„Hat denn die Stadt so viel Geld?“

Arnsberg..  Es ist eine schwere Kuh, die da auf dem Eis steht. Und die sich wohl nicht ohne jegliche Blessuren entfernen lässt. Dazu erregt das mögliche Umzugskarussell von Theodor-Heuss-, Real- und Sekundarschule zu sehr die Gemüter der Betroffenen. Denn die Emotionen schwappten am Donnerstagabend hoch, als die Thematik auf Einladung der Schulpflegschaft mit Politik und Verwaltung diskutiert wurde. Die endgültige Entscheidung wird wohl Wunden schlagen. Frage ist nur: für wen?

Immerhin: 4000 Arnsberger Bürgerinnen und Bürger hatten sich bereits im Vorfeld im Rahmen einer Unterschriftenaktion für den Erhalt des Status quo ausgesprochen. Also dem Auslaufen von Theodor-Heuss- und Realschule am gewohnten Standort. „Die 4000er Marke,“ sagte THS-Schulpflegschaftsvorsitzender Michael Grünke, „haben wir ganz locker geknackt. Das sind 4000 Stimmen, an denen die Politik nicht vorbeigehen kann.“

Im Fokus stand auch die schlechte Informationspolitik, die, so THS-Fördervereinsvorsitzender und Ex-Schulleiter Werner Bühner, „für große Unruhe sorgt, weil niemand weiß, was passieren wird“. Man könne fast den Eindruck haben, dass alles unter Geheimhaltung falle. Und man wisse nicht mehr, wem man noch glauben könne.

Immer wieder angesprochen auch die erforderlichen Investitionen, um - im Fall der Fälle - die Petrischule Hüsten als mögliches neues Zuhause der Theodor-Heuss-Schule für die Erfordernisse des Ganztags umzubauen. Und das für nur drei Jahre. Geld, dass man an anderen Stellen sinnvoller einsetzen könne. Zum Beispiel für die weitere Entwicklung der Sekundarschule in Form eines Neubaus auf dem Gelände des zum Abriss bestimmten Hallenbades.

Droht Rückzahlung von Fördermitteln?

In Sachen Geld wartete Michael Grünke noch mit einer Überraschung auf: Von anonymer Hand war ihm ein Förderbescheid der Bezirksregierung aus dem Jahr 2007 in den Briefkasten geworfen worden. Das Land hatte damals für den Umbau der Theodor-Heuss für den Ganztag 2,3 Mio. Euro bewilligt - zweckgebunden für 20 Jahre. „Hat denn die Stadt so viel Geld, um sich eine mögliche Rückzahlung der Fördermittel leisten zu können, sollte unsere Hauptschule umziehen müssen?“

Doch da glaubt CDU-Fraktionschef Klaus Kaiser an eine Chance, sich mit der zuständigen Bezirksregierung zu einigen. Denn seine Vision sei, die Theodor-Heuss-Schule einmal als zentralen Standort für alle Arnsberger Grundschulen einzurichten - für qualifiziertes und differenziertes Lernen. „Dann,“ so Kaiser, „könnten wir uns sogar die kleinen Grundschulen auf den Dörfern leisten.“ Und damit wären die Fördermittel letztlich nicht vergeblich geflossen.

Doch zurück zum aktuellen Problem: Viele Eltern, aber auch Lehrer, betrachten einen Umzug beider Schulen - die Realschule würde dann zur THS wechseln - als einen sehr einschneidenden Eingriff für die Schüler. Denn erst in den letzten Jahren der Schulzeit würden sich die Jugendlichen intensiv mit ihrer Zukunft auseinandersetzen. Und dafür müsste sie völlig ungestört sein. In ihrer gewohnten Umgebung.

„Hätte man wissen müssen“

Ganz nachvollziehen mochten viele auch nicht die Argumentation von einer plötzlichen Explosion der Schülerzahlen an der Sekundarschule. So sei man einfach von einer Vierzügigkeit ausgegangen, sagte Realschulleiter Thomas Mono, obwohl in den Vorgesprächen jedem klar gewesen wäre, „dass es fünf- bis sechszügig wird“. Man habe, so Mono, wohl vergessen, bei den Berechnungen der künftigen Zahlen für die neue Sekundarschule die Kinder einzubeziehen, deren Eltern sich bei der Umfrage für die Realschule ausgesprochen hätten. Doch durch das Auslaufen dieser Schulform im Ortsteil würden diese natürlich jetzt an der Sekundarschule angemeldet.

Gerd Schmid, zuständiger Fachbereichsleiter Schule der Stadt, machte dagegen nochmals deutlich, dass man jetzt reagieren müsse, wolle man für künftige Schülergenerationen ein demografiesicheres schulisches Angebot bereithalten. Er versprach aber auch, dass die Verwaltung alle denkbaren Lösungsmöglichkeiten mit entsprechender Kostenanalyse in der Vorlage für Schulausschuss und Rat aufführen werde. Die Entscheidung liege dann bei der Politik.

Imfo

Der Fahrplan bis zur endgültigen Entscheidung:

In der kommenden Woche will die Verwaltung die Vorlagen für Schulausschuss und Stadtrat mit allen möglichen Lösungsoptionen vorlegen.

Der Schulausschuss tagt dann in Sondersitzung am 3. März, der Rat am 11. März.

Mitwirkungspflichtig sind die Schulkonferenzen, die dann nochmals zu den vorgelegten Optionen gehört werden.