Hehler motivieren Straftäter

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Viele Eigentumsdelikte im Hochsauerlandkreis haben etwas mit Beschaffungskriminalität zu tun. Vor dem Landgericht Arnsberg plaudert ein Angeklagter aus dem Nähkästchen. Seine „Ware“, so sagt er, werde er „bei Kiosken und Döner-Buden“ los.

Arnsberg..  In Strafprozessen vor dem Landgericht Arnsberg sind es oft die Nebensätze aus dem Munde von Beschuldigten, die staunen lassen. Im Zusammenhang mit dem Verfahren zu der Arnsberger Raubüberfall-Serie im vergangenen Herbst sprach der Angeklagte L. über seine Beschaffungskriminalität und öffnete ganz beiläufig den Blick auf Hehlerei im Hintergrund.

Eine nicht wesentliche, aber anhängende Anklage konnte der 34-jährige L. nicht ganz bestätigen. Ihm wurde vorgeworfen, in einem Supermarkt Spirituosen gestohlen zu haben. Von „Kümmerling“ war die Rede. „Ich wüsste gar nicht, wo ich das loswerden könnte“, sagte er frei heraus. Und so erzählte er, dass er Zigaretten, Kaffee oder Alkohol nicht zur Deckung des Eigenbedarfes erbeutet habe, sondern um sie zu verkaufen. Wo man denn solche Beute verkaufen könne, wollte der Vorsitzende Richter Klaus-Peter Teipel wissen. „An Kiosken oder Döner-Buden!“, erzählte L. redselig. Den halben Preis des normalen Kaufwertes würde er da für seine „Ware“ erhalten.

„Bei sehr vielen Eigentumsdelikten handelt es sich um Beschaffungskriminalität“, weiß Polizeisprecher Ludger Rath von der Kreispolizei, „für die Beute von Einbrüchen und Diebstahl gibt es auch Abnehmer“. Dieses System an Hehlerei sei zusätzliche Motivation für Straftäter. Die Polizei gehe auch diesen Hinweisen nach. „Wir wissen und erahnen viel“, so Rath. Nur die Beweisführung sei nicht immer einfach. „Solche Anlaufstellen stehen aber unter Beobachtung“, sagt Rath. Auch Strafverfahren wegen Hehlerei würden geführt.

Die Diebe oder Räuber wie der Angeklagte L. finanzieren damit ihren Drogenkonsum. „Junkie sein ist anstrengend“, sagte der Arnsberger jetzt vor Gericht. Seit 20 Jahren sei er auf Drogen. „Welche Menge haben sie immer genommen?“, wollte Richter Teipel wissen. „So wie das Geld da war!“, antwortete L.. Hehler vor Ort gaben ihm offenbar immer wieder Bares gegen Beute.