arnsberg flogen. Unter ihren Rümpfen lösten sich riesige Bomben. Ich dachte zuerst, es wären kleine Flugzeuge, aber es waren die dicksten Bomben, die es gab. Es waren die Bomben, die das Viadukt in Arnsberg zerstören sollten. Zacharias Mutti hatte, obwohl strengstens verboten, den englischen Feindsender abgehört.

In Splittergraben gerettet

Dort wurde gemeldet, dass in der sieben Kilometer entfernten Ortschaft Oeventrop durch den gewaltigen Druck das Dach eines Sparkassengebäudes abgedeckt worden war. Frau Zacharias hatte nichts Eiligeres zu tun, als das Fenster aufzumachen und nachzuschauen. Eine Fehlermeldung! Auch die Kameraden von der anderen Feldpostnummer logen wie gedruckt. Wir haben kaum etwas von diesem Luftdruck gespürt, dank der Berge, die dazwischen lagen.“

Fritz Loewe hatte im Krieg im Alter von 22 Jahren ein Bein verloren. Zurück in der Heimat musste er mit diesen neuen Lebensumständen klar kommen. Er wollte nach Hüsten, um sich dort in der Gärtnerei vorzustellen. Auf dem Fahrrad in Soldatenuniform. „Ich war da bereits aus dem militärischen Dienst entlassen. Aber man hatte ja nichts anderes anzuziehen.“

In Arnsberg, gleich hinter den Bahnschranken, wollte ihn der Luftschutzwart in den Bunker schicken. „Aber ich wollte unbedingt nach Hüsten, mich vorstellen, und fuhr weiter. Als ich die Bömerstraße raufkam, sah ich das Malheur. Bomben fielen von der Jägerkaserne Richtung Altstadt. Jetzt wurde es doch brenzlig für mich. Mit dem einem Bein kam ich die Bömerstraße mit dem Fahrrad nicht hinauf. Ich musste absteigen und schieben. Als ich fast oben war, detonierte eine Bombe direkt hinter der Propsteikirche. Die Druckwellen waren, als wenn man einen Stein ins Wasser wirft.“

Ein Landser rief vom Splitterschutzgraben auf dem Neumarkt: „Jetzt wird es aber Zeit!“ - „Mit Ach und Krach landete ich im Splitterschutzgraben. Der Bombenabwurf hatte aber aufgehört. Die Bombe hinter der Propsteikirche war zunächst die letzte Bombe. Ob der Pilot ein guter Christ war? Er hat die Propsteikirche verschont. Erst ab Steinweg ging der Bombenhagel weiter bis zum Viadukt, dem die Bombardierung eigentlich galt. Als der Spuk vorbei war, setzte ich mich aufs Fahrrad und fuhr Richtung Hüsten weiter.“

Haus liegt quer über die Straße

Fritz Loewe kam nur bis zur Jägerbrücke. „Ein Haus lag quer über der Straße bis zum Mühlengraben. Eine Weiterfahrt war unmöglich.“ Er entschloss sich, durch das Alte Feld zum damaligen „Kreisgarten“ zu fahren, um dort nachzuschauen, ob etwas passiert war. „Sie konnten mich gut gebrauchen. Es waren etliche Scheiben zu Bruch gegangen, die nun ersetzt werden mussten.“ Am Spätnachmittag war Loewe wieder zurück in Oeventrop. „Daheim hatten sie von dem Angriff gehört und sich große Sorgen gemacht und waren nun heilfroh. Wieder einmal hatte ich Glück gehabt. Denn wären die Bomben weiter gefallen...“

Loewe machte einige Tage später einen neuen Versuch, zu seinem Vorstellungsgespräch zu gelangen. Diesmal hatte er eine Mitfahrgelegenheit: Freund Theo Zacharias hatte einen kleinen Anhänger hinter dem Fahrrad. Frühmorgens ging es über den Schreppenberg nach Hüsten, wo Zacharias den Freund absetzte. Wie verabredet wartete Loewe mittags auf der Ruhrbrücke, um wieder mit ihm zurückzufahren. „Die Ruhr war gelb vor Dreck. Es hatte wieder einen Angriff auf den Viadukt gegeben. Und dieses Mal hatte es geklappt. Die Mehrheit war froh darüber und hoffte, dass die Bombardierung nun aufhören würde.“

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